Text-Bild-Ansicht Band 316

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5) – der Messageries maritimes-Gesellschaft gehörig –, welches zur Zeit der Besichtigung länger als 3 Jahre, ohne der Reparatur zu bedürfen, den regelrechten Verkehr zwischen Marseille und Yokohama versehen hatte, bestätigt, dass dem frühzeitigen Verfall der Rohre durch Rosten, welcher in einigen Fällen festgestellt wurde, durch sorgsame Behandlung vorgebeugt werden kann. Bei der ausgedehnten Verwendung, welche die Belleville-Kessel in der königl. Kriegsmarine bereits fanden, und angesichts der Thatsache, dass jetzt drei oder vier weitere Gattungen von Wasserrohrkesseln vorhanden sind, welche zum mindesten gleich gute Erfolge versprechen, sollten künftig oder wenigstens bis zum vollständigen Abschluss der Versuche des Ausschusses keine Belleville-Kessel in Aussicht genommen werden.

Textabbildung Bd. 316, S. 354

Es liegt jedoch keine Notwendigkeit vor, die Fertigstellung von Schiffen, für welche Belleville-Kessel vorgesehen waren, durch Beschaffung einer anderen Kesselgattung zu verzögern. – Soweit der Bericht.

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Wir haben bei der Wichtigkeit der Frage – die doch schliesslich in der Brauchbarkeit des Wasserrohrkessels überhaupt gipfelt – geglaubt, diesen Bericht möglichst vollständig bringen zu sollen, weil er uns das vorläufige Endergebnis der Untersuchungen einer Anzahl der tüchtigsten englischen Ingenieure bringt; zugleich lassen wir zum besseren Verständnis einige Abbildungen des Kessels, wie derselbe ohne Vorwärmer auf der „Terrible“ und „Powerful“ eingebaut wurde, folgen. Busley6) bezeichnetin seinem sehr wertvollen Bericht „Die Wasserrohrkessel der Dampfschiffe“ die Belleville-Kesselanlagen mit allen ihren Einzelheiten als ein wahres Kunstwerk und hat damit sicher das Richtige getroffen. Daher die befriedigenden Erfolge auf Schiffen mit einer gut geschulten und noch besser überwachten Bedienung, wie solche bei grossen Schiffahrtsgesellschaften vorhanden ist, und die Misserfolge in der englischen Kriegsmarine.

Ueber die Verhältnisse der Maschinenbedienung in derselben bringt D. B. Morison in einem Vortrag, gehalten vor der Gesellschaft der Maschinen- und Schiffbauer Schottlands, einige bemerkenswerte Schlaglichter.

Nachdem er auf die Verwundbarkeit des weitverzweigten, durch England beherrschten Gebietes, auf die Abhängigkeit Englands von überseeischen Nahrungsmitteln, den engen Zusammenhang zwischen Seehandel und blühendem Gewerbe verwiesen, behandelt er die Frage der Stellung der Maschineningenieure auf den englischen Kriegsschiffen – als deren Vorkämpfer er schon häufig in den Vordergrund trat –. Bitter beklagt er, dass die englische Admiralität, selbst angesichts der neuerlichen Vorkommnisse auf Schiffen mit Belleville-Kesseln, noch immer nicht im stande sei, einzusehen, dass die grossen Fortschritte in der Entwickelung der Maschine und ihrer mannigfachsten Anwendung in all und jeder Form, verbunden mit dem gesteigerten Kesseldruck auch an die Bedienung Anforderungen stellt, die es bedingt, die ersten Kräfte des Ingenieurberufes für dieselbe verfügbar zu machen. Alle in dieser Hinsicht gemachten Schritte leiden an Halbheit und zeigen, dass man nur notgedrungen und ungern nachgegeben hat.

Schiffe mit Wasserrohrkesseln erfordern 30 bis 40% mehr Bedienung durch Heizer, abgesehen von denen, die man für Ersatz in Krankheitsfällen vorzusehen hat, ausserdem sollte die Mannschaft in jeder Weise geschult und ihrer Aufgabe gewachsen sein. Thatsächlich aber ist dieselbe nicht nur vollständig ungenügend vorgebildet, sondern auch in viel zu kleiner Zahl vorhanden.

Um die Schiffe der englischen Kriegsflotte seeklar zu machen, sind nach Zugeständnis der englischen Admiralität für

die Bedienung erforderlich: 1255 Ingenieure, 3277 Maschinenraum- und 29387 Kesselraum-Mannschaften, dabei ist aber kein Ersatz für Krankheits- und Kriegsfall inbegriffen; vorhanden sind nun 961 Ingenieure, 3024 Maschinenraum- und 21472 Kesselraum – Mannschaften. Es fehlen daher, wenn man das erforderliche Mehr für Krankheit auf 7%, und dasjenige für Kriegsfälle auf 20% festsetzt, 536 Ingenieure, 1138 Maschinenraum- und 15848 Kesselraum – Mannschaften.

Der zur Zeit ins Auge gefasste Plan, Ingenieure für zeitweiligen Dienst einzustellen, für welche eine Vorprüfung stattfinden soll, findet Morison's Beifall durchaus nicht, denn hier sollen im Schiffsdienst unerfahrene Kräfte den erfahreneren Bedienungsmannschaften vorgesetzt werden, anstatt dass man diesen letzteren mehr Aussicht auf Vorwärtskommen eröffne; das Endergebnis kann nur verderbenbringend sein.

Am deutlichsten ist die Gefahr, die in der ungenügenden Bedienung des Maschinen- und Kesselraums liegt, bei dem Kreuzer II. Klasse „Hermes“ hervorgetreten, der sich mittels einer Maschinenkraft von 10000 PSi durch zwei

5)

mit Vorwärmer, bei welchen auf der Probefahrt stündlich 140 bis 150 kg Kohle auf 1 qm Rostfläche verbrannt und 1300 bis 1400 kg Dampf erzeugt wurde. Die erreichte Geschwindigkeit betrug dabei 18,25 Knoten oder 21 Meilen = 33,76 km stündlich.

6)

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1896 S. 1038.