Text-Bild-Ansicht Band 322

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wieder auf. Am folgenden Tage befand sich trotz heißer, regenloser Zeit klares, salzfreies Wasser auf dem Teller. Eine 1,7 m tief eingegrabene, mit Rand und Ablauf versehene, gegen Regenfall geschützte Platte lieferte bei einem Versuch in Siegen stets Tropfwasser, wenn vor dem Regen die Luftfeuchtigkeit zunahm. Durch diese Versuche kann man die Annahme als nachgewiesen erachten, daß das Grundwasser durch Kondensation des mit der Luft in das Erdinnere eindringenden Wasserdampfes gebildet wird, und damit wird zugleich eine ganze Reihe von Erscheinungen aufgeklärt, für die man bis jetzt keine vernünftige Erklärung finden konnte. Daß z.B. das Steigen des Grundwasserspiegels vielfach vor dem Regenfall eintritt, erklärt sich daraus, daß vor dem Regen die Luft ganz besonders mit Wasserdampf gesättigt ist, und wie das Hygrometer schon vor dem Regen einen höheren Feuchtigkeitsgrad der Luft anzeigt, so tritt die Wasserbildung im Erdinnern durch die feuchtere Luft auch schon vorher ein, jedenfalls aber früher als die Abkühlung draußen zum Regenfall führt. Auch die bekannte Tatsache, daß dicht unterhalb der Spitze von Bergen besonders hohen Bergen, sich fast nie versagende Quellen vorfinden, sowie die Bildung von Hochseen, z.B. der sogenannten Meeraugen, läßt sich auf Grund dieser neueren Anschauung aufklären. Man hat bisher solche Wasserbildungen, die augenscheinlich auf die Speisung durch Niederschläge allein nicht zurückgeführt werden konnten, mit unterirdischen Wasserzuflüssen usw. in Verbindung gebracht. Daß dem nicht so zu sein braucht, beweist der Umstand, daß die Luft in diesen Höhen stark feucht ist und sofort nach ihrem Eindringen in die Spalten des Gesteins Wasser abgeben muß.

Durch die Beobachtungen Haedickes werden auch die Erwägungen, die bis jetzt bei der Anlage von Talsperren für Wasserversorgungs- und Kraftzwecke angestellt worden sind, wesentlich beeinflußt. Waren bis jetzt eigentlich nur der Umfang des Niederschlagsgebietes und die mittlere jährliche Niederschlagsmenge für die Schätzung der Ergiebigkeit einer Talsperre maßgebend, so wird man diese Berechnungen in Zukunft auf die mittlere Feuchtigkeit der Luft und auf die Aufnahmefähigkeit des Bodens für den Wasserdampf stützen müssen, wenn man zu Ergebnissen gelangen will, die den Tatsachen entsprechen. (Deutsche Bauzeitung 1907, S. 578–580.)

H.

Wasserkraftanlagen.

Wasserkraftanlage der Mc. Call Ferry Power Company am Susquehanna-Fluß. Dieses Kraftwerk, das im vollen Ausbau 135000 PS Leistung liefern soll, ist nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch den eigenartigen Vorgang, der bei seinem Bau eingeschlagen werden mußte, bemerkenswert. Der Fluß ist an der Stelle, wo das Kraftwerk errichtet worden ist, etwa 810 m breit, und sein Wasser wird durch einen die ganze Flußbreite abschließenden Damm aus Betonmauerwerk ohne Eisenverstärkungen angestaut, so daß selbst bei höchstem Wasserstand noch ein genügendes Gefälle gesichert wird. Der Staudamm liegt zum Teil auf einer Insel, die den Flußlauf in zwei Teile zerlegt. Beim Bau dieses Dammes ist nun zunächst der eine und dann der andere Arm durch einen Kofferdamm trocken gelegt worden und während dessen hat man auf dem steinigen Boden das Fundament des Staudammes aufgeführt; von dem eigentlichen Dammkörper sind aber nur Stücke von etwa 12 m Länge, zwischen denen ebenso weite Lücken freigelassen wurden, fertiggestellt worden, um nach Erbauung der einen Dammhälfte Raum zum Abfluß des Wassers darüber frei zu lassen, während die andere Hälfte errichtet wurde. Das Verbauen der Lücken wurde sodann mit Hilfe eines transportablen Schützens ausgeführt, der aus einem eisernen Gerüst und einer wasserdichten Plane besteht, die, von oben heruntergerollt, sich dicht gegen die Begrenzung der Dammlücke anlegt. Auf diese Weise war es möglich, die Oeffnungen des Dammes auf der ganzen Länge gleichmäßig vollzubauen, ohne einseitige Druckbeanspruchungen in den Kauf nehmen zu müssen. Die Verlängerung des Staudammes nach dem östlichen Ufer hin, bildet das ebenfalls aus Betonmauerwerk errichtete gegen Eis und schwimmende Baumstämme durch ein abgeschlossenes Vorbecken geschützte Turbinenhaus, in dem zehn Schächte für große und zwei für kleine Turbinen vorgesehen sind. Zurzeit sind zwei große Maschinengruppen aufgestellt: Doppel-Francis-Turbinen von je 13500 PS Leistung bei etwa 16 m Höchstgefälle und 94 Umdrehungen i. d. Minute, sowie von 12000 PS bei etwa 13 m Mindestgefälle, die 7500 KW-Drehstrommaschinen von 11000 Volt Spannung, unmittelbar antreiben. Die Turbinen haben 3050 mm Laufraddurchm. und ihre senkrechten Wellen werden mit Oel geschmiert, das mit etwa 17,5 kg/qcm Pressung zugeführt wird. Zur Erzeugung dieses Drucköles dient für jede Maschinengruppe eine besondere 50pferdige Turbine oder ein Elektromotor; die Druckölanlage muß vor dem Anlassen der großen Maschinen in Gang gesetzt werden, um alle Schmierstelen mit Oel zu versorgen. Für Erregerzwecke dienen die beiden kleinen für je 1000 PS Leistung bemessenen Turbinengruppen, die Gleichstrom von 250 Volt bei 240 Umdrehungen i. d. Minute liefern. Die wirtschaftlichen Aussichten sind gerade für diese Wasserkraftanlage ganz besonders günstig, da sie an einer Stelle gelegen ist, von der aus Industrieorte wie Philadelphia, Baltimore, Wilmington, Harrisburg, York, Lancaster usw. verhältnismäßig leicht erreichbar sind. Man schätzt die gegenwärtig in diesen Orten erzeugte Dampf kraft auf 750000 PS, Gelegenheit zur Unterbringung der elektrischen Leistung des Kraftwerkes als Ersatz für Dampfanlagen oder als Ergänzung dafür, ist also selbst nach dem vollen Ausbau der Wasserkraftanlage reichlich geboten. (Engineering News 1907, Bd. II, S. 267–276.)

H.

Bei der Redaktion eingegangene Bücher.

Experimentaluntersuchungen über die Selbstinduktion in Nuten gebetteter Spulen bei hoher Frequenz. Von Dr.-Ing. Hermann Niebuhr. Mit 23 Abb. Berlin, 1907. Julius Springer. Preis geh. M. 1,60. B. G. Teubners Sammlungen von Lehrbüchern auf dem Gebiete der Mathematischen Wissenschaften mit Einschluß ihrer Anwendungen. Band 26. Horace Lamb, Prof. der Mathematik a. d. Viktoria – Universität Manchester. Lehrbuch der Hydrodynamik. Deutsche autorisierte Ausgabe. (Nach der dritten englischen Auflage.) Besorgt von Dr. phil. Johannes Friedel. Mit 79 Abb. Leipzig und Berlin, 1907. B. G. Teubner. Preis geb. M. 20,–. Aufgaben und Fortschritte des deutschen Werkzeugmaschinenbaues. Von Friedrich Ruppert, Oberingenieur. Mit 398 Abb. Berlin, 1907. Julius Springer. Preis geb. M. 6,–. Monographien über chemisch-technische Fabrikationsmethoden. Band IV. Das Porzellan. Von Dr. R. Dietz, Privatdozent a. d. Technischen Hochschule zu Dresden. Halle a. S., 1907. Wilh. Knapp. Preis geh. M. 3,20. Die Weltwirtschaft. Ein Jahr- und Lesebuch. Herausgegeben von E. von Halle. Zweiter Jahrgang 1907: Zweiter Teil Deutschland. Leipzig und Berlin, 1907. B. G. Teubner. Preis geh. M. 4,–.