Text-Bild-Ansicht Band 316

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durch Patentzungenschieber im Leitrade regulierbarer Beaufschlagung von der Firma Th. Bell und Co. in Kriens bei Luzern ausgeführt; die Tourenzahl derselben ist 68. Die Turbinen der Erregerkammern unterscheiden sich von den Hauptturbinen nur durch die Dimensionen. Die Drehung der Leitradzungenschieber und damit die Regulierung der Turbinen erfolgt durch Oeldruck mit Hilfe je eines Servo-Motors pro Turbine. Dieselbe Pressölanlage, welche die Servo-Motoren bedient, liefert auch das Drucköl für die ringförmigen ausserhalb des Wassers liegenden und jederzeit zugänglichen Turbinenstupfen. Die für den ersten Ausbau der Anlage erforderlichen Turbinen und übrigen mechanischen Einrichtungen sind in der Montierung begriffen. Das Gewicht einer kompletten Turbine beträgt etwa 75000 kg.

Textabbildung Bd. 316, S. 144

Ueber weitere Einzelheiten der Etagenturbinen (Fig. 2) mit vertikaler Achse ist bereits in D. p. J. 1900 315 646 bei den in Paris ausgestellten Turbinen berichtet worden; einige allgemeine Gesichtspunkte über diese Type mögen hier noch Platz finden.

Die Etagenturbinen eignen sich zur Ausnutzung von Gefällen von 3 bis 15 m und beliebige Wassermengen bei hoher Tourenzahl. Die nach besonderer Konstruktion der Aktiengesellschaft Th. Bell und Co. ausgeführte Leitradregulierung (Schweizer Patent Nr. 14540/306) soll sich namentlich auch für sehr grosse Kräfte bewährt haben. Die Regulierorgane sind möglichst entlastet und derart konstruiert, dass Fremdkörper, Sand und Schlamm den sicheren Gang nicht leicht stören. Die Auswechselungeinzelner Teile, auch eines ganzen Leitrades ist in kurzer Zeit ermöglicht. Je nach Grosse und Geschwindigkeit soll der Nutzeffekt der Turbinen 75 bis 80% betragen.

Die umlaufenden Teile sowohl der Turbine als auch zum grössten Teil des Generators werden nach dem der Firma Bell und Co. eigenen System (Schweizer Patent Nr. 14464) hydraulisch entlastet, so dass der Stupf nur noch den der veränderlichen Gefällshöhe entsprechenden Druckunterschied aufzunehmen hat. Auf welche Weise die Entlastung der Turbine bewirkt wird, ist in D. p. J. 1900 315 646 angegeben; ausserdem werden die Turbinen mit zweckmässig gekühlten Ringspurlagern versehen und dürften somit diejenige Betriebssicherheit bieten, die ganz besonders für sehr grosse Kräfte mit hohen Tourenzahlen Bedingung ist.

3. Elektrische Anlage. Es mag als selbstverständlich gelten, dass die elektrischen Generatoren, wie jetzt allgemein üblich, unmittelbar auf die Turbinenwelle aufgesetzt werden, wodurch jeder Kraft Verlust durch Zwischenteile ausgeschlossen ist. Dasselbe gilt auch für die Erregermaschinen. Die elektrischen Generatoren – geliefert von Brown, Boveri und Cie. in Baden (Schweiz) – erzeugen direkt dreiphasigen Wechselstrom von 8000 Volt Spannung, welche für die meisten Kraftübertragungszwecke genügend ist. Für die Uebertragung auf grössere Entfernungen ist die Transformation des erzeugten Maschinenstromes auf 20000 Volt vorgesehen, welche Spannung beispielsweise für die Speisung des Absatzgebietes imaargauischen Seethal (Umgegend des Hallwyler Sees) zur Anwendung kommt.

Die Kartenskizze (Fig. 1) gibt ein annäherndes Bild über einen Teil des vorgesehenen Leitungsnetzes zur Abgabe elektrischer Energie für die verschiedensten Bedürfnisse der Industrie und der Gewerbe, sowie zur Beleuchtung von Wohnhäusern u.s.w.

4. Stand der Arbeiten, Beginn der Kraftabgabe. Die Bauarbeiten wurden im November 1898 begonnen und seither erfolgreich und programmmässig durchgeführt. Der Aushub des Kanals ist beendigt. Fertiggestellt ist das Mauerwerk des Kanaleinlaufes und beide Uferpfeiler des Wehres einschliesslich des dortigen Fischpasses. Von den sechs Strompfeilern sind vier bis über Wasser gemauert und vollzog sich diese Arbeit in einem beweglichen Caisson durchaus sicher und ohne Anstand in der kurzen Zeit von 4 Monaten. Beim Turbinenhaus sind die Bauten des Leerlaufes, der Kahnschleuse und des Fischpasses vollendet, ebenso die beiden Widerlagerpfeiler des Turbinenhauses und dessen Fundamentierung und Sicherung gegen Auskolkung auf der Unterwasserseite. Das zur Anwendung gelangende System der Fundamentierung gestattet einen vom Wasserstande ganz unabhängigen Fortgang der Arbeiten, so dass der Beginn der Kraftabgabe, wie vorgesehen, auf den Herbst 1901 zu erwarten ist.

5. Betriebssicherheit. Grosse Sorgfalt wurde bei der Projektierung

Fig. 2. der Anlage auf Erreichung eines möglichst hohen Grades der Betriebssicherheit verwendet. Nicht nur ist für die zum Betriebe unumgänglich erforderlichen Funktionen der Lieferung des Erregerstromes und des Pressöles je eine Reserveanlage angeordnet, sondern es sind die Leitungen für das Pressöl, sowie die Sammelschienen der Schaltanlage so angelegt, dass beliebige Teile dieser Leitungen zeitweise ihrer Funktion enthoben, d.h. ausgeschaltet werden können. Es ist demnach möglich, schadhafte Teile zu reparieren oder auszuwechseln, ohne deshalb den Betrieb einstellen zu müssen.

Die vielfachen Erfahrungen, die infolge des Baues und Betriebes der verschiedensten Elektrizitätswerke zu Gebote stehen, wurden bei Aufstellung des Projektes für das Elektrizitätswerk Beznau durchweg zur Anwendung gebracht, und es bürgen ausserdem die Namen der Firmen, denen die Lieferungen und Arbeiten übertragen sind, nämlich: Prof. Conrad Zschokke in Aarau (Spezialgeschäft für Wasserbauten) für die gesamten Bauten, Th. Bell und Co. in Kriens für die Turbinen und Brown, Boveri und Co. in Baden für den elektrischen Teil, für eine sachgemässe erstklassige Ausführung der Gesamtanlage.

Wilh. Müller-Cannstatt.