Text-Bild-Ansicht Band 316

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Textabbildung Bd. 316, S. 241

der belgischen Garden, sowie mehrerer deutscher, russischer, ungarischer und anderer durchwegs hervorragender Musikkapellen des Kontinentes gesichert. Ein riesiger, besteingerichteter Sportplatz für Radfahrer, für Hochlandsspiele, für Fussball, Scheibenwerfen, Turnen u.s.w. wird vorhanden sein, auf dem alle hervorragenden Sportgesellschaften Schottlands eigene Niederlassungen einrichten. Auch wird während der Ausstellung in der Clydemündung eine internationale Segeljachtregatta zur Austragung kommen, die in jeder Richtung grossartig werden soll.

„Wie 1888, nur noch besser,“ so lautet also der Wahlspruch der jetzigen Ausstellungsunternehmung, die in der That alle Anwartschaft besitzt, ihre Bestrebungen erfolgreich zum Ziele zu führen, da es ihr gelungen ist, M. A. Hedley als obersten Leiter und Sekretär zu gewinnen, welcher in gleicher Eigenschaft auch schon an der Spitze der vor dreizehn Jahren stattgehabten Ausstellung stand, die eben ihm in erster Linie ihre aussergewöhnlich günstigen Ergebnisse zu verdanken hatte. Damals erfolgte die Eröffnung der vollkommen fertigen Ausstellung genau an dem ursprünglich hierfür in Aussicht genommenen Tage und es steht zu gewärtigen, dass dieselbe Pünktlichkeit in der Fertigstellung auch diesmal eingehalten werden wird. Ebenso sicher rechnet man auf erträgnisreiche Einnahmen, obwohl die Zahl der Besucher bloss auf 6 Millionen Personen veranschlagt ist, was gegenüber der Pariser Ausstellung allerdings eine sehr bescheidene Ziffer darstellt. Im Jahre 1888 ergab sich bei dieser Besucherzahl der gewiss ganz ansehnliche Ueberschuss von 1080000 Mk., welcher durch Beiträge der Glasgower Bürgerschaft auf die Höhe von 2500000 Mk. gebracht und zur Errichtung eines Kunstmuseums in Glasgow verwendet wurde, für welches derselbe Betrag bereits zur Verfügung stand. Dieses mit dem Aufwände von 5 Millionen Mk. in spanischer Renaissance aus rotem Sandstein erbaute, reiche Kunstschätze enthaltende Museum wird nun gelegentlich der diesjährigen Ausstellung eröffnet und bildet zugleich den Hauptstock der übrigen Ausstellungsbauten, die sich rings um das Kunstmuseum anschliessen. Der Raum, den diese Bauwerke nebst den dazwischen liegenden oder sie umgebenden Gartenanlagen und Sportplätzen einnehmen, beläuft sich zusammengenommen auf beiläufig 175 ha und der Platz an sich hätte keine schönere Lage erhalten können als die, welche er an den Ufern des klassischen Kelvin1), genau gegenüber der Glasgower prächtigen Universität, einnimmt.

Als Bauleiter und zur Verfassung der Gebäudeentwürfe ist Architekt James Miller berufen worden, der einen erprobten Ruf besitzt und vor kurzem auch den Bau des königlichen Krankenhauses in Glasgow zugewiesen erhielt; für die Einzeldurchführungen und namentlich für die Konstruktionsberechnungen hat man demselben noch den Ingenieur Bonn, aus der Glasgower Firma Babtie und Bonn, beigegeben.

Die drei wichtigsten und ausgedehntesten Ausstellungsgebäude bedecken zusammen eine überbaute Fläche von 45500 qm; es gehören hierzu die Industriehalle mit 21600 qm Bodenfläche, dann eine breite Wandelbahn mit 6900 qm und endlich die Maschinenhalle nebst Kesselraum und Dynamohaus mit 17000 qm überbauter Bodenfläche. Von diesen Bauwerken bildet die Industriehalle gleichsam den Vordertrakt, die Maschinenhalle den Hintertrakt und die überdeckte Strasse oder Wandelbahn den Seitentrakt, durch welchen die beiden ersteren untereinander und mit einer zu den Bahnhöfen führenden Brücke verbunden werden. Darunter ist die in nebenstehender Figur dargestellte Industriehalle das grösste und auch äusserlich am sorgfältigsten durchgeführte Gebäude; dasselbe liegt mit seiner linken Stirnseite dem mehrfach genannten Kunstmuseum und mit der vorderen Längsfront dem Kelvingrovepark, bezw. der Glasgower Universität gegenüber; ihre letztgedachte Hauptfront (s. Figur) besitzt 210 m Länge und die Tiefe des Gebäudes beträgt 108 m. In der Längsmitte der in Uebereinstimmung mit dem Kunstmuseum gleichfalls in spanischer Renaissance gehaltenen Industriehalle erhebt sich eine 40,5 m hohe, von einer schlanken Laterne abgekrönte Kuppel, welche zu oberst eine „das Licht“ darstellende Figur trägt, deren Scheitel fast genau 60 m über dem Fussboden liegt. Die Kuppel ist zwischen vier viereckigen, samt ihren Campanilen 54 m hohen Flankentürmen eingebaut, zwischen denen am Anlaufe der Kalotte, d. i. 30 m über dem Fussboden, nach allen vier Seiten des von den Türmen gebildeten Quadrates sich eine im Mittel 7,5 m breite Galerie erstreckt, die nach aussen breite, offene Loggien bildet und interessante Fernsichten gewährt. Ein 10,5 m breiter, dreithoriger Haupfeingang, mit einem in Giebelform ausgeführten, 19,5 m hohen, reichgezierten Portikus überbaut, liegt genau in der mit der Mittelachse der Gebäudefront zusammenfallenden Achse der Kuppel. Die rechts und links an den Stirnseiten der Industriehalle befindlichen Eingangsthore sind minder reich geziert, aber

1)

In der Nähe zieht über diesen Fluss der technisch hochinteressante 82,5 m lange Kelvin-Aquädukt des die Nordsee mit dem Atlantischen Ozean verbindenden Forth- and Clyde-Canals hinweg, in einer Höhe von 5,17 m über der Landsohle, d. s. 25,5 m über dem Meere.

Anmerkung der Redaktion.