Text-Bild-Ansicht Band 316

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an der Stelle des Kupferstreifens ein gebogener Silberoder Bleistreifen (vgl. Fig. 60) eingeschaltet ist. Auch sind die Wände des Kasteninnerns vollständig mit Isolationsplatten bekleidet. Bei geöffnetem Kasten wird wieder eine Unterbrechung der Speiseleitung bewirkt, während bei geschlossenem Kasten die Verbindung der Speiseleitung über den Sicherungsstreifen geschieht.

Da die Speisekabel im Elektrizitätswerk und auf den Verteilungsstellen durch Sicherungen geschützt sind, so wird es vielfach nicht erforderlich sein, Streckenausschalter mit Sicherungen anzuwenden. Der grösseren Sicherheit und Vorsicht halber würde man alle Streckenausschalter mit Sicherungen versehen und letzt beschriebene Type ausschliesslich ausgestalten können, wenn dem nicht andere Umstände entgegenstehen. Hierzu gehört das erschwerte und zeitraubende Auffinden und Auswechseln einer etwa durchgebrannten Sicherung im jeweiligen Streckenausschalter, Beschädigungen im Kasten, die beim Durchbrennen einer Sicherung leicht auftreten u.s.w.

Die genannten Schaltkasten unterscheiden sich im weiteren wieder in solche für untere, seitliche und hintere Kabeleinführung. Ausser diesen meist verwendeten Modellen fabriziert dann die Gesellschaft für Strassenbahnbedarf noch Streckenausschalter, deren Aus- und Einschaltung, anstatt lediglich durch Oeffnen des Kastens und Umlegen des Deckels, durch Hebel- und Momentausschalter erfolgt, und wobei die Bildung eines Lichtbogens, der, wenn auch in beschränktem Masse, bei sonstigen Ausschaltern eintreten kann, ganz vermieden wird. Der Momentausschalter selbst, welcher in dem Kasteninneren eingebaut ist, dürfte nichts wesentlich Neues bieten, und sei daher von der näheren Beschreibung ausgeschlossen.

Zu dem Kapitel der Streckenschaltapparate sei der Streckenblitzableiter für Bahnen (Fig. 61) gezählt.

Textabbildung Bd. 316, S. 224

Da die blanken Fahrdrähte ganz besonders bei einem Gewitter den atmosphärischen Entladungen ausgesetzt sind, und viele Schäden hervorrufen können, so muss der atmosphärischen Entladung eine Ableitung zur Erde gegeben werden. Dies geschieht durch die Verwendung von Blitzschutzapparaten. Die Anbringung eines Stangenblitzableiters würde wohl auch geeignet sein, den Blitz anzuziehen und an dieser Stelle abzuleiten, bürgt aber doch nicht dafür, dass auch Entladungen an anderen Stellen (Fahrdraht) erfolgen, und Gefahren und Schäden für Dynamomaschinen des stromliefernden Werkes, der Wagenmotoren u.s.w. herbeiführen. Wenn nun die Anbringung eines Blitzschutzapparates auch nicht unbedingt jede Gefahr beseitigt, so vermindert sie diese doch und zwar in dem Masse der zweckmässigen Konstruktion der Blitzschutzapparate.

Der von der Gesellschaft für Strassenbahnbedarf erzeugte Blitzschutzapparat mit selbstthätiger Funkenlöschung besteht im Aeusseren aus einem imprägnierten Eichenholzkasten, dessen Deckel in beistehender Abbildung aufgeklappt dargestellt ist. Der montierte und geschlossene Apparat wird von einem besonderen Ueberkasten zum Schütze gegen Witterungseinflüsse besonders geschützt. Dieser Ueberkasten ist in beistehender Abbildung fortgelassen.

Im Kasteninneren, der mit Isolation besonders ausgekleidet ist, sind die Spule mit Polschuhen, der besonders präparierte, einen Vorschaltwiderstand bildende Kohlenstab mit Schieber und auf dem Deckelinneren ein Porzellanstück mit Oeffnung zum Lufteintritt und zwei Rotgussösen untergebracht. Bei geschlossenem Kasten sind Kasten und Deckelteile durch Metallschneiden am Deckel und Federn im Kasten stromverbindend vereinigt.

Von den aus der Kasten wand vorstehenden Anschlussklemmen dient die eine zum Kabelanschluss an den Fahrdraht, die andere zum Anschluss der Erdableitung. Bei atmosphärischer Entladung entsteht unter Bildung eines Lichtbogens im Apparat folgender Stromübergang bis zum Wiedereintreten der Funkenlöschung:

Von dem Fahrdraht über die Fahrdrahtanschlussklemme des Apparates, über die Kohle (bis zu dem auf dieser befindlichen Schieber), einen Metallwinkel als Verbindungsstück, den Lichtbogen zur Erdanschlussklemme des Apparates. Bei der Entstehung des Lichtbogens, der wiederum nur bei atmosphärischer Entladung sich bildet, wird nun aber der Magnet in dem Apparat erregt, da die Spule des Elektromagneten im Nebenschluss und zwischen der oben genannten Kohle und der Erdableitungsklemme liegt. Dieser Nebenschlusswiderstand wird gebildet durch die Spulenbewickelung und einen Teil der Kohle und ist veränderbar durch die Verstellung des oben genannten auf der Kohle befindlichen Schieberklemmstückes. Letzteres wird daher auf der Kohle entsprechend eingestellt.

Wiewohl die Einstellung des Apparates nach der Fabrikation erfolgt, so ist diese nach beendeter Installation bezw. vor Ingebrauchnahme des Apparates nochmals zu prüfen, da bei dem Transport und der Anbringung eine Veränderung immerhin nicht ganz ausgeschlossen ist.

Von den bei elektrischen Bahnen sonst noch gebräuchlichen Blitzschutzapparaten sind noch zu nennen die mit elektromagnetischer Auslösung, bei denen die Entladung zwischen zwei Kohlenstäben vor sich geht, und durch die Spule eines Elektromagneten und eines drehbaren Hebels erfolgt, ferner die Blitzableiter mit Funkenlöschung mit Oel, bei denen zwei hintereinander geschaltete Funkenstrecken vorgesehen sind. Ein von dem ersten Uebergangsfunken nachgezogener Gleichstrom erregt eine Elektromagnetspule, welche zwei unter Oel sitzende Spitzen auseinander zieht, während die atmosphärische Entladung durch die zweite Funkenstrecke zur Erde geht. Diese Apparate haben aber den Nachteil, dass sie schlecht im Freien anzubringen und zu verwenden sind. Vorzüge haben in dieser Hinsicht entschieden die einfachen Spitzen- und Stangenblitzableiter, die aber bei elektrischen Bahnen nur dem Blitz Gelegenheit zum Uebergang nach der Erde geben, nicht aber eine in die Fahrdrahtleitung bereits übergegangene Entladung aus dieser wieder abzuleiten vermögen und deshalb nicht ausreichend sind.

6. Stromabnehmer und Zubehöre.

Die beiden Arten der Wagenkontakte, die Stromabnehmer mit Rollen und die mit Bügel haben beide ihre Vorzüge und ihre Nachteile. Der Bügelstromabnehmer hat den Nachteil, durch das Schleifen am Fahrdraht diesen abzunutzen, wogegen er den Vorzug der besseren Kontaktgabe bietet und durch die breitere Auflagfläche befähigt ist, Horizontalschwankungen des Fahrdrahtes ohne abzugleiten leichter aufzunehmen, wie dies bei dem Rollenstromabnehmer der Fall ist. Letzterer nutzt nun wieder den Fahrdraht durch die Abwälzung an demselben nicht ab, springt dagegen leicht aus und hat dadurch öfter Betriebsstörungen in der Folge. Der für das Auge gefälligere Stromabnehmer ist entschieden diese mit Rollen versehene Kontaktstange, die in einem drehbaren Untergestell befestigt ist (Fig. 62). Dies Untergestell besteht nach Fig. 62 aus einem auf der Wagendecke anzuschraubenden Gussteller mit einer Eisenachse, auf der ein Federspanner horizontal drehbar angeordnet ist. An dem Federspanner ist ein zweiarmiges Segment befestigt und dient zur Aufnahme der federnden Stange mit der Rolle.

Textabbildung Bd. 316, S. 224
Textabbildung Bd. 316, S. 224
Textabbildung Bd. 316, S. 224
Textabbildung Bd. 316, S. 224

Dies Segment ist vertikal drehbar und gestattet ein Umlegen der Stange, wobei die unteren Kanten des Segments auf Tombakfedern