Text-Bild-Ansicht Band 299

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der Atmosphäre bildet. Obgleich dieser Zusatz ein sehr geringer ist, so hat er doch, ganz abgesehen davon, dass der Erfolg namentlich bei den feinsten Bronzen nur ein beschränkter ist und dass das fertige Fabrikat leicht schmiert, noch verschiedene Nachtheile im Gefolge. Beim längeren Lagern der Bronzepulver bilden sich Fettsäuren, welche allmählich zerstörend auf die Oberfläche der Metalltheilchen einwirken und die Bronze schwarz färben.

Ferner lässt sich mit solcher gefetteten Bronze auf einem Leimuntergrunde kein gleichmässiger Aufstrich erzielen, da die fetten Bronzetheilchen von der wässerigen Leimlösung abgestossen werden.

Man hat daher versucht, andere Zusätze zu verwenden. H. Rosenhaupt setzt der zu polirenden Bronze an Stelle des Fettes eine Lösung von salpetersaurem Quecksilberoxydul zu.19)

Dieses giftige Politurmittel hat jedoch keinen Eingang gefunden.

J. Rosenthal20) sucht die schädliche Einwirkung der Atmosphäre dadurch zu vermeiden, dass er entweder die zur Herstellung der Pulver dienenden Maschinen luftdicht verschliesst und dann die Luft durch Luftpumpen oder Gebläse aussaugt, oder indem er in die luftdicht verschlossenen Maschinen Substanzen bringt, welche die schädlichen Gase absorbiren.

Solche Substanzen sind für Sauerstoff: Eisen- und Manganhydroxydul, alkalische Pyrogallussäure, fein vertheiltes Blei, Natrium, Phosphor u.s.w.; für Wasserdampf: Calciumchlorid, Zinkchlorid, concentrirte Schwefelsäure; für Kohlensäure: geglühter Natronkalk. Statt diese Substanzen unmittelbar in die Maschinen zu bringen, kann man die Maschinen auch durch Rohrleitungen mit geschlossenen Gefässen verbinden, in welchen die genannten Körper enthalten sind, oder auch beide Methoden combiniren.

Zur Herstellung eines vollständig dichten Verschlusses der Maschinen werden die Stopfbüchsen mit einer Flüssigkeit abgedichtet. Einfacher gestaltet sich die Abdichtung, wenn man elektrischen Antrieb benutzt und den Motor innerhalb des auszupumpenden Raumes anbringt, da in diesem Falle Stopfbüchsen überhaupt nicht nothwendig sind.

Von Gasen, welche auf die Pulver keinen oder einen günstigen Einfluss ausüben, sollen Stickstoff, Kohlenwasserstoffe oder Wasserstoff Verwendung finden.

Auch das Trocknen der nassen Bronze, das bisher auf geheizten Blechen bei ungehindertem Luftzutritt erfolgte, soll in abgeschlossenen Räumen durch Erwärmen unter Benutzung Wasser absorbirender Körper, wie Chlorcalcium u.s.w., vorgenommen werden, wobei man, um die Oxydation der Bronze zu verhindern, entweder die Luft oder nur den Sauerstoff aus den geschlossenen Räumen entfernt.

Die Maschinen müssen so construirt sein, dass der Luftraum derselben möglichst klein wird.

Im Innern der dicht verschliessbaren Maschinen werden an beliebigen Theilen Behälter angebracht, welche mit einem umklappbaren, luftdicht schliessenden Deckel versehen sind, um die das Gas entwickelnden Substanzen aufzunehmen. Die in den Maschinen befindliche Luft bleibt nun einige Zeit den in den Behältern befindlichen Gasen ausgesetzt, dann erst wird die Maschine in Bewegung gesetzt.

Sobald dies geschieht, werden die Deckel der Behälter durch in den Maschinen angebrachte Anschläge geschlossen, damit ein Vermischen des zu verarbeitenden Inhaltes der Maschinen und des Inhaltes der Behälter nicht stattfinden kann.

Stempel für Bronzestampfwerke von G. Sichelstiel in Nürnberg.21) In den Bronzestampfwerken wird das Stampfgut der stossenden und reibenden Wirkung von Pochschuhen unterworfen, welche während des Emporhebens gedreht werden. In der Mittelachse des Stempels findet aber keine, oder doch nur eine ganz geringe reibende Wirkung statt und es bilden sich daher erfahrungsgemäss durch das Zusammenballen von Bronzetheilchen mehr oder weniger grosse Brocken.

Diese sind für die Bronzefabrikation unbrauchbar und stellen daher einen erheblichen Materialverlust dar, dessen Beseitigung vielfach angestrebt worden ist. Das einzige bisher als wirksam befundene Mittel besteht in der Zugabe von Fett zu dem Stampfgut. Bei der Erzeugung feiner Bronzen ist jedoch die Verwendung von Fett ausgeschlossen. Die Ursache des Zusammenballens liegt darin, dass in der Nähe des Stempels eine zu geringe Verschiebung des Pulvers eintritt.

Der Erfinder sucht diesen Uebelstand dadurch zu beseitigen, dass der Pochschuh in der Achse auf das Stampfgut überhaupt nicht, oder nur unter gleichzeitiger Verschiebung einwirkt. Zu diesem Zwecke wird die Stampffläche entweder seitlich von der Rotationsachse angeordnet, oder die Fläche des Stempels wird in der Mitte durchbrochen construirt.

Maschine zur Herstellung von Brokat u.s.w. von L. Sattler in Nürnberg.22) Bei dieser Maschine sind Zerkleinerungs- und Polirvorrichtung mit einander vereinigt, so dass die Trommel der Kugelmühle auf ihrem Umfange die Bürsten der Polirvorrichtung trägt.

Die durch geriffelte Stahlkugeln an den ebenfalls gerippten Hartgusstäben der Mühle zerkleinerten und vorpolirten Stoffe werden daher unmittelbar aus der Mühle in die Polirvorrichtung gefördert.

In dem unteren Theile des Polirraumes ist eine Klappe angebracht, durch welche das fertige Brokat entleert werden kann.

Das Färben der Bronzepulver.

Das Färben geschieht wie bei den Blattmetallen auf chemischem oder mechanischem Wege.

Die chemische, auch natürliche Färbung genannt, wird meistens dadurch hervorgerufen, dass man die Bronzepulver in offenen kupfernen Kesseln unter Zusatz von etwas Oel und Essig erhitzt. Auch Wachs, Paraffin oder schwefelhaltige Oele werden als Zusätze verwendet.

Ausser dieser Färbung gibt es noch einige andere, aber weniger angewendete Methoden.

So soll man nach G. Buchner: Die Metallfärbung und deren Ausführung, ebenfalls hübsche Anlauffarben erhalten, indem man die Bronzepulver in einer verschlossenen Flasche mit Schwefelwasserstoffwasser schüttelt und 24 Stunden stehen lässt.

Das Wasser wird darauf abgegossen und das geschwefelte Pulver getrocknet. Dann erwärmt man das

19)

D. R. P. Nr. 44241 vom 15. October 1887.

20)

D. R. P. Nr. 75797 vom 10. November 1893.

21)

D. R. P. Nr. 81420 vom 6. November 1894.

22)

D. R. P. Nr. 61069 vom 16. Juni 1891.