Text-Bild-Ansicht Band 300

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wurde. Um dem Bedürfnisse, die Zangen an vorhandenen Bänken anbringen zu können, zu genügen, construirte der Mechaniker Rich. Nerrlich zu Berlin eine höchst einfache Vorrichtung, für welche der Werkzeughandlung von Grundmann und Kuhn in Berlin Gebrauchsmusterschutz ertheilt worden ist.

Textabbildung Bd. 300, S. 181

Ein rundes Stück Stahl (Fig. 1) ist an dem einen Ende in den für die Drehbankspitzen, Hohlkerner u.s.w. bestimmten, schlanken Konus der Spindel gut eingepasst und an dem anderen Ende cylindrisch angedreht. Der zwischen beiden stehengebliebene Ring ist von zwei Seiten flach gefeilt und durchbrochen. Die ganze Vorrichtung, „Zangenfutter“ genannt, ist der Länge nach durchbohrt und an dem cylindrischen Ende mit der konischen Ausdrehung für die amerikanische Zange, sowie für ein weiter unten noch zu besprechendes Futter (Fig. 6) auch aussen mit der entsprechenden konischen Andrehung versehen. Die auswechselbare Zange ist auch hier durch Nase und Nuth gegen Drehung gesichert. In der Aussparung befindet sich eine Mutter, welche sich auf die Zangen aufschrauben lässt; sie ist mit Kordel und ausserdem mit 6 Löchern zur Benutzung eines einschraubbaren Anziehstiftes versehen. Es genügt vollkommen eine Sechsteldrehung zum Oeffnen und Schliessen der Zange, so dass man den Stift in der Mutter lassen kann und zum Ein- und Ausspannen nur die kurze Bewegung zu machen braucht, welche durch die Anschläge begrenzt ist. Es wird so bei häufigem Aufspannen ein zu weites Oeffnen unmöglich, was auch wieder von Vortheil und Zeit ersparend ist. Es wäre vielleicht noch rathsam, anstatt der 6 Löcher eine ungerade Anzahl, etwa 5 oder 7 zu nehmen, da es leicht vorkommen kann, dass die unverdeckten Löcher auf der einen Seite des Zangenfutters so ungünstig liegen, dass die Zange nicht fest genug spannt. Die Lage der Löcher auf der zweiten Seite des Futters würde sich dann jedenfalls günstiger gestalten. Dieser Punkt kommt hier natürlich nur bei eingeschraubtem Anziehstift in Frage.

Die ganze Vorrichtung ist äusserst einfach, entspricht aber gerade deshalb ihrem Zweck vollkommen und hat den Vorzug, billig zu sein.

Für dieses Zangenfutter sind nun die verschiedensten kleinen Futter und Werkzeuge, wie solche zu den grösseren Drehstühlen der oben genannten Firmen hergestellt werden zu haben und können jederzeit einzeln nachbezogen werden, da sie äusserst gleichmässig, also stets passend gefertigt sind. So hat man für dasselbe ausser der mit verschieden grossen Bohrungen, die von 0,4 mm anfangend um je 0,2 mm steigen, versehenen Zange (Fig. 2) noch Stufenfutter, Achtschraubenfutter, Einsatzzapfen für kleine Fräsen und Schmirgelrädchen, Einsätze mit konischer Holzschraube, Laternen zum Verrunden der Kuppen von Schrauben, Aussenstufenfutter und verschiedene andere Einrichtungen (vgl. Fig. 3 bis 6). Zum Schraubenpoliren hat man auch ausser den gehärteten Stahlzangen solche aus Messing. Die Preise dieser einzelnen Theile bewegen sich zwischen 1,00 und 3,50 M.; eine gehärtete Stahlzange kostet zum Beispiel etwa 1,25 M. Das letzterwähnte Aussenstufenfutter, Patentringfutter „Lorch“ genannt, wird wie die anderen Zangen in die Vorrichtung gesteckt. Der Konus des Futters legt sich aber bei demselben über den aussen angedrehten der Vorrichtung und treibt beim Festziehen das Aussenstufenfutter aus einander.

Auch von Werkzeugen, für die einfache Zange passend, sind Bohrer, Flachsenker, Zapfenfräser, Scheibenstecher, Gratstecher und ähnliche für einen ganz geringen Preis, wofür dem Mechaniker die Einzelherstellung selbst in der primitivsten Form nicht im entferntesten möglich ist, käuflich zu haben; andere dem jeweiligen Bedürfnisse entsprechende Werkzeuge lassen sich leicht zu den Zangen passend herstellen.

Es sei schliesslich noch auf einen besonderen Vortheil des Zangenfutters aufmerksam gemacht. Die Zangen lassen sich jetzt auch sehr bequem in dem mit Schraube in der Pinole versehenen Reitstock verwenden, so dass man auf der Bank auch mit zwei Vorrichtungen arbeiten kann. Das Zangenfutter wird sich im Reitstock zum Bohren, ohne Kerner anzustechen, Zapfenfräsen, ohne Spitze anzudrehen, Gratstechen u. dgl. m. sehr nützlich erweisen, so dass Arbeiten, wie sie mit den Revolverköpfen hergestellt werden, mit Reitstock und Spindeldocke bequem ausgeführt werden können.

Elektro-pneumatische, selbsthätige Blocksignale.

Mit Abbildungen.

In Anbetracht der grossen Verbreitung und Beliebtheit, welcher sich elektro-pneumatische Blocksignale (vgl. 1893 290 * 278) in den Vereinigten Staaten Nordamerikas erfreuen, und mit Rücksicht auf das lebhafte Interesse, welches diesem automatischen Signalsystem auch gelegentlich der Vorführung beim vorjährigen internationalen Eisenbahncongresse in London zu Theil geworden ist, fand sich The Engineer vom 3. Januar 1896 veranlasst, das Wesentlichste aus einer an W. F. Allen, Secretär der American Railroad Association in New York gerichteten Denkschrift von George Westinghouse jun. in nachstehender, etwas gekürzter und der englischen Ausdrucksweise angepasster Fassung wiederzugeben:

„Es steht allerwärts ausser Frage, dass es kaum eine zweite Angelegenheit gibt, die so sehr einer eingehenden, gewissenhaften Prüfung unterzogen zu werden verdient, als die Wahl geeigneter Signale zur Sicherung des Zugsverkehrs