Text-Bild-Ansicht Band 316

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Vincennes die dortigen leichten und eleganten, zum Teil recht hoch aufgebauten Windräder weithin bemerklich machten, und in wirksamem Kontrast zu der viel besungenen alten Windmühle von La Galette, deren nahezu 10 m lange, fragmentarische Flügelarme vom höchsten Punkte des Montmartre herübergrüssten, von den Fortschritten der Technik auch auf diesem Gebiete mit beredter Sprache zeugten.

Textabbildung Bd. 316, S. 247

Die heutzutage noch im Vordergrunde stehende Verwendung zum Betriebe von Pumpen zeigten die zahlreichen am Lac Daumesnil aufgestellten Windmotoren. Hier fiel durch seinen grünen Anstrich der eiserne Turm des Windmotors von Duke and Akenden, London, System Dando, auf, mit Profillinien, wie sie vom Eiffel-Turm her bekannt sind, welche aber mit der Bekrönung durch ein Windrad nichts weniger als ästhetisch wirken. Die Schaufelung des Rades zeigte nicht sehr zahlreiche, flach gekrümmte Blechschaufeln.

Von ähnlicher Konstruktion war der amerikanische Windmotor „Toronto“, der auf einem verzinkten Eisengerüst montiert war, welches aus einiger Entfernung den Eindruck vollkommener Filigranarbeit machte. Es drängte sich sofort die Frage auf, ob ein so schwacher Turm dem sich bei einigermassen heftigem Winde äussern-den Drucke widerstehen könne. Die Winkeleisen der Eckpfosten besassen noch nicht 4 mm Eisenstärke. Recht zweckmässig war die Art der Befestigung der Diagonalversteifung an den Eckpfosten (Fig. 1). Die Diagonalen bestanden aus 5 mm starken Drähten, deren verdickte Köpfe von den Klemmen k festgehalten wurden. Während das die Klemmen tragende Eckstück o eines oberen Fachwerkes auf dem Eckpfosten aufgenietet war, war das Eckstück u des nächst unten gelegenen Faches frei auf dem Winkeleisen verschiebbar, so dass mittels der Schraube s die Diagonalen dieses Faches beliebig nachgespannt werden konnten.

Eine beachtenswerte Neuerung bot die Windturbine Eolienne (Fig. 2) von E. Lebert in Le Mans, ein nach dem Prinzip der achsial beaufschlagten Wasserturbinen gebauter Motor. Der Luftstrom wird in einer kurzen Trichterform (auf beistehender Abbildung nicht enthalten) etwas gefasst und nach verhältnismässig geringer Ablenkung durch die Schaufeln des Leitrades dem Laufrade zugeführt. Der Motor wird von einem ungemein starken, fast plumpen Eisengerüst aufgenommen und überträgt seine Bewegungdurch eine von Kegelrädern angetriebene vertikale Welle. Zur Einstellung in den Wind besitzt der Motor eine Windrose w, wie sie von den Holländermühlen her bekannt ist. Gegenüber der Orientierung durch eine Windfahne bietet diese Methode den Vorteil, dass das ewige unstäte Hin-und Herschwanken des Windrades vermieden ist. Ausserdem erfolgt die Uebertragung der Windrosenbewegung auf den mit Stirnverzahnung versehenen Drehtisch d unter einem so grossen Uebersetzungsverhältnis, dass die von dem konischen Getriebe herrührende rückwirkende Kraft ohne Einfluss auf die Einstellung des Drehtisches bleibt. Die sonst bei Windrädern beobachtete Regel, mindestens ⅓ der Radfläche für den freien Durchzug des Windes offen zu lassen, ist bei dieser Konstruktion nicht eingehalten. Der Umstand, dass Lauf- und Leitrad, selbst wenn sie völlig aus dem Winde herausgedreht sind, diesem doch noch eine ganz erhebliche Angriffsfläche bieten, macht die Eolienne für sturmreiche Gegenden nicht recht geeignet. Dagegen spricht die ökonomische Art der Ausnutzung der Windkraft für die Anwendung dieser Turbine in Gegenden geringer mittlerer Windgeschwindigkeit. Der Preis eines solchen Motors (ohne Turm) stellt sich auf 2500 Frs. bei 5 m Raddurchmesser und seine Leistung in gehobenem Wasser zu 4200 l in der Stunde bei 20 m Hubhöhe, was einer Leistung von etwa 0,3 PS entspricht. Dabei sind 6 m Windgeschwindigkeit vorausgesetzt.

Textabbildung Bd. 316, S. 247

Wohl das grösste der ausgestellten Windräder war das aus Holzleisten gebildete Rad von Vidal Beaume in Boulogne s. S. (Fig. 3). Die automatische Regulierung ist diejenige des Eklipsesystems mit seitlich gestelltem kleinem Regulierflügel r. Bei wachsender Windstärke bewirkt der Druck auf diesen Regulierflügel ein Herausdrehen des Windrades aus der Windrichtung, während die grosse Windfahne f in derselben verbleibt. Durch das Gewicht g wird das Windrad bei abflauendem Wind in seine alte Stellung zurückgedreht. Diese Einrichtung, wie auch die Einzelheiten der Konstruktion weichen jedoch in nichts von der herkömmlichen, längst bekannten Form ab (vgl. Karmarsch und Heerens, Technisches Wörterbuchf Bd. 10).