Text-Bild-Ansicht Band 316

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die Länge der bezeichneten Führungsschlitze eine verschiedene sein. Bei der in Fig. 9 dargestellten Maschine sind die von den Spulen ablaufenden Kettenfäden in zwei Systeme geteilt, und zwar können die Fäden des einen Systems in den Führungsschlitzen 20a immer nur zwei, die in Führungsschlitzen 20b laufenden Fäden dagegen eine ganze Reihe der Spulenfäden 1 kreuzen. Dabei sind die Schlitze 20a so gestellt, dass z.B. Faden I über oder unter die auf Spulen 1 angeordneten Fäden α und β, der Faden II über die Spulenfäden β und γ geführt werden kann. Die Bewegung der Fadenführer erfolgt von Jacquardmaschinen B und C (Fig. 7 und 9) aus in folgender Weise:

Mit den Platinen der genannten Jacquardmaschinen stehen durch die Hebel 25 25a die Schnurzüge 23 in Verbindung, welche, über die Rollen 22 geleitet und am freien Ende durch Gewichte 24 belastet, die verschiebbaren Fadenführer 21 in sich aufnehmen (Fig. 10). Durch das Heben und Senken der Platinen werden unter Mitwirkung der Gewichte 24 die Fadenführer 21 in ihren Schlitzen nach der einen oder anderen Richtung verschoben, mit ihnen also auch die Kettenfäden zum Zwecke der Kreuzung der Spulenfäden. Damit nun aber die Fadenführer der Schlitze 20a nach Bedarf um eine oder zwei Stellungen in beiden Richtungen bewegt werden können, sind mit jedem Winkelhebel 25 25a zwei Platinen 26 27 verschiedener Länge verbunden (Fig. 11).

Die Bewegung der in den Schlitzen 20b liegenden Fadenführer erfolgt, um die Anzahl der Platinen nicht allzusehr zu vergrössern, durch eine Art Hubreduktoren 28 (Fig. 12), welche mittels eines Schaltwerks den Hub der Platinen in eine mehr oder weniger grosse Bewegung der Fadenführerschnüre 23 umsetzen. Das Schaltwerk besteht aus einem Schaltrad 29 mit zwei Schaltklinken 30 31, deren eine 31 mit der Klinke 32 als Gegenklinke wirkt, während die zweiteKlinke 30 die Schaltung herbeiführt. Beide Klinken stehen mit den Platinen der Jacquardmaschine in Verbindung und werden, je nachdem der Fadenführer 21 eine mehr oder weniger grosse Bewegung machen soll, früher oder später eingelegt bezw. ausgelöst. Eine Zahnteilung des Schaltrades entspricht der Verschiebung eines Kettenfadens um eine Spulenteilung.

Textabbildung Bd. 316, S. 17

(Schluss folgt.)

Kleinere Mitteilungen.

Die panamerikanische Ausstellung in Buffalo 1901.

Auch in Amerika wollte man den Beginn des neuen Jahrhunderts nicht ohne Heerschau über die im vergangenen Jahrhundert auf dem Kontinent der westlichen Hemisphäre erreichten kulturellen Fortschritte vorübergehen lassen, und soll dieses Bestreben durch eine in diesem Jahre in Buffalo abzuhaltende, allamerikanische Ausstellung reale Form erhalten. Für die Durchführung der letztgedachten, von einer Gesellschaft von Industriellen ausgehenden Unternehmens sind 25 Millionen Mark aufgebracht worden, ungerechnet der von den zur Beschickung eingeladenen unabhängigen Regierungen und Kolonien zu gewärtigenden beträchtlichen Zuschüsse.

Wie wir der Revue universelle, 1900 S. 389, entnehmen, welcher Zeitschrift wir auch die Verantwortung für die Richtigkeit der nachstehenden Daten überlassen, wird die in Rede stehende Ausstellung sich auf folgende 15 Hauptgruppen erstrecken: Elektrizität, schöne Künste, darstellende Künste, freie Künste, Ethnologie, Landwirtschaft, Gartenbau, Viehzucht, Forstwirtschaft, Fischerei, Bergbau, Maschinenwesen und endlich Erzeugnisse der Sandwichinseln, der Philippinen und Porto Ricos. Das ein zusammenhängendes Gelände bildende, in umstehender Abbildung ersichtlich gemachte, im Norden der Stadt Buffalo (Staat New York) liegende Ausstellungsgebiet besitzt eine Bodenfläche von 142 ha, annähernd in der Form eines langgestreckten Viereckes von beiläufig 800 m durchschnittlicher Breite und doppelt so grosser Länge, und lässt sich sowohl mittelbar durch die 36 Eisenbahnlinien, welche in Buffalo einmünden, als unmittelbar durch mehrere Strassenbahnen von allen Seiten her bequem und leicht erreichen. Der grösste Teil des Grundstückes ist mit Bäumen und Strauchwerk bepflanzt und von künstlichen Wasserläufen durchzogen, die miteinem malerisch gelegenen kleinen See in Verbindung stehen. Sämtliche wichtigen Ausstellungsgebäude werden einheitlich im Renaissancestil erbaut und erhalten lange Kolonnaden, Kuppeln, Türme, monumentale Thorbogen, reichverzierte Fenster u.s.w. Zur Eindeckung der betreffenden Dächer, welche bei allen Hauptgebäuden an den Säumen die gleichmässige Höhe von 15 m erhalten, will man lediglich rote Falzziegel verwenden. Die bedeutendsten der eben angeführten Bauwerke werden um einen freien Platz gruppiert, der durch mehrere nach Art des Wasserschlosses der Pariser Weltausstellung elektrisch beleuchtbaren Becken mit spielenden Wässern und verschiedenen Blumengärten und Rasenbeeten geschmückt ist.

Besondere Ausdehnung und eine hervorragende architektonische Durchgestaltung werden die Paläste für Industrie und Gewerbe und für die „freien Künste“ (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik) einerseits, sowie für Maschinen- und Verkehrswesen andererseits finden, von denen jedes über 150 m lang und 105 m breit ist, also annähernd 16000 qm Fläche bedeckt. Für die Gruppen Ackerbau und Elektrizität werden je eine Ausstellungshalle von 150 m Länge und 45 m Breite, für die Gruppe Gartenbau ein quadratisches Glaspalais von 66 m Seitenlänge und 70 m Höhe erbaut. Das Verwaltungsgebäude misst 180 m in der Front bei 39 m Tiefe und wird mit einer Kuppel von 75 m Höhe geziert sein. Mit der künstlerischen Ausgestaltung, d.h. mit den Entwürfen der Fassadenpläne für die aufgezählten Bauwerke sowie für weitere 20 grössere Ausstellungsgebäude hat man die bedeutendsten Architekten verschiedener amerikanischer Städte betraut, während die Konstruktionseinzelheiten und die Ausführung der Bauten Aufgaben der Ingenieure und Baumeister der Ausstellungsverwaltung sind, welch letzterer ein eigener aus Bauverständigen