Text-Bild-Ansicht Band 316

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11. Mit Rücksicht auf die in Punkt 9 erwähnten Missstände hätte es vor allen Dingen einer weit besseren Unterweisung des Maschinenraumstabes hinsichtlich der Eigenart der Belleville-Kessel bedurft, als sich im Laufe der Feststellung gegenüber dem Ausschuss ergeben hat.

12. Angesichts der schnellen Zerstörung der Vorwärmerrohre auf mehreren Schiffen hat es der Ausschuss ernstlich in Erwägung gezogen, ob nicht die Mehrleistung für 1 t Kesselgewicht, welche durch die Vorwärme bei verstärktem Betriebe erzielt werde, im grossen ganzen zu teuer erkauft sei. Nach angestellten Erhebungen haben nämlich die Kessel der Powerful-Gattung ohne Vorwärmer gerade so günstig gearbeitet als diejenigen der Gattung mit Vorwärmern. Dabei ist erstere leichter verständlich in der Anordnung und fast frei von der Gefahr der Rohrzerstörung, welche sich schon wiederholt, so namentlich auf der „Europa“, als verhängnisvoll erwies.

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Soweit durchführbar, empfiehlt daher der Ausschuss für die neuen Schiffe die Rückkehr zur älteren Anordnung ohne Vorwärmer, Vergrösserung des Verbrennungsraums durch Höherheben der Rohrglieder4) und Vergrösserung des Dampfsammlers, der vor allem im Inneren begehbar sein müsste.

13. Die Frischwasserdestillation, sowie die Hilfseinrichtungen verbrauchen auf Kriegsschiffen sowohl im Hafen wie auf See einen grossen Kohlen Vorrat; für diese Zwecke schlägt der Ausschuss den Walzenkessel als geeignetsten Dampferzeuger vor.

Spricht auch manches gegen die Anordnung von Walzen- und Wasserrohrkessel nebeneinander, so wiegen doch die daraus entspringenden Vorteile die Nachteile mehr wie auf, namentlich auch dadurch, dass der Walzenkessel im Behinderungsfalle der Verdampferanlage destilliertes Wasser liefern könnte. – Für alle Schiffe mit grösserem Kraftbedarf sollten daher für den Betrieb der Hilfsmaschinen Walzenkessel beschafft werden.

14. Der Ausschuss benachrichtigt den ersten Lord der Admiralität, dass für die unterbrochenen Versuche an Bord des Kreuzers „Minerva“ nach der ersten Woche des April sowohl an Bord der „Minerva“ wie der „Hyacinth“ vergleichende Versuche hinsichtlich Kohlen- und Wasserverbrauch stattzufinden haben.

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Während dieser Versuche ist für beide Schiffe eine Volldampffahrt zwischen Portsmouth und Gibraltar und zurück vorgesehen.

Soweit der vorläufige Bericht des Ausschusses, zu dem das Ausschussmitglied Jos. A. Smith als dienstthuender Ingenieur der königl. Marine etwas in Sonderstellung tritt. Punkt 3 soll nach seiner Ansicht lauten:

3. a) Der Belleville-Kessel hat seine Mängel, ist aber nach eigener Erfahrung des Berichterstatters, sowie nach dem Urteil von Ingenieuren, welche denselben auf im Dienst befindlichen Schiffen unter ihrer Wartung hatten, ein guter Dampferzeuger, der sich auch im Betriebe zufriedenstellend bewähren wird, sofern auf seine Wartung und Instandhaltung nur die nötige Sorgfalt verwandt wird, welcher eine genügende Erfahrung zur Seite steht. Es hat sich ferner auch durch Besichtigung der Kessel auf dem Dampfboot „Laos“5)

4)

Ueberall, wo man die Heizgase möglichst früh zerteilen kann, entsteht ein Vorteil in der Ausnutzung der Wärme, der durch Höherheben verloren geht; dazu kommt noch, dass die Gase in diesen Kesseln fast senkrecht aufsteigen, während sie im Walzenkessel wagrecht geführt werden und umkehren. (Ein gewisser Abstand der tiefstgelegenen Heizfläche vom Rost ist einzuhalten! D. R.)

5)

Ein 2-Schrauben-Frachtdampfer, 8. November 1896 von Stapel gelassen. Länge 141,66 m, Breite 15,5 m, Tiefe i/R. 11 m, 8400 t Verdrängung, 7200 PSi bei 100 Umdrehungen in der Minute und 12,25 kg/qcm Eintrittsspannung. 12 Belleville-Kessel