Text-Bild-Ansicht Band 316

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in der Hauptanlage dem vorgedachten Prachtthor nachgebildet. Der die drei Thore des Einganges gemeinsam überspannende, halbkreisförmige Bogen hat 6 m über dem Fussboden seinen Anlauf und besitzt einen Halbmesser von 7,5 m. Der Bogen wird flankiert von zwei Pylonen oder vielmehr schlanken Türmen, deren architektonische Verhältnisse als ganz besonders gelungen gelten dürfen. Von diesen Pylonen läuft rechts wie links ein gedeckter Loggiengang bis zu den Ecken des Gebäudes, die gleichfalls von viereckigen, aber breiteren, gedrungenen Türmen gebildet sind, welche statt Campanilen halbkugelförmige Abdeckungen tragen. Im Innern besteht die Industriehalle aus drei Längsschiffen, welche der ganzen 210 m betragenden Hauptausdehnung der Halle entlang gleichmässig ausgeführt sind, mit Ausnahme des Mittelschiffes, das im Längsmittel des Gebäudes durch die Tragpfeiler der weiter oben erwähnten Kuppel und durch die vier eingebauten Türme eine Unterbrechung erfährt. Die von 12 zu 12 m angebrachten, auf gussstählernen Untergestellen in Gelenken ruhenden Hauptgesperre des Mittelschiffes der Industriehalle sind aus Stahlblechträgern und haben einen Untergurtbogen von 31 m. Spannweite und 15 m Bogenpfeilhöhe; das von ihnen mittels Pfetten aus gitterförmigen, stählernen Blechträgern und ebensolchen Sparren getragene Satteldach, dessen First 18 m über dem Fussboden liegt, ist zu vier Sechstel mit Glas und zu zwei Sechstel mit geriffeltem Eisenblech eingedeckt. Die beiden Seitenschiffe der Halle mit kaum geringerer Spannweite, aber mit wesentlich geringerer Höhe und leichterem Dache haben Hauptgesperre, welche lediglich aus Holzbalken in der Form amerikanischer Gitterträger ausgeführt sind, die einerseits auf den stählernen Bogenpfeilern des Mittelschiffes, andererseits auf der Vorder- bezw. Rückwand der Halle ruhen. Auch die übrigen Konstruktionsteile und namentlich die Pfetten und Sparren der Nebenschiffdächer sind nur von Holz in Verbindung mit Gusseisenschuhen, Schliessen und Sprengwerken von Schmiedeisen. Zur entsprechenden Lüftung sind in allen drei Schiffen entlang den Dachfirsten und an den Anläufen der Wiegen, bezw. an den Dachsäumen reihenweise Klappfenster angebracht.

Die das Zentrum des Gebäudes bildende Kuppel sollte nach dem ursprünglichen Plane gleich dem Mittelschiffe der Halle ganz aus Stahlblech ausgeführt werden, da es aber wegen Arbeitsüberhäufung der Stahlwerke, welche für den Bezug des Rohmaterials in Betracht gezogen werden konnten, fraglich erschien, ob wohl die gebotenen Lieferungsfristen sich einhalten liessen, hatte man sich im letzten Augenblicke noch entschlossen, das gesamte Gerippe und alle Zwischenkonstruktionen aus Holz mit Schliessen aus Rundeisen und Streben aus Stahlblech herzustellen, wodurch wieder eine ganz eigentümliche Bauweise illustriert erscheint. Für die eine Höhe von 18 m besitzenden acht Stützpfeiler der Kuppel sind Hölzer von 300/300 mm Querschnitt benutzt, die am Fusse in Gussstahlschuhen auf besonderem Grundmauerwerk stehen und untereinander durch wagerechte, untersprengte Bohlen versteift werden; sie sind ferner durch eine zweite zurückstehende Reihe Tragpfeiler aus Stahlblech verstärkt, welche sowohl mit der Konstruktion des anstossenden Mittelschiffes, als mit dem Mauerwerke und dem Gerippe der vier Flankentürme der Kuppel innig verbunden, eine gemeinsame Plattform tragen, von der erst die eigentlichen Kuppeigesperre, 16 an der Zahl, ausgehen. Letztere sind aus Holzbohlen hergestellt und oben durch einen stählernen Kranz abgeschlossen, auf dem die Eingangs erwähnte, gleichfalls aus Holz konstruierte Laterne sich erhebt. Zur Verbindung der Kuppeigesperre dienen Windspreizen und Pfetten aus Bohlen, die innen wie aussen durch zwei übers Kreuz geschichtete Lagen von 2 cm starken Brettern verschalt und dann aussen noch mit Blech und innen mit Leinwand und Gips überkleidet sind.

Die Maschinenhalle liegt über 300 m weiter zurück, vor einem ausgedehnten Genuss- und Sportplatz, mit einer Stirnfront der nach Dumbarton führenden Landstrasse zugekehrt; sie besitzt eine Länge von 150 m und eine Breite von 96 m mit einem 34,15 m breiten Mittelschiff, an das sich rechts und links, vom Hauptschiffe durch einen 2,5 m breiten Gang getrennt, je zwei 14,2 m breite Nebenschiffe anschliessen. Das Dach des Mittelschiffes wird durch elliptische Stahlblechgesperre getragen, die sich in Abständen von 12 m folgen und auf doppelten, 2,5 mvoneinander stehenden, ebenfalls aus Stahlblech gitterförmig hergestellten Stützpfeilern ruhen, die in der Breiten- wie Längsrichtung untereinander durch elliptische Gitterblechträger verbunden sind und in der Höhe von 3,6 m oberhalb des Fussbodens eine, nach der ganzen Länge der Halle verlaufende, 4,8 m breite Galerie tragen. Beide auf diese Weise unter den Dachwiegen des Mittelschiffes und des nächstanstossenden Nebenschiffes gewonnenen langgestreckten Räume, die an mehreren Stellen mit dem Erdgeschoss durch Treppen in Verbindung stehen, werden gleichfalls zur Unterbringung ausgestellter Maschinen Verwendung finden. Die Decken der Nebenschiffe werden von pyramidenförmig sich abschwächenden Stahlblechsäulen gestützt, die gegenseitig durch Kastenträger verbunden sind, an und in welchen die gesamten Kraft- und Beleuchtungskabel, sowie Dampfleitungen u.s.w. ihren Platz erhalten sollen. Die Dachgesperre sind im wesentlichen aus Holz, verstärkt durch Stahlblechverspreizungen und Sprengwerke aus Rundeisen. In allen fünf Schiffen der Maschinenhalle gleicht die Eindeckung aus Glas und gerilltem Eisenblech ganz der in der Industriehalle angewendeten. Durch eine beiläufig 35 m lange, in gleichbleibender Ausführung hergestellte Fortsetzung der beiden Nebenschiffe an der südöstlichen Ecke der Maschinenhalle wird der Dynamosaal gewonnen, während das 61,2 m lange und 21,0 m breite Kesselhaus an der Westseite frei angebaut ist, und mit den mechanischen Kohlenrampen 1328 qm Raum einnimmt.

Gegenüber der Maschinenhalle befinden sich – jenseits der nach Dumbarton führenden Landstrasse – die Anhaltestationen mehrerer der in Glasgow mündenden Eisenbahnen, weshalb hier über die Strasse für die Ausstellungsbesucher eine besondere, 12 m breite, dreifelderige Uebergangsbrücke hergestellt wurde, deren Mittelfeld die freie Spannweite von 19,5 m besitzt. Der Rost dieses Brückenfeldes ruht auf drei parallelen Cantilever-Trägern, die auf gusseisernen, mit Fusskreuzen in den Boden eingelassenen Säulen getragen werden. Zur Verbindung dieser Brücke mit der Maschinenhalle einerseits und der Industriehalle andererseits dient die mehrfach bereits erwähnte Wandelbahn, die eben auch nichts weiter ist, als eine einschiffige, 22,5 m breite, 300 m lange, teils mit Glas, teils mit geripptem Eisenblech gedeckte, aus Holz ausgeführte Halle. Die das Dach tragenden, 4,5 m voneinander befindlichen Hauptgesperre sind halbkreisförmige Bohlenbögen; der First des darauf ruhenden Satteldaches liegt 12 m über dem Fussboden.

Unter den zahlreichen anderweitigen, weniger ausgedehnten Bauwerken, welche von der Ausstellungsuntemehmung ausgeführt werden, verdient noch eine Konzerthalle besondere Erwähnung, insofern dieselbe in der Form einer geschlossenen Rotunde von 43 m Durchmesser sowohl architektonisch als konstruktiv sehr interessant ausgeführt ist. Das Gerippe dieses Baues besteht lediglich aus einem Stahlträgergerüste, das durch ein engmaschiges Netz von Spreizen und Schliessen zu einem Ganzen verbunden ist, dessen innere wie äussere Wandflächen durch Holzfüllungen und Gipsüberzüge voll und glatt gemacht sind. Im Inneren wird die Konzerthalle mittels reicher Ornamente aus Stuck und durch Malereien im venetianischen Stil prachtvoll ausgeschmückt sein, während das Aeussere einen lebhaften Farbenschmuck und eine reiche Vergoldung der Kuppel erhalten soll.

Von den 14 Staaten und Ländern, welche die Glasgower Ausstellung zu beschicken beabsichtigen, hat Russland, abgesehen von Grossbritannien, die bedeutendste Beteiligung in Aussicht genommen und wurden von der russischen Regierung für diesen Zweck 600000 Mk. bewilligt; es sind denn auch soeben 160 Arbeiter daran thätig, für die Unterbringung der russischen Erzeugnisse des Ackerbaues, der Forstwirtschaft und des Bergbaues vier besondere Pavillons zu errichten. Nächst Russland nimmt Frankreich die grösste Bodenfläche in Anspruch und sollen in dieser Abteilung mehr denn 400 Ausstellungsgegenstände wieder vorgeführt werden, die bereits in Paris hervorragendes Aufsehen erregt haben. Canada wird für seine Erzeugnisse gleichfalls einen eigenen Pavillon erbauen und ganz besonders interessant werden sich die Ausstellungsabteilungen von Rhodesia und der australischen Kolonien erweisen. Für die Maschinenhalle aber dürfen die meisten Neuigkeiten aus Nordamerika gewärtigt werden.

Kleinere Mitteilungen.

Die Wasserrohrkessel Typ Belleville der Kriegsflotte Englands.

Im englischen Parlament hat der Parlamentssekretär der Admiralität sich über die Belleville-Wasserrohrkessel abfällig geaussert, und diese Aeusserung ist dann in die deutsche Presseübergegangen. Wie häufig bei solchen Dingen, ist die ganze Angelegenheit entstellt und aufgebauscht worden und hat dann eine Form angenommen, welche den Thatsachen nicht entfernt entspricht. Die Tagespresse hat zum Teil kurz und bündig die Belleville-Kessel als gefährlich, zu viel Kohlen brauchend und den Erwartungen nicht entsprechend hingestellt, also als Fehlkonstruktion