Text-Bild-Ansicht Band 316

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Textabbildung Bd. 316, S. 138
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Maschinen der gleichen Grosse waren zur Zeit der Weltausstellung acht Stück in den Werkstätten der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft im Bau, während dreizehn weitere in Vorbereitung sich befanden. Die Maschinen sind bestimmt zur Erzeugung hochgespannten Drehstromes in den Zentralen Oberspree und Moabit der Berliner Elektrizitäts-Werke. Der Hochspannungsstrom wird von diesen Zentralen aus einerseits in den Vororten Berlins direkt als Drehstrom verteilt; andererseits soll er in einer Anzahl in Berlinselbst im Bau befindlichen Unterstationen in Gleichstrom umgewandelt werden, um mit den daselbst bereits im Betrieb befindlichen Dampfmaschinenzentralen elektrischen Strom für die Beleuchtung und Kraftübertragung sowie für den Strassenbahnbetrieb Berlins zu liefern.

Die Dynamomaschinen werden in ihrer endgültigen Aufstellung durch je eine Viercylinderdampfmaschine mit dreifacher Expansion und von horizontaler Bauart angetrieben; für die Ausstellung war eine Dampfmaschine solcher Grosse nicht zu beschaffen, so dass die Dynamo ohne Antriebsmaschine ausgestellt werden musste. Dies bildet auch den Hauptgrund, weshalb sie nicht in der grossen Halle des Palais de l'Electricité, sondern in dem Annexe allemande aufgestellt worden ist1) eines unserer bedeutendsten Elektrotechniker, entnehmen wir der Frankfurter Zeitung vom 25. August 1900 folgenden Ausspruch:

„Es ist eine, nicht nur von den Deutschen behauptete, sondern auch von Engländern, Amerikanern und in taktvoller und gerechter Weise insbesondere auch von den Franzosen selbst anerkannte Thatsache, dass die deutsche Ausstellung weitaus am grossartigsten und bedeutungsvollsten ist, und dass die Darbietungen der anderen Nationen nicht an sie heranreichen. Indem wir dies mit Genugthuung konstatieren, können wir doch das Bedauern darüber nicht unterdrücken, dass der deutschen elektrischen Industrie gleichwohl nicht Gelegenheit geboten wurde, ihre Leistungen im vollen Umfang zur Geltung zu bringen.

Die von den deutschen Firmen im Betrieb vorgeführten vier Dampfdynamomaschinen von durchschnittlich 2000 PS sind die grössten der Ausstellung, doch was besagen sie gegenüber der Thatsache, dass Maschinen von 4000 bis 5000 PS heute zu unseren Normaltypen gehören, wie solche demnächst z.B. auch in Frankfurt selbst zur Aufstellung kommen sollen! Solche Riesenmaschinen im regulären Betrieb vorzuführen, wäre Sache der Weltausstellung gewesen. Es musste gezeigt werden, dass das Bedürfnis nach solchen Einheiten in Deutschland bereits besteht. Zu einer Zeit, wo in Deutschland alle möglichen Systeme elektrischer Bahnen bereits erprobt sind, wo der elektrische Schnell- und Fernbetrieb unter Mitwirkung deutscher Firmen bereits zur praktischen Einführung gelangen soll, und wo deutsche Firmen wohl an 100000 PS für elektrochemische Zwecke geliefert haben, musste der deutschen Industrie Gelegenheit gegeben werden, ihr vielseitiges Können an der Lösung der vorerwähnten grossen Probleme zu erweisen.“ Welch ein bescheidenes Plätzchen war aber diesem mit so grosser Mühe, so grossen Kosten und mit so viel aufreibender Arbeit aufgestellten grössten und bedeutendsten Ausstellungsstück der deutschen Starkstromtechnik zugewiesen in dem von nur dem kleineren Teile der Ausstellungsbesucher beachteten, von dem Verkehrsstrom nicht berührten, unansehnlichen Annexe!

D. R.

1)

Einem Berichte von Oskar von Miller