Text-Bild-Ansicht Band 316

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Kondensator und Luftpumpe sind unter Maschinenflur aufgestellt; der Antrieb der letzteren erfolgt vom Kurbelzapfen aus. Ein mittels Handrad stellbares Wechselventil gestattet, die Maschine mit Kondensation oder mit Auspuff arbeiten zu lassen.

Fig. 73 zeigt die von der Firma Mollet-Fontaine und Cie. in Lille ausgestellte liegende Eincylindermaschine mit Kondensation und zwar insbesondere die allgemeine Anordnung der äusseren Steuerung dieser Maschine.

Die Hauptabmessungen sind folgende:

Cylinderdurchmesser 450 mm
Kolbenhub 900 „
Minutliche Umdrehungszahl 90
Durchmesser des Schwungrades 4000 mm

Mit Dampf von 6 kg/qcm Spannung (effektiv) und 0,1 Füllung soll die Maschine 129 PSi entwickeln.

Ein- und Auslassschieber, Bauart Corliss, werden unabhängig voneinander von zwei Exzentern der Schwungradwelle derart bewegt, dass veränderliche Füllungen – bis 65% des Kolbenhubes –, sowie beliebige Einstellungen der Vorausströmung und Kompression des abziehenden Dampfes möglich sind. Die schädlichen Räume betragen zufolge Verlegung der Schieber an die, äussersten Enden des Cylinders nur 1,85% vom Volumen desselben. Durch zweckmässige Wahl der Abmessungen der Exzenter (Exzentrizität und Voreilwinkel), sowie entsprechende Stellungen der auf den Schieberspindeln sitzenden Hebel und ihrer Antriebstangen wird erreicht, dass die Einlassschieber bei 1/10, die Auslassschieber bei 1/16 des Kolbenhubes schon vollständig geöffnet sind.

Die für jeden Einlassschieber aus nur drei beweglichen Teilen bestehende Aussensteuerung zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Einfachheit aus.

Textabbildung Bd. 316, S. 173

Ein auf der Schieberspindel befestigter Hebel a (Fig. 74) ist mittels Stange an einen den Schieberschluss bewirkenden Luftbuffer angeschlossen, während die vom Exzenter aus bethätigte zweiarmige Schwinge b auf einer zur Lagerung der Schieberspindel dienenden Büchse frei dreht. Der eine Arm der Schwinge b trägt die Klinke c (aktiver Mitnehmer), welche, sobald sie einen Anschlag (passiver Mitnehmer) des auf der Spindel festgekeilten Hebels a erfasst, diesen mitnimmt, und damit das Oeffnen des Einlassschiebers bewirkt. Dies dauert so lange, bis das entsprechend ausgebildete Ende einer zweiten, auf gemeinschaftlichem Zapfen i mit der ersteren sitzenden, und durch die Feder g beständig nach abwärts gedrückten Klinke (punktiert angegeben) mit einem der auf der Nabe des vom Regulator eingestellten Hebels h sitzenden Daumen zusammentrifft.

Der mit den Schiebergehäusen und dem Dampfmantel aus einem Stück gegossene Cylinder ruht mittels an den Enden angegossener Füsse verschiebbar auf einer mit dem Fundament verbundenen Sohlplatte. In die vom Cylinder nach dem Kondensator führende Ab dampf leitung ist eine Kompensationsvorrichtung aus Kupfer eingeschaltet. Derbajonettförmig gestaltete Maschinenrahmen bildet mit dem Schwungradlager, welches direkt auf dem Fundament befestigt ist, ein einziges Gussstück. Die vierteiligen Lagerschalen beider Wellenlager sind in zwei Richtungen nachstellbar und derart ausgebildet, dass behufs Zugänglichkeit der Welle die Lagerdeckel ohne vorherige Entfernung der seitlichen Keile abgehoben werden können. Die Schalen lassen sich nach Anheben der Welle um einige Millimeter mittels einer Schraubenwinde mühelos aus den Lagern herausnehmen; zu dem Zwecke werden die unteren, als Teile eines Cylinders ausgebildeten Schalen mittels kleiner Haken über den Umfang der Welle hinweggezogen.

Textabbildung Bd. 316, S. 173

Der empfindliche Kugelregulator erhält seinen Antrieb mittels Riemen von der Schwungrad welle. Sollte aus irgend welchem Grunde ein Reissen des Regulatortreibriemens eintreten, so bringt der mit dem Regulator in Verbindung stehende Hebel h (Fig. 74) bezw. ein auf der Nabe desselben sitzender zweiter Daumen die Klinke c in eine derartige Lage, dass sie bei ihrer Drehbewegung mit dem Anschlage des auf der Spindel des Einlassschiebers befestigten Hebels a nicht mehr zusammentrifft. Die Einströmung frischen Dampfes in den Cylinder ist dann abgeschnitten und ein Durchgehen der Maschine kann nicht stattfinden. Für das Ingangsetzen derselben wird durch einen eingelegten Ring das Zurückgehen des Regulators in seine tiefste Lage verhütet und damit eine gewisse Füllung gesichert.

Der dampfdichte Abschluss der Schieberspindeln wird bei Vermeidung von Stopfbüchsen durch konische Liderungsringe bewirkt, die frei auf den Spindeln beweglich und durch den Dampfdruck im Schieberkasten bezw. Cylinder gegen ihre Gleitflächen gepresst werden.

Alle beweglichen Teile der Maschine können auch während des Ganges derselben gefahrlos geschmiert werden. Die liegende doppeltwirkende Luftpumpe ist unter dem Cylinder angeordnet.

P. Farcot und A. Farcot in Saint-Ouen (Seine) hatten eine liegende Eincylindermaschine mit Kondensation der in Fig. 75 ersichtlichen Bauart ausgestellt. Die zu den ansehnlichsten der Ausstellung gehörige Maschine arbeitet mit einer auslösenden Hahn Steuerung, System Farcot, deren zugehörige Schieber in den Cylinderdeckeln untergebracht sind, so dass die schädlichen Räume noch nicht 1% des Cylindervolumens betragen.

Die Hauptabmessungen der Maschine sind folgende:

Cylinderdurchmesser 1000 mm
Kolbenhub 1350 „
Normale Umdrehungszahl in der Minute 80 „

Die Maschine war auf der Ausstellung mit einem Generator, Type Hutin-Leblanc-Farcot, direkt gekuppelt, dessen gleichzeitig als Schwungrad dienendes Magnetrad bei einem Durchmesser von 5,500 m ohne die zugehörige Welle 49800 kg wiegt. Der Generator liefert bei 79 minutlichen Umdrehungen und 42,5 Perioden in der Sekunde Strom von 2000 Volt und 188 Ampère.

Der in Fig. 76 ersichtliche, mit Dampfmantel umgebene, eigenartige Cylinder ist mit ebenfalls von bewegtem Dampfe durchströmten und gleichzeitig die Schiebergehäuse bildenden