Text-Bild-Ansicht Band 316

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Gemischstrom drosselt. Wie Fritscher und Houdry diesen Gedanken durchgeführt haben, sieht man aus der Fig. 22. Das Einströmventil Z ist selbstthätig und wird durch die Ansaugedepression geöffnet. Luft kommt durch die Oeffnung H, Gas durch den Hahn M herbei. Luft und Gas gelangen durch das Gasventil F und das Gemischventil J in den Raum Y und von da durch das Einströmventil in den Cylinder. Gas und Gemischventil sitzen auf einer und derselben Stange X, ihr Hub ist daher gleich gross. Er wird der augenblicklichen Belastung entsprechend vom Regulator mittels des Keiles D eingestellt. Da das Verhältnis der Einströmquerschnitte für Luft und Gas unabhängig von der jeweiligen Stellung des Regulators ist, so bleibt die Zusammensetzung des Gemisches bei allen Belastungen dieselbe. Wie nach Beendigung des Ansaugens das Entweichen von Gas durch das Gasventil F, welches vom Regulator im allgemeinen offen gehalten wird, vermieden wird, ist aus der Fig. 22 nicht ersichtlich.

Textabbildung Bd. 316, S. 234

Verbundmotor von Roser-Mazurier.

Es ist leicht begreiflich, dass man schon frühe den Versuch gemacht hat, die Verbundwirkung, mit welcher bei der Dampfmaschine so grosse Erfolge hinsichtlich der Wärmeausnutzung erzielt worden sind, auch im Gasmotor einzuführen. Aber der Gewinn war nicht der erhoffte. Das Ergebnis der bisherigen Bestrebungen war, dass durch die Hinzufügung eines Expansionscylinders ein verhältnismässig grosser, wenig leistungsfähiger Motor mit grossen Reibungswiderständen und geringer Betriebssicherheit entstand, und dass die beabsichtigte Brennstoffersparnis sich nicht einstellte. Die Hauptschwierigkeiten stellen sich beim Ueberleiten der heissen Abgase des Hochdruckcylinders in den Niederdruckcylinder entgegen. Soll im Niederdruckcylinder noch eine nennenswerte Leistung entwickelt werden, so muss die Endspannung der Expansion im Hochdruckcylinder noch genügend gross sein; man hat es dann mit recht heissen Gasen beim Ueberströmen aus dem Hochdruck- in den Niederdruckcylinder zu thun; dabei dürften Temperaturen von 700 bis 1000° C. noch nicht zu den hohen zu zählen sein. Das Uebergangsventil wird durch diese Gase so sehr erhitzt, dass es ohne Kühlung nicht in Betrieb gehalten werden kann, und wenn man dieses Ventil durch einen Wasserstrom kühlt, so entzieht das Kühlwasser dem übertretenden Gasstrom, der ja im Niederdruckcylinder noch Arbeit leisten soll, so viel Arbeitsfähigkeit, dass die Niederdruckarbeit weit hinter der erhofften Grosse zurückbleibt, und die Reibungswiderstände der Niederdruckmaschine im Verhältnis zur thatsächlich erzielten Expansionsarbeit zu gross sind. Unter diesen Umständen ist es beachtenswert, dass sich eine Firma gefunden hat, welche den Versuch, einen Verbundmotor zu bauen, wieder aufnimmt. Die Konstruktion von Roser-Mazurier in St. Denis ist aus Fig. 23 ersichtlich. Vonden drei Cylindern A, A1 und C sind A und A1 die beiden im Viertakt arbeitenden Hochdruckcylinder, C der im Zweitakt arbeitende Niederdruckcylinder. Erstere sind wassergekühlt, der letztere nicht. Die Hochdruckkurbeln sind gleichgerichtet und gegen die Niederdruckkurbel um 90° versetzt (wenigstens in der Zeichnung). Die frische Ladung wird durch die Einströmventile c und c1 angesogen. Die Abgase des Hochdruckcylinders strömen durch das Ausströmventil dd1, durch den Verbindungskanal M und das Einlassventil kk1 des Niederdruckcylinders in den letzteren, aus welchem sie nach Beendigung der Expansion durch das Auspuffventil e ins Freie entweichen.

Textabbildung Bd. 316, S. 234

Bei einer horizontalen Maschine dieses Systems8) sind die Kurbeln für Hoch- und Niederdruckcylinder um 180° versetzt. Dieser Winkel ist zweckmässiger; eine einfache Ueberlegung zeigt, dass die Verbrennungsrückstände im Hochdruckcylinder im letzteren Fall eine niederere Spannung am Ende des Auspuff- bezw. Ueberströmhubes besitzen, als wenn der Kurbelwinkel 90° beträgt, wie in der Zeichnung Fig. 23 angegeben. Wenn nun die Verbrennungsrückstände zu Ende des Ueberströmhubes eine grosse Spannung besitzen, so verhindern sie zu Beginn des Ansaugehubes der frischen Ladung den Zutritt so lange, bis der zurückgehende Kolben die zum Ansaugen erforderliche Depression im Cylinder erzeugt hat. Es befindet sich unter diesen Umständen eine verhältnismässig grosse Menge heisser Verbrennungsrückstände im Hochdruckcylinder, welche die frische Ladung beim Ansaugen stark vorwärmen und das Gewicht der frischen Ladung vermindern. Hierdurch wird die Leistung des Motors beeinträchtigt; auch erscheinen Vorzündungen bei Berührung der frischen Ladung mit den heissen Verbrennungsrückständen nicht ausgeschlossen, wenn mit leicht entzündlichen Erdölgemischen gearbeitet wird. Diese Verhältnisse liegen bei einem Kurbelwinkel von 180° günstiger.

Auffallend an dem Verbundmotor von Roser-Mazurier ist, dass sich an ihm nichts finden lässt, was auf einen Versuch der Konstrukteure hindeuten würde, die oben angeführten Schwierigkeiten des Verbundsystems zu umgehen. Auffallend ist es ferner, dass Roser-Mazurier die Verbundanordnung gerade für einen Fahrzeugmotor gewählt hat, bei dem doch der Hauptzweck des Verbundsystems, Erzielung eines geringeren Brennstoffverbrauchs, ganz in den Hintergrund tritt8).

8)

Vgl. Güldner, Fahrzeugmotoren für flüssige Brennstoffe, S. 36.

8)

Vgl. Güldner, Fahrzeugmotoren für flüssige Brennstoffe, S. 36.