Text-Bild-Ansicht Band 316

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der Zug wieder in Bewegung befindet, von neuem zur Aufladung gelangen. Dies ist wohl als der grösste Vorteil dieser Art und Weise der elektrischen Beleuchtung der Züge zu bezeichnen, da erstens das Gewicht und sohin die mitzuführende Last wesentlich geringer wird, und Störungen in den vielplattigen Zellen viel eher auftreten können, als in kleinen Zellen, welche für diese Zwecke nur aus drei Platten zu bestehen brauchen.

An Zahl der Zellen wird allerdings nicht gespart werden können, weil die notwendige Spannung für die Lampen vorhanden sein muss.

Da jedoch bei diesem System der Zugsbeleuchtung die Umdrehungsgeschwindigkeit des Dynamoankers sich der Zugsgeschwindigkeit genau anpasst, sohin fortwährenden Schwankungen unterliegt, müssen bei demselben eine Reihe von Vorkehrungen getroffen werden, um erstens ein Ueberschreiten der zulässigen Spannung bei erhöhter Geschwindigkeit hintanzuhalten, zweitens die Einschaltung des Dynamostromes in den Akkumulatorenstromkreis so lange unmöglich zu machen, als die Spannung der Dynamomaschine noch nicht das Normale erreicht hat, weil sonst eine Entladung der Akkumulatoren durch diese Maschine stattfinden und hierdurch deren Polarität umkehren könnte, und um drittens sowohl für die Vor- als Rückwärtsbewegung des Zuges stets die gleiche Stromrichtung zu erhalten.

Da hier ein Eingehen auf die verschiedenen Methoden der elektrischen Beleuchtung nach dem gemischten Systeme mit von der Zugsachse angetriebener Dynamomaschine unter Zuhilfenahme von Akkumulatoren nicht beabsichtigt wird, sei hier zur allgemeinen Orientierung nur die Einrichtung nach dem System Dyck aus dem Grunde kurz beschrieben, weil dasselbe bereits erprobt ist und sich im längerwährenden Betriebe auch bewährt hat.

Bei diesem System wird für jeden Zug eine einzige Dynamomaschine angewendet, deren Dimension so bemessen ist, dass sie sowohl für Schnellzüge mit einer kleineren Anzahl von Wagen, als auch für längere Personenzüge ausreicht. Dagegen wird jeder Wagen mit einer Akkumulatorenbatterie aus 36 Zellen von 40 Ampère-Stunden Kapazität ausgerüstet und dieselbe in einem am Untergestelle der Wagen befestigten Behälter untergebracht. Diese Kapazität der Akkumulatorenbatterie ist ausreichend, um die Beleuchtung eines Wagens durch 8 Stunden versorgen zu können. Das Gewicht einer derartigen Sammlerbatterie nach dem System Wueste und Rupprecht beträgt ungefähr 180 kg.

Die Dynamomaschine ist an irgend einen Waggon ganz in derselben Weise wie ein Tramway-motor aufgehängt und erfolgt der Antrieb der Armatur derselben von der Waggonachse aus mittels einer Zahnradübersetzung im Verhältnis von 1 : 4. Diesem. Uebersetzungsverhältnisse entspricht bei einer Geschwindigkeit des Zuges von 20 km in der Stunde eine Umdrehungszahl der Armatur von 400, welche bei Erhöhung der Zugsgeschwindigkeit bis zu 80 km auf 1600 in der Minute ansteigt. Das Gewicht der Dynamo beträgt etwa 1000 kg und absorbiert an effektiver Leistung zwischen 6 und 12 PS.

Die Dynamomaschine bestreitet zur Zeit des Lichtbedarfes, insolange sich der Zug mit einer Geschwindigkeit von über 20 km bewegt, allein die Speisung der Lampen. Sobald jedoch die Geschwindigkeit des Zuges unter 20 km herabsinkt, oder der Zug still steht, liefern die Akkumulatorenallein den benötigten Lampenstrom. Ausserdem findet während der Stromabgabe der Dynamo auch gleichzeitig eine Ladung der Akkumulatorenbatterien statt, und werden dieselben hierdurch stets vollauf geladen erhalten, wodurch auch im Verein mit der niedrigen Entladungsstromstärke die günstigsten Verhältnisse für die gute Erhaltung und lange Lebensdauer dieser Batterien gegeben sind.

Mit Rücksicht auf die variable Zugsgeschwindigkeit und daher stete Aenderung der Tourenzahl der Armatur müssen besondere Apparate vorgesehen sein, die die Spannung und Stromstärke genau einregulieren und auch die Zu- und Abschaltung der Dynamomaschinen in den gegebenen Momenten selbstthätig besorgen.

Die Zuführung des Dynamostromes zu den einzelnen Batterien und den Glühlampen erfolgt mittels einer aus gut isolierten Kabeln von kräftigem Querschnitte bestehenden Hauptleitung, an welche die Batterien unter Zwischenschaltung von Sicherungen parallel angeschlossen sind. Die Verbindung der Hauptleitung von Wagen zu Wagen wird durch leicht lösbare flexible Kuppelungen hergestellt. Diese Kuppelungen trennen sich, wenn bei Ausrangierung des Wagens das Lösen der Kuppel übersehen sein sollte, selbständig ab, ohne hierbei Schaden zu nehmen, halten aber trotzdem hinreichend fest, um den Erschütterungen während der Fahrt Widerstand zu bieten.

Bezüglich der Dynamomaschine ist noch zu bemerken, dass die Regulierung der Klemmenspannung und der Stromstärke der Dynamo ausschliesslich durch Veränderung der Erregung bewirkt wird, und dass diese Aufgabe, wie die praktischen Versuche auf den k. k. österreichischen Staatsbahnen dies bei längerwährendem Betriebe erwiesen, bestens gelöst erscheint.

Dem Entstehen allzu starker Funkenbildung an den Bürsten wurde durch richtige Wahl aller magnetischen und elektrischen Verhältnisse in einer Weise begegnet, dass selbst nach länger währendem Betriebe weder am Kollektor, noch an den Bürsten eine nennenswerte Abnutzung zu erkennen war.

Textabbildung Bd. 316, S. 88

Auf die Details der Konstruktion dieser Dynamomaschine, welche nach aussen vollkommen abgeschlossen, sohin gegen Eindringen von Staub und Schmutz geschützt ist, und in ihrem äusseren Ansehen (Fig. 1) das Bild eines Wagenmotors gewährt, einzugehen, kann in diesem Falle, wo es sich nur darum handelt, das Prinzip der Einrichtung vorzuführen, verzichtet werden.

An Regulierapparaten, welche sämtlich auf ziemlich begrenztem Raume gemeinsam in einem Kasten untergebracht werden, welcher im Inneren des die Dynamomaschine tragenden Wagens situiert wird, sind in diesem Falle erforderlich: ein automatischer Umschalter F (Fig. 2), ein automatischer Ein- und Ausschalter B, ein automatischer Dynamoregulator P und ein Relais N.

Der automatische Umschalter dient dazu, um, da die Erregung der Dynamomaschinen bei Stillstand des Zuges von den parallel geschalteten Batterien besorgt wird, die Verbindung der Batterien mit der Dynamomaschine stets so herzustellen, dass sowohl bei der Vor- und Rückwärtsbewegung des Wagens nur Strom gleicher Richtung in die Hauptleitungen entsendet werden kann. Der Apparat besteht aus einem hufeisenförmigen Elektromagneten, zwischen dessen Polschuhen ein Lochanker drehbar gelagert ist. Der Anker selbst ist mit einer in parallelen Ebenen verteilten