Text-Bild-Ansicht Band 300

Bild:
<< vorherige Seite

was anstatt sieben nur vier Kurbelumdrehungen erfordern würde u.s.w. Anstatt der oben gedachten Zahl 989899 ist es vortheilhaft, mit 1000000 und mit 10101 zu multipliciren und das letztere Product von dem ersteren zu subtrahiren, was mit nur vier anstatt 52 Kurbelumdrehungen sich erreichen lässt.

Es ist klar, dass auf diese Weise vortheilhaft mit der Thomas-Maschine gerechnet wird, auch enthalten die Anweisungen, welche den Maschinen beigegeben werden, bereits Vorschriften nach dieser Richtung. Allein der Vortheil, den man hierdurch für die Maschine erhält, geht durch die Zerlegung des Multiplicators in zwei Zahlen für den Rechner in den meisten Fällen ganz wieder verloren. Er hat eine Umsteuerung der Maschine und eine Rechenoperation ohne Maschine mehr vorzunehmen, und ausserdem erhält die Formel eine wenig übersichtliche Gestalt. Hierzu kommt noch, dass diese Zerlegung nur für die Multiplication anwendbar ist und somit für die Division keinerlei Erleichterung bringt.3)

Soll also durch dieses Verfahren thatsächlich und in allen Fällen eine Abkürzung und Erleichterung der Rechnung stattfinden, so darf weder eine vorherige Zerlegung der Zahlen nöthig sein, noch eine Umsteuerung der Maschine bedingt werden. Das letztere lässt sich vermeiden, wenn sowohl die Kurbel nach rechts, als auch nach links gedreht werden kann, während die Zerlegung entbehrlich wird, wenn das Umdrehungszählwerk so eingerichtet ist, dass es sich im additiven und subtractiven Sinne fortbewegt, je nachdem die Kurbelumdrehungen als Rechts- oder als Linksdrehungen ausgeführt werden.

Diese letztere Einrichtung liesse sich ohne Schwierigkeit an der Thomas-Maschine anbringen. Nicht so ist es mit der zuerst verlangten. Die lebendige Kraft, welche bewegten Massen innewohnt, erfordert für die Rechenmaschine Sicherheitsvorrichtungen, dass die Bewegung sich nicht über die bestimmten Zahneingriffe hinaus fortsetzt, oder, mit anderen Worten, dass die Maschine zwangsläufig ist. Bei der Thomas-Maschine wird dies dadurch erreicht, dass auf der Welle des mit der Walze in Verbindung stehenden Triebrades noch eine Sicherungsscheibe mit in die Peripherie eingefrästen Kreissegmenten aufgesetzt ist. In eines dieser Segmente legt sich gegebenenfalls immer ein an der Walze befindliches Schlussringstück und verhindert so die weitere Bewegung des Triebes. Auf diese Weise hat Thomas die Zwangsläufigkeit, so weit sie nöthig war, sehr einfach erreicht. Die ganze Anordnung setzt indess voraus, dass die Walzen sich immer nur nach ein und derselben Richtung drehen, denn nur dann wirkt die Vorrichtung, nicht aber, wenn die Walzen in entgegengesetzter Richtung in Umdrehung versetzt werden.

Geht man näher auf den Gegenstand ein, so stellt sich auch bald heraus, dass es unmöglich ist, der Thomas-Maschine eine Anordnung zu geben, die eine solche Vorwärts- und Rückwärtsdrehung zuliesse. Um dies zu erreichen, muss vielmehr eine ganz neue Rechenmaschine erfunden werden, neu in der Anordnung des Schaltwerkes, neu in der Sicherung oder Zwangsläufigkeit.

Diese Betrachtungen führten den Verfasser auf die Construction seiner Duplex-Rechenmaschine, die in Nachstehendem mit Hilfe der beigegebenen Zeichnungen (Fig. 1 bis 15) beschrieben werden soll.

Auf der Hauptwelle w, an der linksseitig eine Kurbel angebracht ist, sitzt fest aufgekeilt das Schaltrad, das an Stelle der von Leibnitz und Thomas angewandten Walze tritt. Dasselbe besteht aus dem festen Radkörper A1 mit neun radialen Einschnitten, die zur Aufnahme der verschiebbaren Zähne a1 dienen, und der beweglichen Stellscheibe B, die durch die Lappen b1 festgehalten, jedoch an einer drehenden Bewegung nicht gehindert wird. Die Zähne a1 sind auf der einen Seite mit Stiften c versehen, die sich in einem concentrisch gebrochenen Schlitz b der Stellscheibe B führen. Je nachdem diese Stellscheibe mehr oder weniger gedreht wird, tritt eine grössere oder kleinere Anzahl von Zähnen a1 aus der Peripherie des Schaltrades A1 hervor. Auf diese Weise ist es möglich, das Schaltrad mit einer beliebigen Anzahl von Zähnen (0 bis 9) zu versehen und die später zu beschreibenden Registrirräder um eine solche Anzahl von Zähnen fortzubewegen.

Um ein selbsthätiges, unerwünschtes Drehen der Scheibe B zu verhindern, ist auf der Innenseite des Radkörpers A eine Sperrfeder c1 angebracht, die, in einen der zehn an B angebrachten Einschnitte c2 eingreifend, dem Drehen der Stellscheibe einen gewissen Widerstand entgegensetzt, der zwar beim beabsichtigten Einstellen einer Anzahl Zähne a1 am Griffe b2 leicht überwunden wird, im Uebrigen aber genügend gross ist, um ein selbsständiges Drehen der Scheibe B zu verhindern.

Aeusserlich verdeckt werden die Schalträder durch die Deckplatte QQ, und nur die Griffe b2 ragen durch je einen Schlitz hervor, neben welchen die Zahlen bis 9 angeschrieben sind. Je nachdem nun in der Ruhelage der Maschine der Griff b2 bei 0, 1, 2... steht, sind 0, 1, 2... Zähne über die Peripherie des Schaltrades herausgezogen und greifen bei einer Umdrehung von A in die Triebe d der Registrirräder D ein. Letztere sitzen lose auf der Welle w1 auf, sind durch Stifte, die sich in eingedrehten Nuthen der Welle w1 führen, an der seitlichen Verschiebung gehindert und bestehen aus dem zehnzähnigen Trieb d, der durch die Hülse d1 mit der Zahltrommel d2 fest verbunden ist. Der Umfang der Zahltrommel ist mit den Zahlen bis 9 beschrieben, wovon immer eine durch das in der linksseitigen Decke der Maschine eingebrachte Schauloch d4 dem Rechnenden sichtbar ist.

Es ist klar, dass, wenn im Schaltrade z.B. fünf Zähne eingerückt sind und im zugehörigen Schauloche d4 des Registrirwerkes eine Null zu ersehen ist, der Trieb d sich bei einer einmaligen Umdrehung des Schaltrades um fünf Zähne drehen und an Stelle der eine 5 in das Schauloch d4 treten muss. Auf diese Weise kann jede in dem Schaltwerke eingestellte Zahl auf das Registrirwerk übertragen werden.

Um zu verhindern, dass durch die lebendige Kraft,

3)

Einen Fortschritt in dieser Beziehung zeigt die Maschine von O. Büttner in Dresden, von welcher der Verfasser erst nach Beendigung dieses Aufsatzes nähere Kenntniss erhielt. Bei dieser Maschine lässt sich die Umsteuerung vermeiden, und sie würde vollkommen sein, wenn bei der gekürzten Rechnung auch das Umdrehungszählwerk ein richtiges Resultat gäbe. Das letztere ist aber nicht der Fall, vielmehr hat der Rechner eine Umwandelung des Quotienten vorzunehmen, die ungemein leicht zu Irrthümern Veranlassung geben kann. Der Erfinder handelt daher ganz correct, wenn er allen denen von der verkürzten Rechnung abräth, welche nicht gehörig geübt sind. Leider fällt damit aber der ganze Nutzen, zumal auch der Geübtere sehr leicht einen Fehler begehen kann und ausserdem eine Aufmerksamkeit aufzuwenden hat, die beim Maschinenrechnen im Allgemeinen nicht erforderlich sein darf.

D. V.