Text-Bild-Ansicht Band 322

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des Brennstoffes aus der Düse bei wechselnder Umdrehungszahl des Motors der Luftgeschwindigkeit im Vergaser proportional bleibt.

Textabbildung Bd. 322, S. 783

In der Hauptsache besteht der Apparat (Fig. 1) aus dem bei B an das Schwimmergehäuse angeschlossenen Rohraufsatze A, von dem zwei Rohrleitungen C und D zur Saugleitung des Motors führen, und zwar ist die eine vor, und die andere hinter der Drossel angeschlossen. Beide Rohre können nun mittels des in die obere konische Bohrung des Rohraufsatzes A eingepaßten Hahnkükens K, dessen unteres Ende in Höhe der Rohröffnungen C1D1 schräg abgeschnitten ist, ganz oder nur zum Teil abgeschlossen werden. Je nach Drehung des Hahnkükens ist man in der Lage, entweder der Luftverdünnung vor der Drossel, oder derjenigen hinter der Drossel, einen stärkeren Einfluß auf die Luftdruckregulierung im Schwimmergehäuse zu geben. Bei geöffneter Drossel ist die Druckminderung an beiden Stellen gleich, dagegen ist sie bei geschlossener Drossel hinter derselben, also zwischen ihr und den Zylindern, naturgemäß größer.

Das Hahnküken ist mit achsialer Bohrung versehen, die mit der Querbohrung F in Verbindung steht. Durch Herunterschrauben der Stellschraube G wird beim Einregulieren des Apparates die Zusatzluft vollständig abgeschlossen. Der Motor, welcher vor Abschluß der Zusatzluft angedreht wird, bleibt infolgedessen stehen, da jetzt kein Brennstoff mehr aus der Düse treten kann, denn im Vergaserraum sowie im Schwimmergehäuse herrscht jetzt gleicher Druck.

Durch allmähliches Lösen der Stellschraube G wird alsdann die Druckminderung so lange verringert, bis der Motor in gedrosseltem, nicht gedrosseltem, in belastetem und nicht belastetem Zustande gleich gut arbeitet. Die Druckminderung wird also durch Zulassung einer durch Stellschraube G regulierbaren Menge Außenluft auf das erforderliche Maß beschränkt.

Die regelnde Tätigkeit erstreckt sich daher nur auf den Uebertritt des Brennstoffes aus dem Schwimmergehäuse durch die Düse in den Vergaserraum.

Durch das hiermit erzielte, gleichmäßig richtige Mischungsverhältnis und der gleichmäßigen Verteilung des Brennstoffes in den einzelnen Zylinderfüllungen bei den verschiedenen Motorgeschwindigkeiten wird der Brennstoff derart ökonomisch ausgenutzt, daß sich erhebliche Ersparnisse erzielen lassen.

Aber nicht nur in den einzelnen Zylinderfüllungen sind die Mischverhältnisse stets gleich, sondern sogar bei den einzelnen Teilen dieser Füllungen, welche bei den verschiedenen Phasen des Kolbenhubes mit verschiedener Geschwindigkeit durch den Vergaser in den Zylinder einströmen. (Der Radmarkt und das Motorfahrzeug, 2. November 1907, S. 11–17.)

– h.

Straßen- und Kleinbahnen.

Schutzvorrichtung an Straßenbahnwagen. (Helbig.) Die schaufelartig wirkende Fangvorrichtung besteht aus einem unmittelbar vor den Laufrädern angebrachten Fangkorb, dessen vorderer Abschluß durch eine zwischen den Seitenträgern des Fangkorbes lose hängende Kette gebildet wird. Auf die Kette sind keilförmige, mit Borsten versehene Glieder aufgereiht, die mit dem sich dahinter anschließenden festen Teil des Fangkorbes beweglich verbunden sind. Außerdem sind auf den vorderen Enden der Seitenträger über den Befestigungspunkten der Kette mäßig gewölbte Scheiben drehbar angeordnet, die mit einem schräg nach unten gerichteten Borstensatz in die Spurrinnen eingreifen, um ein Einklemmen von Körperteilen auch hier zu verhüten. Ein vorn unter der Plattform angebrachtes Tastgitter dient zur Steuerung des Fangkorbes der für gewöhnlich hochgeklappt ist.

Stößt ein vor dem Wagen zu Fall gekommener Körper gegen das Tastgitter, so wird der Fangkorb zwangläufig auf die Straßenoberfläche herabgesenkt. Hierbei legt sich die Kette mit ihren schmiegsamen Abschlußelementen, die sich den Unebenheiten der Straßenoberfläche völlig anpassen, in einem Bogen gleichmäßig auf das Profil derselben, wobei die Borstenkante der keilförmigen Glieder die Lücken zwischen den Pflastersteinen abdichten und sich unter den gefährdeten Körper schieben wird, ohne denselben zu verletzen.

Die Schutzvorrichtung ist von der Dresdner Straβenbahn während sechs Betriebsmonaten allwöchentlich einmal erprobt worden und hat hierbei die durch Puppen dargestellten Körper selbst von sehr unebener Straßenoberfläche zuverlässig aufgenommen. Auch ein Kind, sowie mehrere Tiere sind ohne Schaden zu nehmen, von dem Fangkorb aufgenommen und vor dem Ueberfahrenwerden bewahrt worden. (Deutsche Straßen- und Kleinbahnzeitung 1907, S. 804–805.)

Pr.

Wasserbau.

Zur Bildung des Grundwassers. (Graeber.) Die bis in die neueste Zeit anerkannten Regeln über den Kreislauf des Wassers, die von Pettenkofer aufgestellt worden sind, und wonach das an der Oberfläche des Meeres verdunstende Wasser in Form von Regen auf die Erde gelangt, in sie eindringt und oberhalb einer undurchlässigen Schicht als Quelle zu Tage tritt, um wieder ins Meer zurückzugelangen, sind durch die Beobachtungen der neueren Forscher erschüttert worden. Schon Volger in Frankfurt hat in den achtziger Jahren die Ansicht vertreten, daß die Niederschläge allein im allgemeinen nicht ausreichen, um die großen Vorräte an Grundwasser, die sich überall vorfinden, immer neu zu ergänzen, und die Versuche von Haedicke haben in eingehender Weise den Nachweis dafür erbracht, daß die Bildung des Grundwassers weniger auf das Eindringen von Niederschlagwasser in die Erde als auf das Eindringen von Wasserdampf zurückgeführt werden muß. Die Verdunstung des Regenwassers auf der Erdoberfläche ist im allgemeinen viel größer, als man bisher angenommen hat, und andererseits der Teil der Niederschlagsmenge, der in den Untergrund eindringt und zur Vermehrung des Grundwassers beiträgt, viel geringer, als man bis jetzt geglaubt haben würde. Ein starker Gewitterregen dringt z.B. in sandigen, gut durchlässigen Boden nicht tiefer als 20 bis 25 cm ein und, wenn nicht neuer Regen nachfällt, so verdunstet das ganze Regenwasser wieder, ohne bis an den Grundwasserspiegel zu gelangen. Im Durchschnitt verdunstet im Jahr mehr Wasser als vom Himmel herabfällt.

Auf die Bildung und das Verhalten des Grundwasserspiegels hat demnach – regnerische, insbesondere an Dauerregen reiche Jahre und ganz besonders trockene Gegenden ausgenommen – die Niederschlagsmenge nur untergeordneten Einfluß. Prof. Intze ermittelte z.B., als er die Remscheider Talsperre baute, daß derselben im Monat März 1882 800630 cbm Wasser zugeführt worden sind, obgleich in der gleichen Zeit in dem ganzen Gebiet nur 762300 cbm an Niederschlag gefallen waren. Dabei ist die große Verdunstungsmenge noch nicht berücksichtigt.

Haedicke hat nun folgende Versuche gemacht: Er setzte einen mit kleinen Steinen gefüllten Teller in eine Grube dicht am Strande des Meeres und füllte diese mit dem heißen Dünensand