Text-Bild-Ansicht Band 311

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Im nachstehenden lassen wir nun eine Reihe neuer bemerkenswerter Systeme nebst Rahmen und Einzelteilen folgen.

I. Systeme und Rahmen.

a) Fahrräder mit Fussbetrieb.

Einen wesentlichen Fortschritt in der Fahrradindustrie hat die Triumph Cycle Co. Ltd. in Coventry und Nürnberg durch ihren neuen Rahmen (Fig. 1) zu verzeichnen.

Textabbildung Bd. 311, S. 108

Jeder Radfahrer weiss, dass eine Damenmaschine, auf schlechtem Wege gefahren, viel elastischer als eine Herrenmaschine ist. Die Ursache liegt beim Damenrad in der geschweiften, beim Herrenrad dagegen in der steifen Form des Rahmens. Diese Thatsache hat die Konstrukteure obiger Firma veranlasst, Versuche mit einem neuen Rahmen zu machen, der für die Saison 1899 unter dem Namen „Natural spring frame“ gebaut wird.

Textabbildung Bd. 311, S. 108

Bei diesem neuen Rahmen, dessen Rohre selbst die Federn abgeben, sind nur das Steuerrohr, das Sattelstützrohr und die unteren Hinterradgabeln gerade, alle übrigen Rohre sind geschweift. Das obere Rahmenrohr kröpft sich in sanftem Bogen nach unten, die oberen Hinterradgabeln in gleichem Bogen nach dem Sattelstützrohr zu und das untere Rahmenrohr hat eine doppelte Kröpfung, zuerst parallel mit dem Vorderradumfange, dann von der Mitte gegen das Tretkurbellager entgegengesetzt.

Denkt man sich nun den Rahmen an den Vorder- und Hinterradgabelenden unterstützt und an der Sattelstütze eine Last drücken, so wird das nach innen geschweifte obere Rahmenrohr und die ebenso geschweiften oberen Hinterradgabeln ein bedeutend grösseres Eindrücken der unteren Rahmenrohre, also eine grössere Federung derselben zulassen, als wenn die ersteren Rohre gerade wären. Ganz zum Rahmen passend ist die Vorderradgabel (Fig. 2 und 3); die Stahlscheiden haben am Gabelkopfe fast das Profil der normalen Scheiden, nur ist der Querschnitt eine Ellipse von grösserer Breite. Dieser Querschnitt verändert sich gegen das Gabelende zu derart, dass er rund und zuletzt am Ende wieder elliptisch, jedoch mit gedrehter Längsachse, wird, oder mit anderen Worten, die Scheide, die am Gabelkopfe mit der Hochkante auf Druck beansprucht wird, dreht sich gegen das Gabelende und fängt dort den Stoss mit der Breitseite auf.

Textabbildung Bd. 311, S. 108

Die ganze Konstruktion ist so getroffen, dass dieselbe nur die Stösse mildert und beim Treten, da die Entfernung zwischen Sattel und Tretkurbeln stets gleich und starr bleibt, keinen Kraftverlust mit sich bringt, wie dieses bei Rahmen mit Federmechanismen stattfindet.

Um einen möglichst stabilen Damenradrahmen herzustellen, ohne das Gewicht erheblich zu vergrössern, verbindet H. G. Burford in London die beiden gebogenen Rohre a und e (Fig. 4 und 5) durch ein Stahlband b, das durch dieselben hindurchgreift (U. S. P. Nr. 612231). Zu diesem Zwecke ist jedes Rohr mit einer Vertiefung versehen, in welche die Kante des Stahlbleches eingreift. An den Stellen, wo das Stahlblech durch die Rohrwandungen hindurch tritt, sind letztere umgebogen, um eine grössere Fläche für das Hartlöten zu gewinnen; durch diese Anordnung wird die Steifigkeit und Stabilität der ganzen Maschine wesentlich erhöht.

Die Woodcote Cycle Works, Chas Owen and Co. Ltd. in Wallington, Surrey (England), verstärken ihren Rahmen dadurch, dass sie unterhalb des oberen Rahmenrohres a parallel zu diesem ein zweites h anordnen. Letzteres setzt sich, wie Fig. 6 zeigt, bis zur Hinterradgabel fort.

Textabbildung Bd. 311, S. 108
Textabbildung Bd. 311, S. 108

Besser ist die Versteifung der Conqueror Cycle Co. Ltd. in Coventry. Hier setzt sich das Rahmenrohr b nicht in