Text-Bild-Ansicht Band 311

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zwei am Benzinbehälter entlang laufende Hebel bethätigt werden. Ausserdem ist die Anordnung der Kuppelung eine derartige, dass der Gang des Motors ein äusserst gleichmässiger und ruhiger ist, und daher weder beim Anfahren noch während der Fahrt Stösse zu verspüren sind.

Textabbildung Bd. 311, S. 155

Der eigentümlich gestaltete Motor a hat zwei hintereinander liegende Kolben. Die gleichfalls hintereinander liegenden, verbundenen Cylinder a1 a2 sind oben und unten so ausgebildet, dass das Ganze als Ersatz für das untere Rahmenrohr dient, während der Benzinbehälter c das obere Rahmenrohr ersetzt.

Am Vorderteile des Benzinbehälters befindet sich ausser dem Gasmischraum ein zur Schmierung dienender ¾ l fassender Oelbehälter, dessen Füllung für eine Fahrt von mindestens 500 km reicht. Von diesem Behälter wird das Oel zwangsweise durch eine besondere Vorrichtung gleichmässig den Cylindern zugeführt. Das im Behälter befindliche Benzin reicht für etwa 150 km, so dass sich der Verbrauch auf etwa ½ Pf. pro Kilometer and Person berechnet.

Zum Inbetriebsetzen dieses Fahrzeuges ist es nur nötig, das richtige Gasgemisch zu suchen, und den Motor mit einer abnehmbaren Kurbel anzudrehen. Ist der Motor angetrieben, so braucht man nur den Antriebshebel einzulegen, und das Rad setzt sich in Bewegung. Ebenso sicher und momentan wirken die Bremsvorrichtungen.

Textabbildung Bd. 311, S. 155

Fig. 72 zeigt die Anordnung des Motors und seiner Zubehörteile bei einem Zwei- und Dreirad, Fig. 73 bei einem Zweiradtandem, Fig. 74 den Längsschnitt durch den Motor, während Fig. 75 eine Ausführungsform mit Rücksitz darstellt, wie es als Dreiraddroschke zur Verwendung kommen würde. Fig. 76 zeigt dasselbe Fahrzeug mit hinter dem Sattel angeordnetem Tandemsitz. Soll das Rad zur Beförderung von mehr als zwei Personen benutzt werden, so wird mit demselben ein Anhängewagen (Fig. 77) in Verbindung gebracht. In demselben finden, wenn das Dreirad mit dem in Fig. 75 erwähnten Rücksitz zur Verwendung kommt, bequem vier Personen Platz. Versieht man dieses Motorrad samt Anhängewagen mit einem Schutzdach nach Art eines Kremsers, so kann man dasselbe leicht in ein Vergnügungsfahrzeug umwandeln.

Ueber die Leistungsfähigkeit des Motors wurden dahingehende Versuche gemacht, dass hinter dem Anhängewagen noch zwei Gepäckdreiräder mit Plattform angebunden wurden. Es waren hierbei zwei Personen am Dreirade, zwei am Anhängewagen und neun Personen auf der Plattform, also zusammen 13 Personen, deren Gewicht etwa 800 kg ausmachte. Hierzu kommt das Eigengewicht aller Vehikel mit 250 kg, so dass der Motor insgesamt 1050 kg fortbewegte.

An Stelle des Benzins kommt seit neuester Zeit ein speziell für Motorfahrzeuge hergestelltes Produkt unter dem Namen „Stellin“ in den Handel. Dasselbe soll den Vorteil aufweisen, dass es den Motor weniger erhitzt als Benzin und keine Rückstände hinterlässt. Der Motor soll daher bedeutend regelmässiger arbeiten, und die Verbrennungsprodukte sollen durch den Geruchsinn kaum wahrnehmbar sein. Zu bemerken ist noch, dass das Stellin ausgiebiger als Benzin sich erwiesen haben soll.

Textabbildung Bd. 311, S. 155

Das Motorrad der Société Gladiator ist ebenfalls als Dreirad konstruiert, weicht aber von der gebräuchlichen Form dadurch ab, dass statt des einen, zwei Vorderräder angeordnet sind (Fig. 78 und 79). Zwischen letzteren ist der Erdölmotor, sowie die elektrische Batterie a gelagert. Die Kurbel des Motors ist in einem Oelgehäuse b eingeschlossen. Letzteres besteht aus zwei Teilen, die durch Bolzen c, mit welchen der mit dem Entlüftungsventil d versehene Cylinder in die Rille e1 eingefügt ist, verbunden sind. Letzterer ist mit Kühlrippen versehen, wodurch Wasserkühlung in Fortfall kommt. Der Erdölbehälter e befindet sich unterhalb des oberen Rahmenrohres, und die zur Verdampfung nötige Erwärmung des Erdöls geschieht vom Cylinder aus durch das Rohr f, welches durch den Hahn g mit h verbunden werden kann.

Oberhalb dieses Behälters e wird durch i Luft angesaugt; dieselbe streicht in der Pfeilrichtung über die Erdöloberfläche, sättigt sich dort mit Erdölgasen und zieht durch Kanal k in die Röhre n. Durch das Ventil lm wird die Zufuhr dieser Erdölgase geregelt; letztere werden in n mit Luft gemischt, dessen richtiges Quantum durch Ventil o geregelt wird. Dieses