Text-Bild-Ansicht Band 316

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Wie man sieht, übt eine grössere Anzahl der durchschnittlichen täglichen Brennstunden der Lampen einen verbilligenden Einfluss aus. Zu dieser Kalkulation ist noch zu bemerken, dass die Kosten der Pferdekraftstunde bei Annahme eines 70% igen Wirkungsgrades der Dynamomaschine mit 4 Pf. oder einer Kilo-Watt-Stunde mit ~5,44 Pf. angesetzt erscheinen. Diese Kosten erscheinen wohl etwas zu gering geschätzt, eine sichere Berechnung bleibt aber in diesem Falle unmöglich, indem sowohl die Kosten der Kraft, als auch der Wirkungsgrad der Maschine, mit Rücksicht auf die bei der Uebersetzung entstehenden Reibungsverluste zu Ungunsten der Rechnung höher bezw. niedriger einzuschätzen sein werden.

Das Endergebnis vermag jedoch eine solche doch nur in Bezug auf die Endziffern in Betracht kommende Erhöhung dieser Ansätze kaum zu beeinträchtigen und würde man höchstens nur auf jene Ziffer gelangen, welche für den reinen Akkumulatorenbetrieb ermittelt wurde.

Nach einer von der Firma Julius Pintsch in Glaser's Annalen, Nr. 475 vom Jahre 1897, veröffentlichten Mitteilungüber die Kosten der Oelgasbeleuchtung pro 10kerzige Lampenbrennstunde betragen dieselben bei Verwendung von Intensivlampen 2,2 Pf., bei Verwendung von gewöhnlichen Lampen 3,4 Pf., also im Durchschnitt 2,8 Pf.

Stellt man diesen Ziffern die ermittelten Kosten für die elektrische Beleuchtung mit gleicher Lichteinheit, welche für die reine Akkumulatorenbeleuchtung 1,6 Pf., für die gemischte Zugsbeleuchtung 1,28 Pf., und für die Einzelwagenbeleuchtung 1,12 Pf. beträgt, gegenüber, so ergibt, selbst wenn man, um sicher zu gehen, diese kalkulierten Preise um weitere 50% erhöht, auch vom ökonomischen Standpunkte die Ueberlegenheit der elektrischen Beleuchtung. Erwägt man ferner die Vorzüge des elektrischen Glühlichtes, welche in der selbst durch die stärkste Erschütterung nicht beeinflussbaren Stetigkeit der Flamme, der Teilbarkeit desselben bis zu den kleinsten Lichtintensitäten und in der absoluten Gefahrlosigkeit desselben bestehen, so muss es befremden, dass dieser Gattung der Zugsbeleuchtung bisher noch nicht jene Aufmerksamkeit gewidmet wurde, die dieselbe verdient.

A. Prasch.

Die Gasbeleuchtung auf der Pariser Weltausstellung.

Von Fr. Liebetanz-Düsseldorf.

Von allen bisherigen Weltausstellungen stand keine annähernd so stark unter dem Banne der modernen Beleuchtungstechnik, als die letzte Pariser. Das künstliche Licht zeigte sich in allen seinen Gestalten und Variationen, von der Oellampe, der Benzin- und Petroleumsparlampe bis zum flutenden Bogenlicht, vom Luftgas–, Spiritus- und Petroleumglühlicht, vom Washington- und Gasolinlicht bis zum ehrwürdigen Kohlengaslicht unter niederem und hohen Druck und der blendenden Acetylenflamme. Dass selbst das jüngste Kindlein der Beleuchtungstechnik, das Nernst-Licht, nicht fehlte, ist bekannt; mit magischer Gewalt zog es die Fachleute und sonstigen Interessenten an und liess sich in seinem Tempel bewundern. Indes soll die elektrische Beleuchtung in diesem Bericht nur vergleichsweise angeführt werden, der Zweck desselben ist eine Beschreibung der auf der Ausstellung vorhanden gewesenen nichtelektrischen Lichtarten.

Angesichts der Lichtfülle der nun geschlossenen Ausstellung, muss man sich in der That wundern, wie die früheren grossen Veranstaltungen gleicher Art mit der damaligen primitiven Beleuchtung auskommen konnten, denn abgesehen von der Pariser Ausstellung 1878, welche die erste grössere Beleuchtung mit Jablochkoff-Kerzen vornahm und der Ausstellung 1889 in Paris, welche das elektrische Licht in grösserem Umfange heranzog, stand den vorhergehenden nur die offene Steinkohlengasflamme als höchster Luxus zur Verfügung. Und deshalb kam es einem dieses Jahr in Paris so recht zum Bewusstsein, was die Beleuchtungstechnik in den letzten 15 bis 20 Jahren für eine geradezu gigantische Arbeit geleistet hat: die Ausgestaltung des elektrischen Lichtes, das Auer-Licht, die praktische Einführung des Wassergases, das Pressgas, Acetylen und Nernst-Licht, um nur die wichtigsten Etappen zu bezeichnen! In Paris entrollte sich die Geschichte des Beleuchtungswesens der letzten Jahrzehnte in überraschender Weise vor dem staunenden Beschauer, wenn auch manche Lücke zu beobachten und manches zu wünschen war, wie z.B. eine viel bessere bezw. stärkere Beteiligung der Steinkohlengasindustrie. Bedauerlich war es ferner, dass die Klasse 75 für alle Staaten, mit Ausnahme Frankreichs, nicht einmal auf dem Papier stand, sie war in den meisten Katalogen ganz übergangen und doch umschloss sie nach der offiziellen Festsetzung „die nichtelektrischen Beleuchtungsarten“. Aus diesem Grunde mussten sich die Aussteller der fremden Staaten in andere Abteilungen flüchten. Die einzigen beiden deutschen Aussteller, die noch dazu gemeinschaftlich ausstellten, die Stettiner Chamottefabrik-Aktiengesellschaft vorm. Didier in Stettin und die Berlin-AnhaltischeMaschinenbau-Aktiengesellschaft in Berlin fügten sich der Ingenieurausstellung ein, obgleich gerade diese zwei hervorragenden Firmen vortrefflich geeignet gewesen wären, den Mittelpunkt einer deutschen Klasse 75 zu bilden, aber leider war die so hoch entwickelte deutsche Gasindustrie im übrigen zu Hause geblieben. Wir möchten bei dieser Gelegenheit nicht verfehlen, auf die grosse Wichtigkeit hinzuweisen, die eine vollständige, umfangreiche Ausstellung für das gesamte Beleuchtungswesen hätte, ein Wettbewerb, der aus dem engbegrenzten Rahmen der Fachliteratur in die Praxis übertragen würde und nebeneinander die Leistungen der Beleuchtungsbranche aller Richtungen einen friedlichen, aber jedenfalls sehr nützlichen Wettkampf austragen lassen würde. Es wurde verschiedentlich auf die grosse Düsseldorfer Ausstellung 1902 hingewiesen, aber das Merkwürdige ist auch hier, dass eine Gruppe für Lichtindustrie überhaupt nicht vorhanden ist; man wird sich auf verschiedene Effektbeleuchtungen beschränken – das ist alles. Auch die nächstjährige Wiener Lichtindustrieausstellung erscheint für obigen Zweck, als verfehlt.

Anscheinend hatte man anfangs der Beleuchtungsindustrie einen Sammelpunkt zugedacht, was aus der Errichtung des beistehend abgebildeten Gaspavillons zu entnehmen ist. Derselbe soll nach der ersten Idee etwa doppelt so gross gedacht worden sein, wie er in Wirklichkeit ausgeführt wurde, aber schliesslich warf die Riesenarbeit des Arrangements der ganzen Ausstellung auch dieses schöne Projekt über den Haufen und der dann erbaute Pavillon verunglückte hinsichtlich seines Zweckes vollkommen. Hierzu mag auch seine durchaus ungünstige Lage, abseits der grossen Ausstellungsverkehrsadern, an einem ungepflegten, schmalen Wege im Rücken des Gebäudes für Bergbau und Hüttenwesen, direkt an den Ausstellungszaun der Avenue de la Bourdonnais angrenzend, beigetragen haben. Höchst stiefmütterlich plaziert, hatte man wohl auch das Bewusstsein, dass der Besuch des Gebäudes gering sein wird und brachte in demselben, ausser einigen Beleuchtungskörpern, Gaskochern, Motoren, Gasmessern u.s.w. von nur französischen Firmen, nichts weiter unter.

Im ersten Stockwerk befand sich der Kongresssaal, der indes für Kongresse nicht benutzt wurde. Die daselbst befindliche Ausstellung von Modellen, Apparaten, Zeichnungen, Statistiken, Beschreibungen bot wohl das Interessanteste des Pavillons und lohnte reichlich wiederholte Besuche. Diese Sammlung war ebenso sorgfältig arrangiert, als lehrreich. Die drei Ausstellungsräume des