Text-Bild-Ansicht Band 311

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keine eigentliche Vorrichtung. Nehmen wir z.B. Fig. 32, so brauchen wir für den Grundschuss 2 Schäfte, Nehmen aber einen Kamm (der zugleich als Rietblatt dienen kann) und zwar für Gewebe Nr. 185 mit 5 Zähnen à 1 cm und geben in jeden Zahn 4 Fäden, wie in Fig. 48 gezeichnet erscheint.

Textabbildung Bd. 311, S. 179

Dadurch teilen sich schon die Kettenfäden so, dass man mit der Nadel n den Schlingfaden b über 8 und unter 4 Fäden zurück u.s.w. leicht führen kann. a1 und a2 sind die Schäfte für den Grundschuss.

Textabbildung Bd. 311, S. 179
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Der Kamm k kann auch zum Andrücken der Schüsse an den Warenrand benutzt werden. Eine gleiche Erleichterung kann auch mit Hilfe einer Schnur erzielt werden, die über 4 und unter 4, dann wieder über 4 Kettenfäden u.s.w. in die Kette gebracht wird. Wenn diese Schnur gegen die Brust gezogen wird, so teilen sich die Kettenfäden in zwei Partien à 4 Fäden.

Eines der interessantesten Gewebe ist Nr. 178 der Sammlung, ein nahtlos gewebter Schlauch. Indem ich bereits früher gesagt habe, dass dieses Gewebe als eine Spezies der nahtlosen Kleiderstoffe angesehen werden muss, ist es gewiss von hohem Interesse, die Webvorrichtung für dieses Gewebe festzustellen.

Betrachten wir in Fig. 49 und 50 im Querschnitt den Schlauch gezeichnet, so wie er sich im Webstuhl befindet. Die Fäden der Oberware sind durch weisse Doppellinien angedeutet, damit sie sich von der Unterware, die schraffiert gezeichnet ist, besser abheben. Man kann aus der Daraufsicht in Fig. 50 die beiden Leinwandgewebe untereinander liegend, gut betrachten. Man sieht, wie ein und derselbe Schussfaden beide Kettenfädensysteme abbindet, und findet ferner, dass der Schuss V wieder genau so abbindet wie Schuss I, daher der Schussrapport nach 4 Schuss beendet ist. Halten wir an dem früher angegebenen Prinzipe fest, dass diejenigen Kettenfäden an einem Querstabe gereiht werden, die über den Schuss zu liegen kommen, so erhalten wir eine Webvorrichtung mit 4 Stäben.

In Fig. 51 und 52 sind zwei Arten dieser Web Vorrichtung gezeichnet. In der ersteren Figur ist die Anordnung für den Fall gezeichnet, wo der Weber sitzend arbeitet, und in der nächsten Figur ist derjenige Fall vorgesehen, wo der Weber bei der Arbeit um den Stuhl herumgehen muss.

Textabbildung Bd. 311, S. 179
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Für schmale Hohlgewebe ist der erste Fall passend, für breite Hohlgewebe (nahtlose Kleider) der zweite Fall, auch bei Juden und Griechen in Benutzung gewesen. Aus Fig. 51 ist leicht zu finden, dass die Kettenfäden in folgender Ordnung zu reihen sind.

1. Für den Fall in Fig. 52 gezeichnet:

Stab I: Fäden 1, 5, 9, 13, 17 u.s.w.

Stab II: Fäden 1, 3, 4, 5, 7, 8, 9, 11, 12, 13, 15, 16, 17, 19.

Stab III: Fäden 3, 7, 11, 15, 19 u.s.w.

Stab IV: Fäden 1, 2, 3, 5, 6, 7, 9, 10, 11, 13, 14, 15, 17, 18 u. 19.

Der Weber zieht für jeden Schuss einen der vier Stäbe nach der Ordnung I bis IV an sich.

2. Für den Fall in Fig. 53 gezeichnet:

Stab I: die Fäden 1, 5, 9, 13, 17.

Stab II: die Fäden 2, 6, 10, 14, 18.

Stab III: die Fäden 3, 7, 11, 15, 19.

Stab IV: die Fäden 4, 8, 12, 16, 20.

Der Weber zieht für jeden Schuss die Stäbe in der früheren Ordnung I bis IV nacheinander, muss daher um den Stuhl herumgehen. Für die Erzeugung an modernen Schaftstühlen gelten die Herstellungsdaten in Fig. 53.

Man sieht aus den vorhergehenden Bildern, dass der ägyptische Webstuhl anders beschaffen war als der antike griechische Stuhl mit sogen. „haute lisse“-Vorrichtung oder Zugvorrichtung. Bei horizontaler Anordnung und dort, wo ein Warenbaum vorhanden ist, ist diese Vorrichtung nicht gut anwendbar. Mir ist auch keine Darstellung in ägyptischen Gräberhallen bekannt, wo beim aufrechtstehenden Stuhle eine Zug Vorrichtung zu vermuten wäre. Das charakteristische