Text-Bild-Ansicht Band 316

Bild:
<< vorherige Seite

die Angaben obigen Prospektes auf ⅕ reduziert werden, wenn sie mit den thatsächlich zu erwartenden Verhältnissen im Einklang stehen sollen.

Textabbildung Bd. 316, S. 249
Textabbildung Bd. 316, S. 249

Die Freeport-Windmühle (Fig. 9), welche von derselben Firma gebaut wird, zeigt eine Konstruktion, welche in Anbetracht des für die Wartung von Windmühlen im allgemeinen zur Verfügung stehenden ungeschulten Personals etwas zu kompliziert erscheinen will. Die Triebwellen aus kalt gewalztem Stahl sind in zweiteiligen Babbitt-Metallbüchsen, von denen die längste 180 mm lang ist, gelagert, und können leicht ausgehoben werden. Das Getriebe besitzt äussere Stirnverzahnung mit 45 mm Zahnbreite (immer ein Rad von 9 Fuss Durchmesser vorausgesetzt). Der auf der Radwelle befindliche Triebling t zeigt die Eigentümlichkeit, dass er nicht wie sonst an dem dem Windrade entgegengesetzten Wellenende sitzt, sondern, mit der Radnabe u ein Stück bildend, auf der Windseite hydraulisch aufgezogen wird. An Stelle der Geradführung des Pumpengestänges mittels Querhaupt q (Fig. 5), wie dies bei der Idealwindmühle der Fall ist, findet bei vorliegender Konstruktion die Uebertragung der Kurbelstangenbewegung auf das Gestänge durch eine etwa 200 mm ausladende Schwinge y statt. Die am Spider befindliche Bandbremse bleibt bei der automatischen Regulierung offen und wird nur bei Ausserbetriebsetzung der Maschine durch denWärter bethätigt. Aus der Abbildung unmittelbar ersichtlich ist die Anordnung der Regulatorfeder f und deren Verbindung mit der Windfahne, ebenso die Anbringung eines Stossbuffers s unter dem Ausleger der Windfahne zur Abschwächung der Stösse zwischen dieser und dem Mühlenhaupt.

Von den von der Stover Company ausserdem für grössere Kraftleistun gen gebauten stärkeren Motoren verdient noch die Jünior-Kraftwindmühle (Fig. 10) besondere Beachtung. Die Einstellung in den Wind wird hierbei weder durch eine Windfahne, noch durch eine Windrose, sondern dadurch bewirkt, dass das Windrad hinter dem unterstützenden Gerüste rotiert, und so sich dem Winde selbstthätig darbietet. Die Ausbalanzierung des Radgewichtes erfolgt durch ein dem Winde entgegengehaltenes kugelförmiges Gegengewicht. Das bei den vorigen Konstruktionen beobachtete Regulierverfahren nach dem Eklipsesystem mit exzentrischer Anordnung, welche eine Konstanthaltüng der vom Motor zu leistenden Arbeit bezweckt, ist hier durch eine Regulierung mit Zentrifugalkraft zur Erhaltung konstanter Geschwindigkeit ersetzt. Dieses Regulierverfahren, bei welchem geringere Massen bewegt werden, arbeitet pünktlicher und weniger stossweise.

Textabbildung Bd. 316, S. 249
Textabbildung Bd. 316, S. 249

Ein näheres Eingehen verdient ferner der von der Aermotor Company, Chicago (in Deutschland vertreten durch Gebr. Koch in Halle a. S.), ausgeführte Windmotor. Die Flügel des Windrades bestehen wieder aus flachgekrümmten Stahlblechen, die je zu zweien samt ihren Nietlöchern aus der vollen Blechtafel ausgestanzt werden. Ueberhaupt lässt sich erkennen, dass die Verwendung ganz metallener Windräder mehr und mehr in Aufnahme kommt. Bei solider Verzinkung sind solche Räder mindestens ebenso witterungsbeständig wie hölzerne, wobei ihre dünnen Flügellamellen nicht in dem Masse wie die hölzernen Brettchen bei deren verhältnismässigen Dicke gewisse Oberflächenteile besitzen, auf welche der Winddruck eine der Raddrehung entgegengesetzte Kraftkomponente absetzt (Fig. 11). In solider Weise findet die Verbindung der Blechschaufeln mit dem äusseren Radreifen durch die Blechklemmen k (Fig. 12) statt1). Das Prinzip der automatischen Regulierung ist wieder das des Eklipsesystems, wobei ein zunehmender Wind druck das exzentrisch zur Turmachse gelagerte Rad mehr oder weniger aus dem Winde herausdreht und dabei die Spannkraft der Spiralfeder f (Fig. 13) überwindet. Das Hauptlager des Windrades befindet sich in einer Oelkammer o (Fig. 14), in der sich auch die den horizontalen Winddruck aufnehmenden bronzenen und stählernen Spurscheibchen s befinden. Neu ist die Ausbildung des Lagers zum Rollenlager. Eine die Welle umschliessende käfigartige Hülse h dient zur Aufnahme der Rollen, welche in ihr absolut parallel zur Welle geführt sein müssen. Am Ende dieser Welle sitzt ein kleines Stirnrad s (Fig. 13 und 15), das bei dem recht bedeutenden Uebersetzungsverhältnis von 3½ : 1 mit einem zur Kurbelscheibe ausgebildeten Zahnrad z im Eingriff steht.

1)

Welche vermöge ihrer Form einem Verbiegen der Schaufeln entgegenwirken.