Text-Bild-Ansicht Band 302

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welches sammt dem vorher erscheinenden Schaum durch ein untergestelltes Gefäss aufgefangen wird. Der Wechsel wird geschlossen, aus dem Futteral herausgeschraubt; das Fass wird vorsichtshalber mit einer Schraubenkapsel verschlossen. Das Fass ist gefüllt, der herausreichende Theil des Rohres bleibt während der Nachgährung des Bieres geöffnet. Der hierbei sich entwickelnde Schaum entweicht durch das Rohr, tropft durch dessen vorderes Ende heraus und kann in ein Gefäss aufgefangen werden, oder man lässt ihn in den Kanal ablaufen, so dass er den Keller durchaus nicht verunreinigt. Die Fässer werden während der Nachgährung nicht nachgestochen; die Luft aus dem kleinen leeren Raum über dem inneren Rohrende wird durch Kohlensäure verdrängt, das Bier gährt also unter vollständigem Abschluss der häufig verunreinigten äusseren Luft. Sobald das Bier spundreif ist, wird an den herausreichenden Theil des Rohres der Spundapparat angeschraubt und durch ein Gewicht beschwert. Zum Abziehen gespundeter Biere ist der Apparat mit Ansatz für ein Luftröhrchen und mit einem Luftzuführungshahn versehen. Selbstverständlich muss beim Abziehen gespundeter Biere zum Füllen der Transportfässer ein Wechsel mit Luftgegendruck verwendet werden.

Der Vortheil der Arbeitsweise mit dem Kisslinger'schen Apparat liegt in der Möglichkeit, die Reinlichkeit aufrecht zu erhalten; das unliebsame Nachstechen und das unreine Käppeln des Bieres entfällt. Die Fässer lassen sich – und das wird als Hauptvortheil bezeichnet – direct mit Eis belegen, ohne dass die geringste Verunreinigung zu befürchten wäre. Zum sicheren Auflegen des Eises auf die Fässer benutzt man mit Vortheil ein einfaches Gerüst und Verschalung aus ungezimmerten Hölzern und Brettern, damit das sich setzende Eis Niemand vom Personal verletzt. Das Kisslinger'sche Verfahren gestattet auch für die Brauerei mit schlechten, warmen Kellern untergähriges Bier zu brauen. Nach Cerny's Erfahrungen kann ein Fass – ob gespundet oder nicht – einige Tage angezapft bleiben, ohne dass es dem Biere irgendwie von Nachtheil wäre; die äussere Luft hat keinen Zutritt zum Bier, welches durch die über ihm schwebende Kohlensäure conservirt wird.

Metallspäne zur Bierklärung werden von der Firma Basse und Selve in Altena in den Handel gebracht. Sie bestehen aus Aluminium. Aubry, obgleich ein Gegner der künstlichen Bierklärung, unterzieht dieselben in der Zeitschrift für das gesummte Brauwesen, 1894 S. 155, aus dem Grunde einer Besprechung, weil der höchst erreichbare Glanz eines Bieres leider bei einer sehr grossen Anzahl von Consumenten das Vorrecht vor dem edleren Geschmack des Bieres zu behaupten vermag. Die Aluminiumklärspäne bestehen aus rinnenförmig gebogenen, in der Längsrichtung sehr leicht gerieften Streifen. Sie sind 50 cm lang und 4 cm breit; ihr Gewicht beträgt 15 g; es gehen also 66 Stück auf 1 k (gleich grosse Holzspäne wiegen 25 g = 40 Stück auf 1 k). Die Aluminiumklärspäne haben vor den Holzspänen den Vorzug, dass sie kein Bier ansaugen (1 k trockener Holzspäne vermag 0,7 1 in sich aufzunehmen). 1 k Aluminiumklärspäne entspricht in der Wirkung 4½ k Haselholzspäne. Die Aluminiumklärspäne bleiben nach einem viermaligen Gebrauch noch sehr gut erhalten. Das Bier nimmt auch, wenn es längere Zeit über diesen Spänen liegt, nichts von diesen auf. Die Aluminiumspäne lassen sich leicht reinigen, weshalb ihre Verwendung in der Praxis nur gut geheissen werden könnte. Ob sie im Gebrauch billiger sind, als die an und für sich billigeren, aber weniger lang haltbaren Haselnusspäne, darüber muss die Praxis entscheiden.

Die Widerstandsfähigkeit der Aluminiumklärspäne auf dem Lagerfass ist auch nach O. Habermann (Allgemeine Brauer- und Hopfenzeitung, 1894 814) eine sehr grosse.

Die Feinfilter für Bier, Wasser u.s.w. von Sellenscheidt in Berlin bestehen aus einem Filtergehäuse, in welchem auswechselbare Rahmen sitzen, die aus je zwei Filterkörpern bestehen. Sie sollen nach Windisch (Wochenschrift für Brauerei, 1894 S. 1175) sich vorzüglich bewähren. Eine Selbstalarmvorrichtung meldet dem mit dem Abziehen Betrauten, dass er, wenn nicht Luft in den Apparat gelangen soll, die Hähne zu schliessen hat.

Das Verfahren und der Apparat zur Herstellung von trockenen Filterkuchen aus Faserstoff (H. Stockheim, D. R. P. Nr. 76103 vom 3. Februar 1893) liefert einen porösen Kuchen, welcher zur unmittelbaren Benutzung in Filtrirapparaten geeignet ist. Die Abdichtung der trockenen Kuchen an ihren Rändern zwischen den Siebplatten des Filtrirapparates geschieht mittels eines Gummiringes von U-förmigem Querschnitt, der um den Rand des Filterkuchens gelegt wird und beim Schliessen des Apparates den Rand des Kuchens zusammenpresst und den Raum ausserhalb des Randes dicht ausfüllt.

Bichler empfiehlt (Zeitschrift für das gesammte Brauwesen, 1894 S. 419), an Stelle der theuren und complicirten Druckregler, Druckentlastungs- oder Bierhebeapparate, welche ja alle mehr oder weniger sicher ihren Zweck erfüllen und das schaumfreie Abfüllen von Bier oft in beträchtlicher Höhe über den Lagerfässern ermöglichen, einen einfachen Apparat, welcher aus dem gewöhnlichen Bierwergel besteht, das in die Leitung vom Fasse zum Abfüllbock im Lagerkeller eingeschaltet wird. Es entsteht so eine Saug- und eine Druckleitung, welche mit einander durch einen engen Gummischlauch verbunden sind. Ein eingesetztes Verbindungsstück mit Sicherheitsventil, das auf beliebigen Druck einstellbar ist, ermöglicht, das Bier bei zu hoch werdendem Druck in die Saugleitung zurückzuführen, so dass es einen Kreislauf beschreibt. Der mit dem Abfüllen betraute Mann kann den Hahn am Hundskopf nach Belieben öffnen oder schliessen, ohne dass der Druck in der Leitung sich ändert.

„Flüssige Kohlensäure zum Ausschank des Bieres“ sollte verbreitetere Anwendung als bisher finden. Aubry (Zeitschrift für das gesammte Brauwesen, 1894 S. 140) machte Versuche mit einer einfachen Ausschankvorrichtung der Firma G. F. Graf in Hanau a. M. Biere, 8 Tage lang bei einer Temperatur von nicht über 9° R. unter einem Druck von ⅓ at verschänkt, zeigten zuletzt keine wesentliche Aenderung ihres Geschmacks. Das Bier wurde nur etwas härter im Trunk, zeigte aber stets vom genügenden Kohlensäuregehalt veranlasste Frische und Abrundung in der Geschmackswirkung. Der Kohlensäuregehalt nahm nur unbedeutend ab. Es ist durch starke, genügend lange Kohlensäurepression möglich, einem schalen Bier wieder genügend Kohlensäure zuzuführen; aber die künstlich eingepresste Kohlensäure verhält sich doch anders, als die im Bier natürlich entstandene, und es ist auch nicht möglich, verdorbenes oder mit irgend einem Fehler behaftetes Bier mit Kohlensäure zu verbessern.