Text-Bild-Ansicht Band 316

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besiegelt sein dürfte, so muss doch anerkannt werden, dass dieser Kessel eine Ausnutzung des in Schiffen verfügbaren Raumes für Unterbringung von Heizfläche zeigt, mit welcher er wiederholt anderen Kesseln als Muster, diente, vor allem aber, dass er ein durch 50jährige Erfahrung technisch durchdachter Dampferzeuger ist, der für Einführung der Wasserrohrkessel in der Marine sein bleibendes Verdienst behält, wenn auch anerkannt werden muss, dass er für seine Bedienung zu kunstvoll zusammengebaut ist, wenigstens wenn englische Verhältnisse fürBeschaffung derselben in Betracht kommen. Im übrigen gilt auch hier der Grundsatz, dass alles Bessere der Feind des Guten ist, und da für Seezwecke vor allen Dingen möglichste Einfachheit in der Ausführung und Bedienung verlangt werden muss, so wird der Belleville-Kessel sich diesen Anforderungen, in welchen ihn andere Wasserrohrkessel bereits übertroffen haben, anpassen müssen, oder er wird Platz machen müssen.

Der Wasserrohrkessel im allgemeinen aber wird seinen Vorrang gegenüber dem Walzenkessel behaupten.

Kleinere Mitteilungen.

Die Solarmaschine1).

Seit einiger Zeit werden in Amerika wieder praktische Versuche angestellt, die Sonnenwärme zum Betriebe von Dampfmaschinen zu benutzen. Es ist klar, dass derartige Solarmaschinen, deren Leistungsfähigkeit im Verhältnis zu den Anschaffungskosten ziemlich geringfügig ist, nur unter bestimmten, lokalen Bedingungen Verwendung finden können. Zunächst sind diese Maschinen überhaupt nur in solchen Gegenden betriebsfähig, die während der ganzen Jahreszeit eine höhere Temperatur und fast immer einen wolkenfreien Himmel aufweisen. Sodann sind sie nur in solchen Gegenden gegenüber den mit Kohlen oder anderem Brennstoff geheizten Dampfmaschinen konkurrenzfähig, in denen Mangel an Brennstoff herrscht und die nur mit grossem Kostenaufwand mit Brennstoff versorgt werden können. Diese Bedingungen treffen in manchen Gegenden Südkaliforniens zu. In diesem Lande gibt es weite, dürre Strecken, die reich an Minenschätzen sind und deren Bodenwert durch Bewässerung gehoben werden kann. Da aber diese Gegenden noch wenig dem Verkehr erschlossen sind, ist die Herbeischaffung von Brennmaterial zum Betriebe von Dampfmaschinen, die im Bergbau und in der Landwirtschaft gebraucht werden, sehr kostspielig. Aus diesem Grunde ist in der Ostrich-Farm in South Pasadena, Kalifornien, ein durch Sonnenwärme betriebener Motor zur Aufstellung gelangt, der zur Bodenbewässerung dient.

Diese Solarmaschine besteht aus einem grossen Reflektor, der als abgestumpfter Kegel ausgebildet ist. In seiner grössten Oeffnung hat er einen Durchmesser von etwa 10 m und in seiner kleinsten Oeffnung einen Durchmesser von etwa 4,5 m; seine Höhe beträgt etwa 4 m. Seine innere Fläche ist aus 1788 kleinen Spiegelscheiben gebildet, welche die Sonnenstrahlen nach der Brennachse senden.

In der Brennachse des Reflektors, zu dessen Versteifung Träger und Drähte dienen, ist der Kessel aufgehängt, der eine Länge von 4,11 m und einen Inhalt von 680 l besitzt. Der Reflektor ist der Sonne zugekehrt und wird von zwei verschieden hohen, schmiedeeisernen Gerüsten gestützt, auf denen er drehbar gelagert ist; die Drehungsachse erstreckt sich von Norden nach Süden. Die ganze Anlage vermag einem Winddruck von 160 km in der Stunde Widerstand zu leisten. Der Reflektor folgt genau der Sonne; seine Bewegung wird durch ein Uhrwerk hervorgerufen. Der Dampf, der eine Spannung von 10,5 at besitzt, wird von dem Kessel in einem biegsamen Rohr aus Phosphorbronze nach der Maschine geleitet, von der er in einen Kondensator gelangt. Das Kondenswasser wird wieder dem Kessel zugeführt. Die Maschine, die eine Maximalleistung von 15 PS besitzt und für gewöhnlich mit 10 PS arbeitet, treibt eine Pumpe an, die 6350 l Wasser in der Minute fördert. Die Thätigkeit der Maschine beginnt eine Stunde nach Sonnenaufgang und dauert bis eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang.

Der Bau dieser Solarmaschine, der erst nach verschiedenen Fehlversuchen glückte, geschah auf Veranlassung einer Anzahl Bostoner Kapitalisten. Eine ähnlich gebaute Solarmaschine, wie die in der Ostrich-Farm im Betrieb befindliche, die aber nur die halbe Leistung besitzt, war kurz vorher in Denver errichtet worden. Die Herstellung einer Solarmaschine von derselben Grösse, wie die in der Ostrich-Farm aufgestellte, wird für die panamerikanische Ausstellung geplant.

H.

Bücherschau.

S. Freiherr v. Gaisberg. Herstellung und Instandhaltung elektrischer Licht- und Kraftanlagen. Ein Leitfaden auch für Nichttechniker, unter Mitwirkungvon O. Görling und Dr. Michalke verfasst und herausgegeben von S. Freiherr v. Gaisberg. Berlin 1900. Julius Springer. München, R. Oldenbourg.

Zweck dieses Werkchens ist es, einem in Laienkreisen fühlbaren Bedürfnis nach einer kurz gefassten Beschreibung der wesentlichen Teile elektrischer Licht- und Kraftanlagen und einer sich daran anschliessenden Erörterung der für die Herstellung und Instandhaltung solcher Anlagen massgebenden Grundsätze Rechnung zu tragen. Dasselbe schliesst sich in Form und Inhalt dem von den gleichen Verfassern herausgegebenen Taschenbuch für Monteure elektrischer Beleuchtungsanlagen an. Das angestrebte Ziel ist, wie dies im vorhinein zu erwarten war, vollständig erreicht und wird sonach dieses Werkchen allen jenen, welche für ihre Betriebe die elektrische Beleuchtung bezw. die elektrische Kraftübertragung einzuführen beabsichtigen und sich hierfür die grundlegenden Informationen zu beschaffen wünschen, die wertvollsten Dienste zu leisten vermögen. Es wird durch dasselbe durchaus nicht die Intervention eines Sachverständigen zu beseitigen angestrebt, da ja auf die notwendige Mithilfe eines solchen in zweifelhaften Fällen wiederholt hingewiesen wird, sondern nur beabsichtigt, dem Interessenten jene Anhaltspunkte zu geben, welche es ihm ermöglichen, einen Anlageplan in groben Umrissen zu entwerfen und auf Grund desselben die Unterhandlungen mit der ausführenden Firma anzubahnen und selbständig durchzuführen. Die diesbezüglich gegebenen Belehrungen sind in durchaus einfacher und leicht verständlicher Weise abgefasst und in jeder Beziehung als beherzigenswert zu bezeichnen. Die gegebenen technischen Aufklärungen sind zum grossen Teil aus dem bereits erwähnten Taschenbuch für Monteure übernommen und, wo notwendig, sinngemäss erweitert, daher, wie bekannt, vortrefflich. Dem Zweck des Verkehrs entsprechend wurden nur kleinere Anlagen in den Kreis der Betrachtungen einbezogen, da für umfangreichere Anlagen die Beihilfe eines Sachverständigen unentbehrlich ist.

Desgleichen wurde die Behebung von Fehlern, die während des Betriebes auftreten können, nur flüchtig berührt, und eine Ausnahme nur dort gemacht, wo bei kleineren Störungen, auch dem Laien eine, wenn zuweilen auch nur vorübergehende Abhilfe möglich ist. Es ist zu wünschen, dass auch diesem Werke der gleiche Erfolg zu Teil werde, wie solcher für das mehrerwähnte Taschenbuch dem Verfasser verdienter Weise treu geblieben ist.

A. P.

Taschenbuch der praktischen Photographie. Ein Leitfaden für Anfänger und Fortgeschrittene von Dr. F. Vogel. Mit in den Text gedruckten Abbildungen und 7 Tafeln. Berlin 1901. Gustav Schmidt (vorm. Robert Oppenheim).

Dieses Werkchen, welches sein Entstehen dem Verlangen vieler Studierenden der Berliner techn. Hochschule und Amateuren verdankt, ist soeben in der 8. und 9. Auflage erschienen. Bei den Vorschriften der Rezepte der Entwickler, Kollodien, Verstärker, Abschwächer, Fixierbäder u.s.w. ist vom Verfasser darauf Bedacht genommen, nur solche zu geben, bei denen die im photochemischen Laboratorium der Kgl. Techn. Hochschule in Berlin gemachten Erfahrungen massgebend waren. Um auch den Ingenieuren, Bautechnikern u.s.w. Rechnung zu tragen, ist in einem besonderen Abschnitt das Lichtpauseverfahren behandelt. Die kurz gehaltene und doch vollständige Uebersicht über den heutigen Stand der Photographie macht dieses Werkchen zu einem unentbehrlichen Taschenbuch.

1)

Scientific American, 16. März 1901, S. 169.