Text-Bild-Ansicht Band 316

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Pressluft durch p (Fig. 5) über r3 (Fig. 7), e3, e4 und r4 ins Freie entweicht, infolge dieser geänderten Röhrenverbindung vollzieht sich also die selbstthätige Bremsung des Zuges, welche solange andauert, als sich die Fahrgeschwindigkeit nicht wieder so weit verringert, dass das Kolbensystem in b2 genügend nach abwärts geht, um den normalen Weg der Pressluft wieder herzustellen. Die Auslösestellung des Bremswechsels wird natürlich von vorhinein der erlaubten grössten Fahrgeschwindigkeit angemessen eingestellt, und ebenso selbstverständlich ist es, dass in der Auslösestellung ebensowenig wie bei der Ruhestellung eine einseitige Beeinflussung des Kolbensystems durch die bei r2 (Fig. 7) eindringende Pressluft erfolgen kann, weil die letztere ihren Druck auf e3 genau so nach aufwärts wie auf e2 nach abwärts ausübt. Alle Teile des Bremswechsels sind hinsichtlich ihrer Abmessungen auf Grund zahlloser vorausgegangener Versuche derart gewählt und festgestellt, dass spätere Nachregulierungen unnötig werden; nur für eine etwaige Berichtigung der Federspannung im Cylinder b1 ist Vorsorge getroffen, insofern die aus einer Schraubenmutter gebildete Führungshülse m, gegen deren abgesetzten Hals sich die Feder f stemmt, an ihrem oberen Ende m1 die Form eines Vierkantes besitzt, wo zum Nachziehen oder Lüften ein Schraubenschlüssel aufgesteckt werden kann. Dass übrigens ganz dieselben Vorrichtungen mit nur geringfügigen Abänderungen der Röhrenanschlüsse auch für Vakuumbremsen ausgenutzt werden können, lässt sich ohne weiteres ersehen.

Bei der französischen Südbahn thun die geschilderten Apparate ihren Dienst teils ohne, teils mit Registriervorrichtungen, welch letztere entweder bloss festzustellen haben, wann, wo und wie oft eine selbständige Auslösung des Bremswechsels wegen Ueberschreitung der erlaubten Fahrgeschwindigkeit während einer Zugsfahrt erfolgt ist, oder die ausserdem fortlaufend die jeweilige Fahrgeschwindigkeit der Lokomotive mittels eines Zeigerwerkes anzeigenund zugleich auf einem Papierstreifen niederschreiben. In beiden Fällen besteht die Registriervorrichtung aus einem auf dem Verschlussstück v (Fig. 7) sitzenden Blechgehäuse, in welchem durch eine regulierte Uhr ein senkrecht gestellter Papierstreifen in horizontaler Richtung von einer Rolle ab- und auf eine zweite Rolle aufgewickelt wird. Ein an der Kolbenstange a2 festgeschraubtes, durch v nach aufwärts geführtes Stäbchen endigt als rechtwinkelig abgehender Arm, der gegen einen stählernen Stift stösst, sobald a2 so hoch gehoben wurde, dass eine der vorhin geschilderten Bremswechselauslösungen stattfindet. Der besagte Stahlstift drückt in diesem Falle eine Marke in den mit vorgedruckten Zeit- und Streckenlinien versehenen Papierstreifen. Sollen mit dem Registrierer auch die zweitgenannten Anordnungen verbunden sein, dann geht eine mit dem Kolben k verbundene, zweite Stange senkrecht nach aufwärts bis in das Innere des Blechkastens, welche ausserhalb des Cylinders b1 zur Sicherung gegen fremde Einwirkungen von einer Schutzröhre umgeben ist. Das obere Ende dieser Stahlstange trägt den federnden Schreibstift, der sich gegen die Mantelfläche der Papiertrommel lehnt. Die Ordinaten der von diesem Stifte auf dem Papierstreifen verzeichneten Kurve geben natürlich das Mass der Fahrgeschwindigkeit. Die eben erwähnte, von k kommende Schreibstange wirkt innerhalb des Registriergehäuses auch noch auf eine gabelförmige Speiche, an deren Drehzapfen, ausserhalb der Kastenwand, ein Zeiger steckt, welcher hier unter dem Schütze einer Verglasung vor einem Gradbogen sich bewegt, auf dem die der Teilung entsprechenden Fahrgeschwindigkeiten in Stundenkilometern angeschrieben stehen, so dass der Lokomotivführer jederzeit in der Lage ist, sich über die jeweilige Geschwindigkeit Kenntnis zu verschaffen. Ueber die Anschaffungs- und Instandhaltungskosten dieser Einrichtungen sind unseres Wissens seitens der französischen Südbahn zur Zeit bestimmte Angaben noch nicht veröffentlicht.

Kleinere Mitteilungen.

Das Ewald Rasch'sche neue Verfahren zur Erzeugung von elektrischem Licht1).

Nach allen bisherigen Erfahrungen und namentlich auch nach den wissenschaftlichen Feststellungen seitens hervorragender Fachgelehrter erscheint es ausser Frage gestellt, dass für Glühlampen jeder Art die Möglichkeit einer Lichtgewinnung mit ausserstem wirtschaftlichen Erfolg zuförderst an die Vorbedingung gebunden ist, die leuchtenden Körper bei den höchst möglichen Temperaturen strahlen zu lassen. Geleitet von diesem Grundsatze und unterstützt durch das überraschende, wertvolle Ergebnis eigener Versuche, laut welchem sich auch Leiter II. Klasse als Lichtbogenelektroden geeignet erweisen, wenn sie hierfür entsprechend vorgewärmt werden, baute Ewald Rasch zur Erzeugung elektrischen Lichtes ein neues Verfahren auf, welches durch D. R. P. Nr. 117 214 vom 18. März 1899 geschützt ist und im wesentlichen darin besteht, dass zwischen feuerbeständigen Stoffen, wie Magnesia, Kalk, Thonoxyd, Zirkonoxyd u.s.w. ein selbständiger Lichtbogen hergestellt wird.

Hinsichtlich seines physikalischen Verhaltens zeigt ein solcher Lichtbogen gegenüber dem Kohlenlichtbogen einen scharf ausgeprägten Unterschied schon insofern, als bei ihm die Energiedichte zwischen den Elektroden 30 bis 40 oder noch mehr Watt pro Quadratmillimeter leuchtender Fläche erreichen kann, in welchen Fällen also die daselbst vorhandenen Temperaturen zu den höchsten gehören, welche sich überhaupt mit den uns bekannten und zur Verfügung stehenden Mitteln und Stoffen erzeugen lassen. Nach dem eingangs hervorgehobenen Gesetze bringt es also dieses Temperaturmaximum naturgemäss mit sich, dass der Nutzeffekt des zwischen festen, feuerbeständigen Stoffen erzeugten Lichtbogens grösser sein muss, als bei allen anderen bisherigen Beleuchtungsmethoden; eine Thatsache, die denn auch durch das Experiment und die Praxis voll erwiesen wird. Der in Rede stehende Lichtbogen zeichnet sich aber auch dadurch aus, dass sein Spektrum überwiegend lichtwirksame,gelbgrüne und nur wenig ultrarote, unwirksame Strahlen aufweist; es ist dies ein Vorzug, der von keinem Glühlichte bisher auch nur annähernd erreicht wurde. Ein beispielsweise zwischen Magnesiaelektroden oder Zirkonelektroden hergestellter Lichtbogen liefert ein Licht, das an Helle und Weisse dem Sonnenlicht ganz nahe kommt und das Ziel bereits als erreicht ansehen lässt, dessen Erfüllung Jessler unlängst in den amerikanischen Blättern in Aussicht stellte. Durch die Wahl des Materials für die Elektroden ist es ausserdem ganz gut und leicht möglich, dem Lichte, etwa behufs künstlerischer Anpassung an die Umgebung, bestimmte Farbenabtönungen zu erteilen.

Nach den vom Erfinder durchgeführten Laboratoriumsversuchen stellt sich die normale Lichtausbeute bei dem Elektrolytbogenlicht pro Watt Stromverbrauch auf 3 bis 4 Hefner-Kerzen, während sie bei gewöhnlichem Gleichstrombogenlicht nur 2,00, bei Wechelstrombogenlicht 1,25, bei Nernst-Licht 0,66 und bei gewöhnlichen elektrischen Glühlampen gar nur 0,29 Hefner-Kerzen beträgt. Umgekehrt beläuft sich der Stromverbrauch pro Hefner-Kerze für das Elektrolytbogenlicht bloss auf 0,25 bis 0,3 Watt, wogegen er sich für Gleichstrombogenlicht mit 0,5, für Wechselstrombogenlicht mit 0,8, für Nernst-Licht mit 1,5 bis 1,6 und bei elektrischen Glühlampen auf 3,0 bis 4,0 Watt beziffert. Danach zeigt sich das Rasch-Licht beiläufig doppelt so günstig als Kohlenbogenlicht, etwa 5- bis 6mal günstiger als Nernst-Licht und 12mal günstiger als gewöhnliche elektrische Glühlampen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist es ferner, dass die feuerfesten Elektroden doch nur äusserst langsam abgenutzt werden, nur sehr geringe Abmessungen zu haben brauchen, und an sich billig zu beschaffen sind. Der Erfinder ist daher überzeugt, sein neues Licht werde sich trotz der derzeitigen, noch hohen Strompreise bedeutend billiger herausstellen als Auer'sches Gaslicht.

Die schon oben angeführten Ziffern über Lichtausbeute und Stromverbrauch für das Elektrolytbogenlicht sind übrigens in-soferne abfällig beeinflusst, als bei den betreffenden Feststellungen lediglich Wechselströme zur Benutzung kamen, obwohl sich bei Verwendung von Gleichstrom – wahrscheinlich ebenso, wie dies bei gewöhnlichem Kohlenbogenlicht der Fall ist – günstigere Ergebnisse herausgestellt haben würden. Sie beziehen sich auch

1)

Vergl. „Ein neues Verfahren zur Erzeugung von elektrischem Licht“ von Ewald Rasch, Potsdam. Sonderabdruck aus der Elektrotechnischen Zeitschrift 1901, Heft 7.