Text-Bild-Ansicht Band 302

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Rohrpaare ab durch kurze Rohrstücke e mit einander verbunden.

b) Fahrräder mit Kraftbetrieb.

Textabbildung Bd. 302, S. 253

Bei dem Motorfahrrad (Fig. 17) von E. Egg-Schädler in Zürich (Schweizerisches Patent Nr. 11798) ist der Motor für Kohlenwasserstoffbetrieb (Benzin o. dgl.) im vorderen Theil des Rahmens unterhalb der Lenkstange angebracht und hat zwei Cylinderpaare aa1 (Fig. 17 bis 19), die in ein gemeinschaftliches Gehäuse b einmünden. Um einen guten Abschluss der Cylinder und der übrigen Motortheile zu erzielen, so dass diese gegen Staub geschützt sind, ist dieses Gehäuse geschlossen. In diesem Raum liegt ebenfalls die Kurbelwelle c (Fig. 17 und 20), an welcher die Kolbenstangen e und e1 angreifen. Zwischen den Cylindern aa1 und an dem Kohlenhydratgefäss d sind Zuführungsleitungen angebracht. Wie Fig. 17 und 18 zeigen, befindet sich über diesem Kohlenhydratgefäss der Kühlwasserbehälter f, der zur besseren Abkühlung durch den Luftzug Rippenwände hat. Diese Uebereinanderanordnung verhindert, dass die in Folge der Verdunstung im Benzingefäss stattfindende Temperaturerniedrigung den Wasserbehälter zu stark abkühlt, wodurch ein gleichmässiges Gasgemisch ermöglicht wird. In dem Benzinbehälter d befindet sich eine siebartig gelochte Scheidewand d1, welche zwischen sich und dem Boden einen kleinen Zwischenraum frei lässt, in den die äussere Luft durch die senkrechte Röhre d2 absteigen kann, und in Folge der Saugwirkung der Kolben durch die Flüssigkeit fein aufsteigt und sich mit Kohlenwasserstoff schwängert.

Die Zündung dieses Explosionsgemisches in den Cylindern geschieht durch elektrische Funken, die von isolirten Spitzen auf die Kolben überspringen. Der zu dieser Funkenbildung nöthige Strom wird in einer Rhumkorff-Spirale gebildet, für welche eine bei g am Gestell befestigte Trockenbatterie h den primären Strom liefert. Dieser wird durch ein halb so rasch wie die Motorwelle sich drehendes Organ (Steuerungsrad) und an demselben sich befindende Nocken in passenden Momenten geschlossen; der Secundärstrom bedarf keiner besonderen Steuerung. Die Funken können von den mit dem positiven Pol der Inductionsrolle verbundenen isolirten Spitzen auf den Kolben überspringen, wenn letzterer sich in seiner innersten Stellung im todten Punkt oder in der Nähe desselben befindet.

Die Cylinderpaare sind so angebracht, dass die Verlängerung der Kurbelwelle in gerader Linie zur Achse des Antriebsrades geht bezieh. zu den Winkelrädern. Diese Winkelräder sind zwei Paare ii1 und kk1 (Fig. 17, 18 und 22), wovon das eine für schnelle und das andere für langsame Fahrt dient. Zwischen den auf der Kurbelwellenverlängerung l sitzenden zwei Zahnkölbchen i1 und k1 liegt ein mit der Welle l fest verbundener Ansatz l1 mit Vorsprüngen und Einschnitten, so dass durch Verschieben der Welle l in ihrer Längsrichtung das Winkelrad i1 oder k1 in feste Verbindung gebracht werden kann. In der Mittelstellung des Ansatzes i1 ist weder das Rad i1 noch das Rad k1 angetrieben, so dass das Fahrrad mit Fussbetrieb in Bewegung gesetzt werden kann, ohne dass der Motor mitläuft. Die Verschiebung der Welle l geschieht durch einen die Hülse n umfassenden Einrückungshebel m (Fig. 17 und 20), dessen Zapfen m1 in einer Nuth des Muffenstückes n liegen, so dass dasselbe eine Längsverschiebung durch den Hebel m vollziehen kann. Dieses Muffenstück n dient speciell noch zur Kuppelung der Welle l mit der Kuppelwelle c.

Um den Motor allein arbeiten zu lassen, wird der Fussantrieb folgendermaassen ausgeschaltet: Im hinteren Kettenrad ist ein Kugelgesperr angebracht. Der ringförmige Zahnkranz p (Fig. 21) kann frei über die Verzahnung eines auf seiner Nabe befestigten Sperrades q laufen und nimmt, sobald er vorwärts bewegt wird, die Kugeln mit sich, so dass eine Einklemmung der Kugeln zwischen p und q stattfindet. Diese Kuppelung löst sich sofort wieder, sobald der Zahnkranz durch die Kette einen Impuls nach rückwärts erhält.

Das Motordreirad (Tandem) von Léon Bollée in Mans, Sarthe (Fig. 23), ist nach dem Dreiradsystem gebaut, hat hinten ein Antriebsrad, während sich vorn zwei Lenkräder befinden. Zwischen letzteren ist der eine Sitz, der andere ist in der Mitte des aus Röhren bestehenden Gestelles angebracht. Der Motor, sowie der Erdölbehälter, der 7 l zu einer Fahrt von 80 bis 90 km fasst, sind an beiden Seiten des Hinterrades (Treibrad) montirt. Die Speisung des Motors geschieht dadurch, dass das Erdöl seiner Schwerkraft zufolge aus dem Behälter in den Carburetor gelangt und durch einen Tropfregulator geht, welcher einen den Bewegungen des Erdöls folgenden Schwimmer enthält, der die Einströmöffnung regelt oder schliesst. In dem Carburetor vertheilt sich das Erdöl in einem Schwamm aus Bronze, wodurch dasselbe äusserst fein zerstäubt und in dieser Form durch den Luftzug, den ein Ventilator erzeugt, fortgeleitet wird. Durch eine Regulirstange, die vom hinteren Sitz aus bethätigt wird, können mehr oder weniger die Löcher des Ventilators geöffnet werden, wodurch die Zusammensetzung des Gasgemisches geregelt wird. Die Zündung geschieht mit Hilfe eines Platinzünders,