Text-Bild-Ansicht Band 299

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entfernen sei, fand sich indessen nicht bestätigt. Die fortlaufende chemische Controle des Kesselwassers ergab eine zunehmende alkalische Reaction und das Vorhandensein grosser Mengen Na2SO4. Der abgeblasene Schlamm bestand lediglich aus Cr2O3 und CaCO3. Niemals fand sich chromsaurer Kalk im Niederschlag entgegen der Angabe der Patentschrift. Vielmehr ist die Wirkung des chromsauren Natrons ausschliesslich derart, dass es unter den im Kessel herrschenden Druck- und Temperaturverhältnissen von der organischen Substanz des Speisewassers zu Cr2O3 und NaOH reducirt wird, welches letztere alsdann dem CaSO4 des Wassers die SO3 entzieht und Na2SO4 bildet. Derselbe Effect dürfte demnach mit NaOH zu erreichen sein. Doch ist nicht zu verkennen, dass das indifferente, voluminöse, im Wasser suspendirte Cr2O3 dem Kesselstein incorporirt wird und somit dessen Festigkeit verringert. Corrosionen an eingehängten Kupfer-, Messing-, Eisen- und Bleiblechen wurden nicht beobachtet.

Auch ein bekanntes Kesselsteingegenmittel, der Gerbstoff, ist neuerdings Gegenstand eines Patentes geworden; Oscar Lauffer führt in seinem D. R. P. Nr. 77124 Folgendes aus:

Zur Entfernung und zur Verhinderung der Neubildung von Kesselstein gibt man dem Kesselwasser einen Extract zu, der ungefähr einen Gehalt von 24 Proc. Gerbstoff in vollständig aufgeschlossener, d.h. hydroxylirter Form besitzt, und welcher hergestellt wird:

1) Durch Kochen gewöhnlicher gerbstoffhaltiger Materialien, wie Fichtenrinde, Eichenrinde oder Kastanienrinde, mit Ammoniak und nachfolgende Vergährung, und

2) durch Erhitzen dieser Materialien mit hochgespannten Wasserdämpfen nebst darauffolgender Vergährung.

Bei Anwendung der ersten Methode setzt man zu je 100 k rohem Gerbstoffextract 1 k Ammoniaklösung von 25 Proc. und zwar nachdem man das gerbstoffhaltige Material bereits 1 bis 2 Stunden mit Wasser gekocht hat. Die Zeitdauer der Kochung richtet sich nach der Natur des angewendeten Rohmaterials. An Stelle von Ammoniaklösung lässt sich mit gleichem Erfolge eine solche von Ammoniumcarbonat gleicher Concentration verwenden.

Die so erhaltene Lösung wird durch Kolirtücher gegossen, zur Entfernung aller fein vertheilten, aufgeschlämmten Theilchen in Filterpressen geklärt und nachher auf 3° Bé. verdünnt, falls man nicht die Kochung schon so geleitet hat, dass diese Concentration erzielt ist. Die Lösung wird nun rasch auf 30° C. gebracht und mit etwas faulendem Käse versetzt, an dessen Stelle später der Gährungsrückstand der vorangegangenen verwendet werden kann.

Nach einiger Zeit, in der Regel nach 1 bis 2 Tagen, beginnt der Extract in Gährung überzugehen, wobei zunächst alle zuckerartigen Stoffe und wegen der Milchsäuregährung auch die stickstoffhaltigen zerstört werden. Die im Extract vorhandenen Glycoside und schleim artigen Körper zerfallen hierbei in Zuckerarten, welche ebenfalls zerstört werden, und in Salze von gerbstoffartigen Verbindungen, die sich durch einen grossen Reichthum an Hydroxylgruppen auszeichnen. Diese Verbindungen sollen in hohem Grade auf Beseitigung des Kesselsteins wirken.

Um die Spaltung mit Ammoniak zu vermeiden, kann man den zweiten Weg einschlagen und die Rohmaterialien bei 2 at Dampfdruck 1 Stunde lang kochen, dann verdünnen und vergähren lassen, wobei wiederum eine durchgreifende Hydratisation stattfindet und die gleichen eigenthümlichen Hydroxylderivate des Gerbstoffes entstehen.

Patentanspruch: Die Herstellung eines die Entfernung und Neubildung von Kesselstein bewirkenden bezieh. verhütenden Extractes, welcher etwa 24 Proc. Gerbstoff in aufgeschlossener, hydroxylirter Form enthält, in der Weise, dass man gerbstoffhaltige Rohmaterialien, als Fichtenrinde, Eichenrinde, Kastanienrinde u.s.w., entweder mit Ammoniaklösung kocht und nachher Milchsäuregährung einleitet, oder dass man die gerbstoffhaltigen Rohmaterialien unter Dampfdruck kocht und nachher vergähren lässt.

Zur Klärung der Kesselwässer ist auf der Zeche General Blumenthal ein Reichling'scher „Apparat zur Klärung der Kesselwässer“ aufgestellt worden. Er besteht aus geräumigen, aufrecht stehenden, cylindrischen Behältern, in denen die Wässer durch den Abdampf der Maschinen bis fast zur Siedetemperatur erhitzt und durch Zusatz von Kalk und Soda derart gereinigt werden, dass sie keinen Stein mehr absetzen. Die Apparate arbeiten zufriedenstellend. Die Anlage kostet rund 10000 M. und ist im Stande, die Speisewässer für 16 Dampfkessel zu reinigen. Die Kosten der Reinigung betragen für 1 cbm Wasser 2½ Pf., während die Zeche für das bisher zum Theil zur Kesselspeisung benutzte Ruhrwasser 10 Pf. bezahlen musste. Die zu reinigenden Wässer werden jetzt Brunnen entnommen.

Auf der Zinkerzgrube Neue Helene und auf der Wäsche der Cäciliengrube bei Scharley sind Wasserreinigungsapparate System Humboldt (D. R. P. Nr. 38032) aufgestellt worden, welche die Härte des Wassers von 22° bezieh. 17° auf 2° und 3½° vermindern sollen. Maassgebend bei der Wahl des Systems waren die guten Ergebnisse, welche mit demselben auf den Schmidt-Schächten der Scharleyer Tiefbausocietät gemacht worden waren.

Textabbildung Bd. 299, S. 228

Wasserreinigungsapparat nach Riddell's System, ausgeführt durch L. Hugh Bristowe und Co. in London. In Gegenden, wo die Wasserzufuhr direct den Flüssen entnommen wird, handelt es sich mehr um die Filtrirung als um das Weichmachen des Wassers. Die Unreinigkeiten können oft dadurch entfernt werden, dass man dieselben sich absetzen lässt, doch erfordert dies neben grossem Zeitaufwand die Anlage umfangreicher Klärbassins, wozu meistens der Raum fehlt.

Die von den Wasserwerken im Allgemeinen benutzten