Text-Bild-Ansicht Band 311

Bild:
<< vorherige Seite

geführt, dass nach alten Ueberlieferungen bei den alten Juden eine Trittvorrichtung in Verwendung stand und dieses wandernde Volk eine solche Vorrichtung eher von den Aegyptern als diese von den Juden angenommen hat.

In Fig. 42 kann R leicht ein Bietblatt enthalten, indem eine solche Vorrichtung neben dem Kamme (pecten) in Aegypten in Verwendung sein musste.

Textabbildung Bd. 311, S. 178

Bereits Gewebe aus der Zeit der 6. Dynastie (Nr. 2 und Nr. 11 der Sammlung) haben eine derartig gleichmässige Dichte, dass die Benutzung eines noch so feinen „Pecten“ und besonders eines solchen, der in Theben gefunden, nun im Brittish Museum aufbewahrt sind, nahezu ausgeschlossen erscheint. So ein Kamm musste in der Ware Streifen zurücklassen, die auch durch ein nachfolgendes Waschen und Bleichen des Zeuges nicht verschwinden. Eine Mumienhülle von König Mer-en-Rà, also mehr als 4650 Jahre alt, hat eine so gleichmässige Kettendichte von 60 Faden bei einem Garnmaterial Nr. 80, wie sie mit einem modernen Riete und 2 Fäden per Zahn nicht besser ausfallen kann.

Textabbildung Bd. 311, S. 178

Doch findet man auch noch aus der Zeit der 18. Dynastie Gewebe (z.B. Nr. 39), die infolge der Verwendung eines „Pecten“ zum Zuschlagen des Einschusses ganz merkliche Kammstreifen zeigen. So besonders eine Leinwand von der Mumie des Thutmes II., und bei gröberen Geweben können wir diese Kammstreifen bis in die griechische Periode verfolgen. Merkwürdigerweise haben sich die feinsten Gewebe bis auf unsere Zeiten erhalten, doch ein feines Biet wurde noch nicht gefunden. Auch die alten Juden benutzten Riete für feinere Gewebe (aus Glas?) und für gröbere einen Kamm, der mit der linken Hand gehalten wurde und vor der Arbeit durch einen Glashobel Glätte bekam. Der Schützen in Fig. 42 scheint ein Stockschützen zu sein, ähnlich wie derselbe bei den Römern noch in Verwendung gewesen.

Textabbildung Bd. 311, S. 178

Ein anderer Schützen, wie er bei horizontalen Stühlen des mittleren Reiches benutzt wurde, hatte eine Gestalt nach Fig. 4324). Er war aus Syenitstein gemacht, fein poliert, die Kanten waren schön abgerundet. Der Schussfaden wurde darauf mit der Hand aufgewickelt, der volle Schützen durch das Fach geworfen.

Nach diesen bisherigen Betrachtungen will ich die Erzeugungsart der wichtigsten Gewebe der Graf'schen Sammlung besprechen, will jedoch gleich bemerken, dass ich nur einige Beispiele anführen werde, indem ich den beabsichtigten Umfang der vorliegenden Studie nicht vergrössern will.

Textabbildung Bd. 311, S. 178

Von den Fransengeweben nehmen wir z.B. Nr. 36, das in Fig. 1 schematisch gezeichnet ist. Der Grundschuss aa bindet durchweg in Leinwand und erhält hierfür die Kette nach dem früher aufgestellten Prinzipe zwei Schäfte. Für den Fransenschuss kommt noch ein dritter Schaft hinzu. Die Fig. 44 erklärt das Gesagte. Indem der Fransenschuss zwischen Fäden 17 bis 18 dann zurück unter allen Kettenfäden bis Fangfaden geht, ist für diesen Schuss keine weitere Vorrichtung nötig. Wollte man dieses Fransengewebe mit einer modernen Webvorrichtung erzeugen, so würde man hierzu die Patrone Fig. 45 benutzen.

Es bedeutet da a den Einzug in die Schäfte (6 Stück), b ist das Gewebebild (schwarz, Kette oben), d sind die nötigen vier Tritte und c die Schnürung der Schäfte mit den Tritten, f ist der Fangfaden für den Fransenschuss.

In ganz analoger Weise kann man die Patronen von den anderen Fransengeweben für moderne Stühle anfertigen. Als zweites und letztes Beispiel wäre z.B. das Gewebe Nr. 67 in Fig. 6 dargestellt.

Textabbildung Bd. 311, S. 178

Es ist in Fig. 46 die ganze Webvorrichtung gezeichnet. a1 und a2 bedeuten die Schäfte für den Grundschuss (gleichnamig), c ist die Aushebevorrichtung für den Fransenschuss b1 , da b2 unter Faden 1 bis 20 geht, ist für diesen keine eigene Fachvorrichtung nötig. Die Leiste ist eine zweifädige und zweischüssige Leinwand, Grund ein einfaches Leinwandgewebe.

In Fig. 47 sind die Erzeugungsdaten für moderne Stühle angegeben (die Bezeichnungen analog wie in Fig. 45). Um die Gewebe, wie in Fig. 27, 28, 29, 32, 35 und teilweise 37, zu erzeugen, braucht man für den dicken Schlingfaden

24)

In der Pariser Ausstellung 1889 war eine plastische Gruppe, webende Frauen im alten Aegypten am horizontalen Stuhle darstellend, in natürlicher Grösse vorgeführt, und fanden hierbei derartige (Original-)Schützen Verwendung.