Text-Bild-Ansicht Band 302

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Geschwindigkeit Kähne von 1000 t Tragfähigkeit, bei 8 m Breite und 2,25 m Tiefgang einer Zugkraft von etwa 1500 k bedürfen. Es kann also die durch 4,5 erzeugte magnetische Adhäsion den Zugwiderstand von etwa 22 Finowkanalschiffen und von mehr als vier 1000-t-Kähnen aufnehmen.

Der Vortheil dieses Systems liegt vor allem darin, dass die an der Rolle aufgewickelte Kettenlänge sehr gering ist und nur etwa drei Viertel des Rollenumfanges beträgt, wodurch das sogen. Wandern der Kette sehr vermindert und die Möglichkeit, die Kette rasch abwerfen zu können, wesentlich erhöht wird.

Textabbildung Bd. 302, S. 262

Was nun die Bewegung der magnetisirten Rolle betrifft, so kann diese entweder – bei grossen Verhältnissen – durch Dampf erfolgen oder man wird bei der Bewegung einzelner Schiffe eine Kraft anwenden, welche in grossen Centralen billig erzeugt und nach Bedarf an verschiedene, bewegliche Verbrauchsstellen vertheilt werden kann. Diesen Forderungen entspricht am besten die elektrische Kraftübertragung.

Auf solchen Kanälen, welche Schleppzüge nicht zulassen, ist bei diesem System somit jedes einzelne Schiff mit einem kleinen, leicht anzubringenden und zu beseitigenden Elektromotor zu versehen, welcher eine magnetische Kettenrolle in Bewegung setzt. Die Stromzuführung zu Motor und Rolle erfolgt von einer Uferleitung aus. Eventuell könnten auch Accumulatoren in Frage kommen.

Nach Molinos hat das Project der magnet-elektrischen Kettenschiffahrt für einen Kanal mit starkem Verkehr ergeben, dass dieses System eine merkliche Vergrösserung der Geschwindigkeit und eine geringe Verbilligung der bisherigen Frachtkosten gewähren würde. Ein allgemeines Urtheil desselben Ingenieurs über die von den. neueren Schiffzugssystemen auf Kanälen zu erwartenden Vortheile dürfte hier noch von Interesse sein. Mit wenigen Worten lässt sich dasselbe dahin zusammenfassen: Grössere Billigkeit als beim gut eingerichteten Pferdezug scheint schwer erreichbar zu sein, wohl aber grössere Regelmässigkeit und grössere Geschwindigkeit.

Vergleicht man nun die verschiedenen Zugsysteme hinsichtlich ihrer wichtigsten Eigenschaften, so ergibt sich Folgendes: Die grösste Billigkeit verspricht nach den vorliegenden Erfahrungen bei sehr starkem Verkehr das Wandertau. Etwa gleichwertig hinsichtlich der Zugkosten dürften elektromagnetische Ketten Schiffahrt, Ketten Schleppschiffahrt und gut eingerichteter Pferdezug sein. Geradezu unmöglich wegen der hohen Betriebskosten ist der Locomotivzug.

Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass dies nur bei starkem Verkehr gilt. Fig. 9 zeigt, dass sämmtliche neueren Zugsysteme nur dann billig sind, wenn der jährliche Gesammtverkehr sehr gross ist. Wird dieser kleiner, so steigen die Zugkosten rasch, und zwar in einem Maasse, dass bei einem Verkehr, der 1000000 t im Jahre nicht erreicht, an die Anwendung des Wandertaues und der elektrischen Zugsweisen nicht gedacht werden kann. Die Kettenschleppschiffahrt ist etwas weniger abhängig von der Verkehrsgrösse. Verhältnissmässig unabhängig von der Grösse des Verkehrs sind dagegen die älteren Zugsarten durch Pferde und durch Remorqueure, weil beide keine umfangreichen Nebenanlagen erfordern und die Möglichkeit bieten, bei zu- oder abnehmendem Verkehre die Zahl der Motoren dem Bedarfe anzupassen. Hinsichtlich der Fahrgeschwindigkeit haben die Versuche übereinstimmend ergeben, dass dieselbe am zweckmässigsten bei allen neueren Systemen 0,8 bis 1,0 m/Sec. beträgt, während sie beim Pferdezug 0,7 m/Sec. nur selten überstieg. Fragt man nach der Möglichkeit, eine centrale, also billige Kraftquelle zu benützen, so dürften in erster Linie die elektrischen Zugsmethoden stehen, da bei ihnen die Entfernungsverluste viel geringer sind als beim Wandertau. Sind Schleppzüge zulässig, so befördern auch Kettenschiffe und grosse Remorqueure billig.

Sehr wichtig ist ferner die Frage, ob das Fahrzeug die Zugkraft jederzeit rasch in Benutzung nehmen und bei Bedarf ebenso wieder abgeben kann. In dieser Hinsicht entspricht am meisten die magnetelektrische Touage, die sofortiges Ingangsetzen und Halten, sowie rasches Abwerfen der Kette gestattet.

Ferner bedarf der Umstand der Erwähnung, ob der Motor für die Dauer der Fahrt beibehalten werden kann oder öfters gewechselt werden muss. Ersteres lässt sich bei den verschiedenen Arten der Kettenschiffahrt ermöglichen, sowie bei dem Schleppen durch Remorqueure. Das Wandertau dagegen verlangt bei der beschränkten Länge der einzelnen Seilstrecken den öfteren Uebergang des Schiffes von dem einen Seil auf das nächste.

(Schluss folgt.)

Neuerungen in der Thonwaarenindustrie.

Von Dr. H. Hecht in Charlottenburg.

(Schluss des Berichtes S. 237 d. Bd.)

2) Steingut und Töpferwaaren.

Die Steingutfabrikation und Herstellung des sogen. Feldspathsteingutes, welches einen kalkfreien Scherben hat und sich vor dem leichteren thonerdehaltigeren Kalksteingut durch erhöhte Festigkeit auszeichnet, beschreibt E. Cramer (Thonindustrie-Zeitung, 1894 Bd. 18 S. 341). Eine grosse Bedeutung hat das Steingut neuerdings für Herstellung von Filtern zum Gebrauch bei chemischen und bakteriologischen Arbeiten (nach dem Vorbild der bekannten Chamberland-Filter) erhalten, so zuerst W. Pukall's (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1893 Bd. 26 S. 1159) steingutartige Thonmasse. Dieselbe wird im Gegensatz zu den weit zerbrechlicheren Chamberland-Filtern