Text-Bild-Ansicht Band 316

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Man sieht, dass schon bei verhältnismässig geringen Kräften sowohl Kugeln wie Lager Abmessungen erhalten, welche wohl Veranlassung geben können, von der Verwendung von Kugellagern überhaupt abzusehen. Erscheint es doch zweifelhaft, ob bei solchen Hebelarmen für die Reibung überhaupt ein Vorteil damit verbunden ist. Allerdings gibt es ein Hilfsmittel. Man lege mehrere Kugelreihennebeneinander. Man kann dann Zapfen und Lager beliebig klein erhalten und der Preis vieler kleiner Kugeln ist nicht höher als weniger grosser. Nur wird das Lager sehr kompliziert, also auch teurer. Ob nicht doch bei Wahl einer höheren zulässigen Beanspruchung ein brauchbares Lager hergestellt werden kann, lässt sich natürlich nur durch Versuch entscheiden.

Die Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung.

Von Fr. Freytag, Chemnitz.

(Fortsetzung von S. 57 d. Bd.)

Die vom Werke Augsburg der Vereinigten Maschinenfabrik Augsburg und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg, A.-G., ausgestellte liegende Dreifach-Expansionsmaschine mit zwei Niederdruckcylindern ist mit einem Wechselstrom-Drehstromgenerator der Firma Helios, Elektrizitäts-Aktiengesellschaft in Köln-Ehrenfeld direkt gekuppelt.

Die Hauptabmessungen der Dampfmaschine sind folgende:

Durchmesser des Hochdruckcylinders 700 mm
„ „ Mitteldruckcylinders 1150
„ jedes Niederdruckcylinders 1100
Gemeinsamer Kolbenhub 1600
Minutliche Umdrehungszahl 72
Admissionsüberdruck 12 at
Füllung im Hochdruckcylinder etwa 25 %
Normalleistung 1600 PSe
Höchstleistung 2000

An die als Bajonettbalken ausgebildeten, mit dem zugehörigen Kurbellager aus einem Stück gegossenen Geradführungen – im Gewichte von je 16000 kg – schliessen sich, wie Fig. 35 bis 38 erkennen lassen, die beiden Niederdruckcylinder unmittelbar an; dieselben sind andererseits durch je ein geräumiges Zwischenstück mit dem Hochdruck- bezw. Mitteldruckcylinder verbunden.

Durch Anordnung von zwei Niederdruckcylindern an Stelle eines einzigen werden in erster Linie relativ hohe Kolbengeschwindigkeiten und Tourenzahlen zulässig, was insbesondere für elektrische Betriebe sehr erwünscht ist. Als weitere Vorteile, welche sich hieraus ergeben, sind das günstigere Verhältnis zwischen dem Durchmesser und der Länge dieser Cylinder und damit zusammenhängend kleinere schädliche Räume und grössere Dampfökonomie, ferner gleichmässigere Verteilung des Dampfdruckes und zweckmässige Verteilung der Kondensation auf beide Maschinenseiten, deren jede eine Luftpumpe mit Kondensator erhält, anzuführen. Für die Niederdruckcylinder fallen überdies Kolben- und Steuerungsorgane im Verhältnis zur Maschinenleistung klein aus, wodurch besseres Dichthalten gewährleistet ist.

Maschinen gleicher Bauart werden seit dem Jahre 1894 vom Werke Augsburg gebaut, und es sind bis jetzt 13 derselben mit einer Gesamtleistung von 15120 bis 18910 PSe geliefert worden.

Die Schalen der Kurbellager sind vierteilig und nachstellbar eingerichtet. Zur Schmierung der Kurbellager ist auf deren Deckel je ein Oeltopf mit Filtereinrichtung und einstellbarer, sichtbarer Tropfschmiervorrichtung angeordnet. Das von den Lagern abfliessende Oel wird durch je eine von der Steuerwelle angetriebene Oelpumpe wieder in den Topf zurückgefördert.

Die Kurbelwelle, im Gewichte von 10000 kg, ist aus Krupp'schem. Tiegelgussstahl gefertigt und ihrer ganzen Länge nach durchbohrt. Die mit Gegengewichten versehenen schweisseisernen Kurbeln sind warm aufgezogen; jede derselben wiegt mit zugehörigem Zapfen 3750 kg.

Kurbel- und Kreuzkopfzapfen, sowie die meisten kleineren Zapfen sind aus Flusseisen und an ihren Laufflächen glashart hergestellt.

Die Schmierung der Kurbelzapfen und der Luftpumpenantriebszapfen erfolgt getrennt mittels Zentralschmiervorrichtungen, wodurch das Nachfüllen der mit sichtbarer Tropf Vorrichtung versehenen Oelgefässe während des Ganges ermöglicht ist. Die Einrichtung für Schmierung des Kreuzkopfzapfens ist ebenfalls so getroffen, dass die Oelgefässe während des Betriebes nachgefüllt werden können. Die aus bestem Stahl gefertigten Treibstangen sind ebenso wie die Kurbelwelle ihrer ganzen Länge nach durchbohrt, um die von den Massenbeschleunigungskräften herrührenden Biegungsbeanspruchungen thunlichst zu vermindern. Das von den Kurbeln und Treibstangen abspritzende Oel wird durch Oelfänge aus oxydiertem Stahlblech aufgefangen, in gusseisernen, im Fundamente eingebetteten Oelschiffen gesammelt, und von hier durch Rohre in einen im Fundamente aufgestellten Sammeltopf geleitet. Das aus vier Teilen vom Werke Augsburg hergestellte, gleichzeitig als Schwungrad dienende Magnetrad mit 12 Doppelarmen hat einen äusseren Kranzdurchmesser von 7490 mm.

Mit Rücksicht auf die bedeutenden Zentrifugal- und magnetischen Kräfte, welche bei der hohen Umfangsgeschwindigkeit des Rades und der Höchstleistung der Maschine zur Wirkung kommen, sind die beiden Seiten des Rades mit Blechschilden armiert. Dieselben sind so aufgezogen, dass sie sich behufs Entlastung der Arme von vornherein in gespanntem Zustande befinden. Eine Seite des Radkranzes ist mit einem Zahnkranz versehen, in welchem sowohl ein Dampf- als auch ein Handschaltwerk in Eingriff gebracht werden kann.

Die Cylinder, sowie auch der zwischen Hochdruck- und Mitteldruckcylinder liegende erste Aufnehmer sind mit Dampfmantel versehen. Hochdruck- und Niederdruckcylinder werden durch Arbeitsdampf, der Mitteldruckcylinder, sowie der erste Aufnehmer durch Frischdampf geheizt. Das in den Mänteln sich bildende Kondenswasser wird durch selbstthätige Wasserabscheider abgeführt. Sämtliche Cylinderdeckel sind ebenfalls gemantelt.

Jeder Cylinder besitzt Sicherheitsventile und Ablasshähne; letztere sind miteinander gekuppelt und können durch einen Griff geöffnet bezw. geschlossen werden.

Das Schmiermaterial wird direkt in die Cylinder gefördert und zwar bei dem Hochdruck- und Mitteldruckcylinder durch eigene Oelpumpen.

Die Dampfkolben sind als gusseiserne Hohlkörper hergestellt und mit eingesprengten Dichtungsringen aus Gusseisen versehen.

Die Abdichtung der Kolbenstangen geschieht mittels Metallpackungen, von denen diejenigen des Hochdruck- und Mitteldruckcylinders durch eigene Oelpumpen geschmiert werden. Um ein Schiefziehen der Stopfbüchsen zu verhindern, sind die Schraubenmuttern gezahnt und unter sich mit einem gemeinschaftlichen Zahnkranz in Eingriff gebracht.

Die Bedienung des Hauptabsperrventils der Maschine erfolgt mittels einer in der Steuerwelle gelagerten, mit Griffrad versehenen Spindel, welche mittels konischer Räder mit der Schraubenspindel des Ventils in Eingriff gebracht ist. Der Arbeitsdampf durchströmt den Mantel des Hochdruckcylinders, bevor er durch das Absperrventil in den