Text-Bild-Ansicht Band 316

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beleuchtenden Wagen eine sehr grosse ist, da hier der auf den Wagen als Einheit entfallende Anteil an den Kosten

Textabbildung Bd. 316, S. 105

der Elektrizitätszentrale um so geringer wird, je mehr die Zahl der zu versorgenden Wagen anwächst. Die Kosten der Zentralanlage werden nämlich, auf die Einheit bezogen, um so geringer, je mehr Einheiten zu versorgen sind, weil die hier in Betracht kommenden Maschinenanlagen entsprechend grösser gehalten werden, und grössere Dampfmaschinen und Elektromotoren pro Pferdekraft bezw. Kilo-Watt viel billiger zu stehen kommen, als kleinere derartige Maschinen. Auch die Betriebskosten sinken bedeutend, insbesondere dann, wenn man sich zur Beschickung der Dampfkessel mechanischer Vorrichtungen bedient, und bereits in der Anlage vorsieht, die Bedienung auf das zulässige Minimum herabzudrücken.

Ueber die Kosten der elektrischen Beleuchtung bei reinem Akkumulatorenbetrieb liegen allerdings einige auf Grund praktischen Betriebes gewonnene Erfahrungsdaten vor und werden dieselben nach der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1896 Nr. 4, auf die zehnkerzige Lampenbrennstunde bezogen, wie folgt angegeben:

Jura-Simplon-Bahn 5,90 Pf.
Dortmund-Escheder-Bahn 4,70 „
Dänische Staatsbahnen 10,00 „
Nord-Milano-Bahn 13,00 „

Bei der österreichischen priv. Kaiser Ferdinands-Nordbahn, welche die elektrische Beleuchtung schon seit Jahren für einige der verkehrenden Schnellzüge eingeführt hat, sollen sich, wiewohl hier nur von einem Kleinbetriebe die I Rede sein kann, die Kosten der zehnkerzigen Lampenbrennstunde inklusive Verzinsung und Amortisation auf 2,90 Pf. belaufen.

Die ganz abnormen Differenzen in diesen Angaben zeigen am besten, dass man noch lange nicht an der untersten Grenze angelangt ist, und ferner auch, dass die Ursache dieser abnorm hohen Preise wohl ganz wo anders zu suchen ist, als in der Unzulänglichkeit der dermaligen elektrischen Beleuchtungseinrichtungen.

Zumeist befindet man sich noch im Experimentierstadium, bei welchem mit kleinen unzulänglichen Mitteln gearbeitet, und aus den Ergebnissen ein Schluss für den Grossbetrieb gezogen wird, der zu gänzlich falschen Ansichten führen muss.

Es können daher die obigen Angaben also nur als sicher ganz gewissenhaft gesammelte und zusammengestellte Daten, welche sich auf Probebetriebe beziehen, angesehen werden, welche aber keinen Rückschluss auf einen Grossbetrieb bei allgemeiner Einführung der elektrischen Beleuchtung gestatten. Ausserdem ist noch in Erwägung zu ziehen, dass möglicherweise ungünstige Betriebs- und sonstige lokale Verhältnisse das gewonnene Ergebnis mit herbeiführten und sohin ein Bild ergeben, welches verzerrt erscheint und nicht der Wirklichkeit entspricht.

Der heutige Standpunkt der Elektrotechnik gestattet es jedoch, ohne dass man befürchten muss allzu grosse Fehler zu begehen, sowohl die Anlage- als auch Betriebskosten für die Durchführung der elektrischen Zugsbeleuchtung im vorhinein zu berechnen, und soll daher der Versuch gemacht werden, eine derartige Berechnung, welcher allerdings eine Reihe fiktiver Annahmen zu Grunde gelegt werden muss, durchzuführen.

Es soll hierbei nur mit groben Ziffern gerechnet und die Annahmen so gehalten werden, dass dieselben das zu gewinnende Endresultat eher ungünstig als günstig beeinflussen.

Als Grundlage für die Berechnung dient vorerst die Annahme, dass 500 Wagen im Dauerbetriebe mit ausreichender Beleuchtung versorgt werden. Die totale Kerzenstärke pro Wagen betrage in Normalkerzen 140 und die tägliche Fahrtdauer eines Wagens sei im Durchschnitt mit 36 Stunden bemessen. Zur Anwendung gelangen zweiwattige Lampen, welche zwar eine viel kürzere Lebensdauer als die drei- und einhalbwattigen Lampen haben, aber, wie die Versuche bei den k. k. österreichischen Staatsbahnen lehren, sich trotzdem ökonomischer erweisen, wie ja überhaupt dort, wo die Stromkosten grosse sind, sich die Anwendung niederwattiger Lampen empfiehlt.

Die längste Beleuchtungsdauer eines solchen Wagens in den Wintermonaten beträgt bei der Annahme, dass der Wagen abends 8 Uhr von der Ausgangsstation wegfährt