Text-Bild-Ansicht Band 311

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lange Hinterradachse und die lange Nabenhülse des Hinterrades durchgebogen wird und infolgedessen Klemmungen an den Kugellagern und dadurch starke Reibung auftreten.

Textabbildung Bd. 311, S. 111

Bei der Konstruktion von E. Vorreiter und Co. in Berlin (Fig. 19 bis 22) sinѤ diese Durchbiegungen dadurch vermieden, dass die Speichenkränze am Nabenkörper ganz nahe an die Zahnkränze gerückt sind (a1 a2 , Fig. 20 und 22). Ein weiterer Uebelstand liegt in der Verzerrung des Rahmens mit dadurch herbeigeführtem Durchbiegen der Hinterradachse und schiefem Auflaufen der Ketten auf die Zahnkränze.

Vermeiden lässt sich dieses durch Diagonalversteifungen (Fig. 20 und 22, b1 b2).

Eine dritte, wenn auch geringere Ursache des schweren Laufes beruht auf dem Federn des Steuerungsrohres und der Vorderradgabel, und lassen sich hierbei die seitlichen Schwingungen durch Diagonalversteifungen (c1 c2 , Fig. 20 und 21), die vor- und rückwärts gerichteten Schwingungen durch die in der Mitte des Rahmens zwischen den beiden Fahrern angebrachten Verbindungsrohre d1 d2 aufheben. Dagegen lassen sich andererseits die oberen gebogenen Rohre des Rahmens ersparen und sind deshalb auch in Fig. 20 nur die unteren Rohre e1 e2 gezeichnet.

Die Wandstärke der anderen Rohre kann, da die Biegungsbeanspruchung durch die Diagonalversteifungen wesentlich beschränkt ist, schwächer genommen werden, so dass das Gewicht des Rahmens entgegen des bisherigen geringer sein wird.

Die Idee, mehrsitzige Fahrräder für die Zwecke der Feuerwehr zu konstruieren, ist bereits mehrfach in die Praxis übertragen worden. Ein wirklicher Erfolg wurde aber bis jetzt noch nicht erzielt, da die technische Durcharbeitung auf vielfache Schwierigkeiten stösst und es nur schwer gelingt, allen Anforderungen der Feuerwehr gerecht zu werden. In erster Linie muss die Maschine ausserordentlich stark gebaut sein, da sie ausser durch die Fahrer mit den nötigsten Utensilien belastet wird, und an die geringste Schonung nicht zu denken ist, da selbst die schlechtesten Strassen damit befahren werden müssen. Ungeachtet dessen darf die Maschine jedoch ein bestimmtes Gewicht nicht überschreiten, sie muss ferner einen leichten Gang und eine bedeutende Schnelligkeit entwickeln. Werden diese letzten Bedingungen vernachlässigt, so kommen die Fahrer in derartig erschöpftem Zustande auf der Brandstelle an, dass sie nicht mehr im stände sind, mit voller Energie die nötigen Lösch- und Rettungsarbeiten vorzunehmen.

Das von J. Dressler und Co., Aurora-Fahrradwerke in Breslau, konstruierte Mannschaftsfahrrad (D. R. G. M. Nr. 84568), welches sich im Dienste der städtischen Feuerwehr zu Breslau befindet, hat nun erwiesen, dass es geeignet ist, diesen Anforderungen voll zu genügen. Wie Fig. 23 zeigt, besitzt dieses Fahrzeug vier Räder, von denen das vordere Paar lenkbar ist; diese Art der Steuerung ist sehr bemerkenswert, da leichte Lenkbarkeit, verbunden mit Sicherheit gegen seitliches Umkippen bei scharfen Wendungen von höchster Wichtigkeit ist. Der Rahmen hat die bekannte Form der Triplet und ist in seiner Längsmittellinie angeordnet. Charakteristisch ist ferner der Antrieb der Hinterradachse durch zwei parallel laufende Ketten. Dieses Fahrzeug ist zur Mitnahme einer Schlauchrolle mit 60 m Schlauch, eines Schlauchrohrs, einer Löschkanne, eines Verbandkastens, einer zusammengerollten Krankentrage, einer Laterne etc. eingerichtet und wird durch drei Fahrer angetrieben. Die entwickelte Geschwindigkeit ist eine derartige, dass das Fahrrad stets mehrere Minuten vor der ersten Spritze auf der Brandstelle anlangt, so dass beim Eintreffen der letzteren stets die allernötigsten Vorkehrungen getroffen und die Bekämpfung des Brandes schneller als sonst in Angriff genommen werden kann. Dieses Vierrad ist 2,50 m lang, 1,22 m breit und wiegt 125 kg ohne Ausrüstung und 167 kg mit derselben.

Kürzlich wurde das nach mehrjährigen Versuchen von dem englischen Ingenieur J. F. Walters konstruierte Wasserfahrrad erprobt und dabei eine Fahrgeschwindigkeit von 20 km pro Stunde, ohne besondere Kraftanstrengung, erreicht. Die Konstruktion dieses Hydrocycles besteht aus einem unserer gebräuchlichen Fahrradrahmen, welcher auf zwei Bootskörpern ruht. Die Steuerung geschieht hier ebenfalls mittels der Lenkstange, welche das Steuerruder bethätigt, und der Antrieb geschieht mittels Tretkurbeln, die ihre Kraft mittels Kette auf den hinten angebrachten Propeller übertragen. Die Uebersetzung kann hier wie bei jedem anderen Fahrrad beliebig gewählt werden. Nach den gleichen Prinzipien hat Walters einen Achtsitzer konstruiert.

Ueber eine neue Art Fussfahrräder, bei welchen zur Fortbewegung nicht die Körperkraft, sondern nur das Körpergewicht des Fahrers ausgenutzt wird, berichtet der Internationale technische Courier folgendes: Die Fussfahrräder werden nach Art der Schlittschuhe befestigt und der Fahrer beginnt vorwärts zu schreiten. Durch diese Bewegung hebt und senkt sich die an dem Fuss befestigte und auf dem Angestell beweglich angebrachte Fussplatte, die mit der Kette und dem Laufrädchen durch eine Kurbelstange verbunden ist, wodurch wie bei Dampfmaschinen die bekannten Umdrehungen stattfinden. Die Uebersetzung kann wie bei Fahrrädern durch Einsetzen eines grösseren oder kleineren Kettenrades beliebig hoch gewählt werden.