Text-Bild-Ansicht Band 316

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Motors verhältnismässig klein; er beträgt nur pe = 2,74kg/qcm (nach einem neueren Versuch pe = 3kg/qcm), während der auf S. 168 angeführte Leuchtgasmotor pe = 4,44kg/qcm und ein von Prof. Meyer geprüfter Motor4) von Körting sogar pe = 5,2 kg/qcm aufweist. Hierauf wird im folgenden zurückzukommen sein.

Textabbildung Bd. 316, S. 231
Textabbildung Bd. 316, S. 231

Letombe-Motor.

Der Letombe-Motor ist ein doppeltwirkender Viertaktmotor mit verlängerter Expansion. Das Grundsätzliche über die eigenartige Regulierung dieses Motors ist schon in den einleitenden Bemerkungen über die Motoren mit verlängerter Expansion dargelegt worden. Die konstruktive Durchführung der Idee und die Wirkungsweise der Steuerung ergibt sich aus den Fig. 11 (200 PS-Motor) und insbesondere aus den Schnitten durch die Einströmventile (Fig. 12 bis 14). Der Eintritt des Gemisches steht unter dem Einfluss von drei Ventilen A, B und D. Das eigentliche Einströmventil A sitzt im Verdichtungsraum, es wird von dem zugehörigen Nocken (vgl. Fig. 12) stets in derselben Weise angehoben. Das Regulierventil B und das Gasventil D werden von einem und demselben Nocken (Fig. 14 und 15) bewegt, der auf der Steuerwelle verschiebbar ist und vom Regulator eingestellt wird. Je nach der Stellung dieses Nockens wird das Regulierventil B mehr oder weniger lang und hoch angehoben und stösst dabei das Gasventil D mehr oder weniger weit auf. Das Spiel dieser beiden Ventile B und D bestimmt die Menge der frischen Ladung und deren Zusammensetzung. Die Wirkungsweise der drei Ventile ist folgende: Zu Beginn des Ansaugehubs wird das Einströmventil A von seinem Nocken (Fig. 12), das Regulierventil B und damit das Gasventil D vom Reguliernocken angehoben. Während des ersten Teils des Saughubs, solange die höchste Erhebung des Nockens (Fig. 15) mit der Rolle des Ventilhebels im Eingriff steht, werden Regulierventil und Gasventil miteinanderoffen gehalten. Später läuft die Rolle auf dem etwas niedereren Rücken des Nockens, das Regulierventil B sinkt soweit zurück, dass das Gasventil schliesst und nur noch Luft angesogen wird. Vor Beendigung des Saughubs schliesst dann auch das Regulierventil, so dass auf dem Rest dieses Hubs ein kleiner Niederdruck im Cylinder entsteht, der während des Verdichtungshubs wieder verschwindet. Sobald auf dem letzteren Weg die atmosphärische Pressung im Cylinder wieder erreicht ist, schliesst zuletzt auch das Einströmventil und die Verdichtung beginnt, gefolgt von dem bekannten Viertaktspiel.

Textabbildung Bd. 316, S. 231

Bei voller Last läuft die Rolle des Ventilhebels auf der Kurve 1 des Reguliernockens (Fig. 15), bei (kleiner Last auf der Kurve 3. Aus der Skizze des Reguliernockens sieht man deutlich: je, höher die Belastung ist, desto kürzere Zeit bleibt das Regulierventil B offen, desto weniger Gemisch wird angesogen; das Gasventil wird aber hierbei verhältnismässig lange offen gehalten, es gelangt somit eine kleine, aber kräftige Ladung in den Cylinder. Mit Abnahme der Belastung tritt mehr Gemisch ein, dasselbe ist aber viel schwächer. Auf diese Art entsteht das Regulierdiagramm (Fig. 16), worin das Diagramm a b c d e voller, i j k d e kleiner Belastung entspricht. Versuchsresultate liegen von diesem Motor keine vor. Es wäre von Interesse, zu sehen, wie sich der Gasverbrauch für 1 PSi, welcher der Theorie nach mit abnehmender Belastung günstiger werden sollte, in Wirklichkeit verhält, und ferner, wie rasch der mechanische Wirkungsgrad bei dieser Regelungsweise mit der Belastung abnimmt.

Textabbildung Bd. 316, S. 231

Es ist bereits gelegentlich der Besprechung des Charon-Motors darauf hingewiesen worden, und wird insbesondere noch aus Diagrammen, welche von dem nachher anzuführenden Duplex-Motor vorliegen, hervorgehen, dass die spezifische Leistung der Motoren mit verlängerter Expansion eine verhältnismässig kleine ist. Dies liegt ja ganz in der Natur der Sache, da in diesen Motoren zu Gunsten der Expansionsverlängerung stets mit kleiner Ladungsmenge gearbeitet wird. Dieser Umstand hat zweifellos die Veranlassung dazu gegeben, den Kolben doppeltwirkend zu machen. Letombe hat seinen doppeltwirkenden Viertaktmotor zuerst mit einem Kreuzkopf gebaut, später aber dieses passive Maschinenelement durch ein treibendes, durch einen einfachwirkenden Viertaktkolben ersetzt. Diese bemerkenswerte Maschine mit einem einfach wirkenden und einem doppeltwirkenden Viertaktkolben arbeitet im 4/3 Takt, sie erhält auf vier Kolbenhübe drei Antriebe; infolgedessen

4)

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1900 S. 332.