Text-Bild-Ansicht Band 316

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kommt der Motor mit einem nicht zu schweren Schwungrad aus. Nach diesem System beabsichtigt Letombe einen 500 PS-Motor zu bauen. Auffallend ist es, dass der doppeltwirkende Kolben nicht gekühlt ist; seine Betriebssicherheit steht daher nicht ganz ausser Frage. Betreffs der Regulierung dieses Motors ist zu bemerken, dass bei abnehmender Last zuerst die eine Seite des doppeltwirkenden Kolbens bis zum Aussetzen ausreguliert wird, worauf der Motor als Tandemmaschine läuft, dann die andere Seite, so dass sie schliesslich als einfacher Viertaktmotor arbeitet, wobei auf den doppeltwirkenden Kolben keine Arbeit mehr übertragen wird.

Textabbildung Bd. 316, S. 232

Duplex-Motor.

Dieser Viertaktmotor mit verlängerter Expansion hat seinen Namen von den doppeltwirkenden Kolben. Er ist in den Fig. 17 bis 19 dargestellt. Die Verlängerung der Expansion wird in ihm dadurch erreicht, dass die angesogene Gasmenge in zwei ungefähr gleiche Teile auf die beiden Kolbenseiten verteilt und beide Teile nacheinander zur Explosion gebracht werden. In dem Grundriss sieht man die beiden Einströmventile an den beiden Cylinderenden, das Ventil, welches den Eintritt des Gemisches regelt – im folgenden kurz Gemischventil genannt – in der Mitte, und etwas seitwärts davon das Gasventil. Sämtliche Ventile sind gesteuert und werden immer gleich bewegt. Die Regulierung erfolgt durch Aussetzer, indem bei zu raschem Gang die Gaszufuhr abgesperrt wird. Zwischen den beiden Einströmventilen und dem Gemischventil befindet sich eine geräumige Kammer. Das Auspuffventil liegt wagerecht und quer zur Cylinderachse, wie Fig. 19 zeigt.

Die Wirkungsweise der Einlassventile ist folgende: der Kolben saugt auf der einen Seite (auf der anderen findet währenddessen der Auspuff statt) eine ganze Cylinderfüllung an, worauf sich das Gemischventil und das Gasventil schliessen, während das Einströmventil offen bleibt. Im Augenblick der Kolbenumkehr wird auch das andere Einströmventil geöffnet, so dass beide Kolbenseiten miteinander in Verbindung stehen, und das Gemisch von der einen Kolbenseite nach der anderen hinübergeschoben werden kann. Der letztere Vorgang dauert etwa bis in die Mitte des Hubs. Das Gemisch ist dann ungefähr gleichmässig auf beide Cylinderseiten verteilt. Nunmehr schliesst dasjenige Einströmventil, gegen welches sich der Kolben hinbewegt. Es erfolgt auf dieser Seite die Verdichtung und sodann die bekannte Fortsetzung des Viertaktspiels, während auf der anderen Seite und in der Gemischkammer ein Niederdruck entsteht, der jedoch wegen der Grosse dieser letzteren unerheblich ist; derselbe verschwindet wieder, wenn der Kolben seine Bewegung umgekehrt hat. Hat das Gemisch auf dieser Seite wieder etwa atmosphärische Pressung angenommen, so schliesst auch das zweite Einströmventil und es folgen Verdichtung, Explosion, Expansion u.s.f. Die Diagramme beider Kolbenseiten zeigen die Fig. 20 und 21. Es sind der Höhe des Explosionsdrucks zufolge Vollbelastungsdiagramme. Die Diagramme geben zu einigen Bemerkungen Anlass: die Spannung am Ende der Expansion ist von ihrem Höchstwert 23 kg/qcm auf ½ kg/qcm Ueberdruck gesunken, eine Folge der weitgetriebenen Expansionsverlängerung. Die Auspuffgase entweichen daher mit verhältnismässig niederer Temperatur. Nimmt man das Anfangsvolumen der Verdichtung da an, wo sich die Verdichtungslinie über die atmosphärische