Text-Bild-Ansicht Band 316

Bild:
<< vorherige Seite

Linie erhebt, also im Punkt a (Fig. 20 und 21)5), so ergibt sich durch die Verlängerung der Expansion ein Gewinn von 20% auf der Schwungradseite, von 16% auf der Seite des Cylinderkopfs, bezogen auf diejenige indizierte Arbeit, welche ohne Verlängerung der Expansion erhalten würde (Diagrammfläche a b c d). Damit ist eine entsprechende Ersparnis an Gasverbrauch für 1 PSi verknüpft6). Andererseits sieht man, dass der mittlere indizierte Druck ohne Verlängerung der Expansion höher ist als mit Verlängerung; es ergibt sich durch Planimetrieren der beiden Diagramme der mittlere indizierte Druck

ohne
Verl. d. Exp.
mit
Verl. d. Exp.
auf der beite des Schwungrads 4,86 kg/qcm 3,46 kg/qcm
„ „ „ „ Cylinderkopfs 5,49 „ 3,75 „
im Mittel 5,2 „ 3,6 „
Textabbildung Bd. 316, S. 233
Textabbildung Bd. 316, S. 233

Liesse man den Duplex-Motor ohne Verlängerung der Expansion arbeiten, so könnte man diesen Zahlen zufolge den mittleren indizierten Druck von 3,6 auf 5,2 kg/qcm und damit die indizierte Leistung um das

, und endlich, da der mechanische Wirkungsgrad bei höherer Belastung günstiger wird, die effektive Leistung um einen noch etwas höheren Betrag steigern. Der Gasverbrauchfiele, da der Gewinn durch Verlängerung der Expansion wegfällt, höher aus.

Hieraus erkennt man, dass die Maschine mit verlängerter Expansion etwas sparsamer arbeitet, aber weniger leistungsfähig7) ist, und daher für gleiche Pferdestärkenzahl grösser und teurer ausfällt als diejenige ohne Expansionsverlängerung. Auch die Steuerung baut sich etwas weniger einfach. Wenn es weniger auf hohe Wärmeausnutzung ankommt, als auf Leistungsfähigkeit des Motors, also bei billigem Brennstoff und grossen Motoren, so kann auf die Verlängerung der Expansion verzichtet werden. Bei teueren Brennstoffen kann dagegen die Verlängerung der Expansion von Vorteil sein.

Champion-Motor.

In dem Champion-Motor von Galoin und Marc in Lille ist die Verlängerung der Expansion mittels eines gesteuerten Hilfsventils erreicht, welches sich seitwärts am Cylinder in der Mitte des Kolbenhubs befindet. In der ersten Hälfte des Saughubs saugt der Kolben Gemisch an; sobald er das Hilfsventil passiert hat, wird dieses von der Steuerung aufgestossen und die Gaszufuhr abgesperrt. Auf der zweiten Hälfte des Saughubs gelangt somit nur noch frische Luft in den Cylinder, von welcher die Konstrukteure dieses Motors behaupten, dass sie sich mit der vorher angesogenen Ladung nicht merklich vermenge. Beim Kolbenrückgang wird die Sekundärluft wieder ausgestossen, ohne dass nach der Versicherung der Konstrukteure Gas verloren geht. Das Hilfsventil schliesst, wenn der Kolben wieder an demselben vorbeigeht, worauf die Verdichtung und die bekannte Fortsetzung des Viertaktspiels folgt. Die Gase expandieren auf das Doppelte des Anfangsvolumens der Verdichtung. Der Motor wird durch Aussetzer reguliert. Man erhält nicht den Eindruck, als ob die Verlängerung der Expansion in dem Champion-Motor auf besonders zweckmässige Weise erreicht sei.

Textabbildung Bd. 316, S. 233

Hiermit verlassen wir die erste Gruppe der Motoren mit verlängerter Expansion. Der

Motor von Fritscher und Houdry

gehört zur zweiten Gruppe dieser Motoren, in denen die verlängerte Expansion lediglich als Folge der Regulierung auftritt. Das Eigenartige dieses Motors liegt somit in der Regelungsweise, welche in ihrem Grundgedanken sich mit der bekannten Körting'schen deckt, und nur konstruktiv von der letzteren verschieden ist. Das Regulierprinzip besteht darin, dass bei abnehmender Belastung eine kleinere Gemischmenge angesogen wird, indem man den frischen

5)

Dieser Punkt würde in der Mitte liegen, da das bei atmosphärischer Spannung angesogene Gemisch in zwei ungefähr gleiche Teile geteilt ist, wenn nicht infolge der Erwärmung des Gemisches durch die Verbrennungsrückstände und die heissen Wände des Verdichtungsraumes nach Schluss des Gemischventils eine kleine Drucksteigerung stattfände.

6)

An einem Körting'schen Leuchtgasmotor hat Prof. Meyer einen Gasverbrauch von 403 l von 5000 Kal./cbm für 1 PSi und Stunde festgestellt. Durch Verlängerung der Expansion, wie im vorliegenden Falle, würde sich der Gasverbrauch auf

bis
ermässigen.

7)

Was hier über die Leistungsfähigkeit der Motoren mit verlängerter Expansion gesagt ist, gilt für den Fall, dass man einen einfach- oder doppeltwirkenden Viertaktmotor ohne verlängerte Expansion in Vergleich setzt wiederum mit einem einfach- oder doppeltwirkenden Viertaktmotor mit verlängerter Expansion. Vergleicht man dagegen einen gewöhnlichen einfachwirkenden Viertaktmotor mit einem doppeltwirkenden Viertaktmotor mit verlängerter Expansion, so leistet der letztere (unter Zugrundelegung der obigen Zahlen) mehr, eben infolge der Doppelwirkung, keineswegs infolge, vielmehr trotz der verlängerten Expansion. Da man aber einen doppeltwirkenden Viertaktmotor ebensogut ohne als mit Verlängerung der Expansion arbeiten lassen kann, so muss man den Vergleich auf die zuerst angegebene Weise führen, wenn man das Eigenartige der Expansionsverlängerung hervortreten lassen will.