Text-Bild-Ansicht Band 316

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ist und die Briketts nach etwa sechs Tagen getrocknet sind, können dieselben samt den Fachbrettern nach gleichfalls in der Nähe belegenen Darrpressen gebracht werden, wo dieselben gepresst und eventuell bis zum Verbrauch aufbewahrt werden können. Den vollkommen nassen Torf zu pressen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, ebenso wie es unmöglich wäre, ein Stück Gummi elastici zu pressen. Dagegen wird der vorher getrocknete und bereits auf natürliche Weise gepresste Torf immer dichter, je mehr die Feuchtigkeit aus demselben entweicht.

Nach diesem Verfahren werden die Torfbriketts von den Fachbrettern heruntergenommen, schichtweise mit der flachen Seite aufeinander gelegt und so entsteht ohne Bindung eine Säule in einer Höhe von 10 bis 15 Schichten, welche einen gegenseitigen Druck aufeinander ausüben. Da alle Kanten dem Luftzuge ausgesetzt sind, ziehen sich die Briketts allmählich zusammen, die flachen Seiten dagegen können unter dem gegenseitigen Drucke ihre Kanten nicht aufwerfen; da sie jedoch nicht plötzlich zusammenschrumpfen, wird ihr Platzen und Sprödewerden verhütet. Die oberste Schicht wird einfach mit einem gewöhnlichen Brett zugedeckt und etwa mit einigen Steinen oder Ziegeln beschwert. Es ist also keine besondere künstliche Anlage hierzu erforderlich.

Im nachstehenden kommen wir nun zur Aufstellung des nötigen Materials und einer ungefähren Berechnung der Kosten; ungefähr deshalb nur, weil die Arbeitslöhne in verschiedenen Gegenden verschieden sind.

1. Die sogen. Guillotine holt bei jedesmaligem Herunterlassen 1 cbm Torfbrei herauf; mit sämtlichen etwaigen Störungen in der Stunde mindestens 15mal, mithin während einer elfstündigen Arbeit rund 150 cbm, mit denen ebensoviel Schlemmer und Filter gefüllt werden. Die Erfahrung hat ergeben, dass aus 8 cbm Torfbrei 1 cbm trockener Torfbriketts hergestellt werden, mithin würde die tägliche Leistung einer Guillotine 20 cbm = etwa 12000 trockener Torfbriketts liefern. Rechnet man 15% auf Abfall, so bleiben 10000 kg, gleich einer Waggonladung trockener Torfbriketts. Zur Bedienung sind fünf erwachsene Leute nötig.

2. Zum Wegschaffen des Torfbreies sind vier Schlemmer erforderlich und zwar einer zum Beladen, einer während des Transportes nach den Filtern, einer beim Abladen und einer auf dem Rückwege. An Arbeitskraft vier Leute und zwei Pferde.

3. Zum Füllen der 160 Filter mit Torfbrei und 20 Filter mit Abfällen sind 60 Rahmen erforderlich, von denen jeder dreimal täglich gefüllt wird und zwar in der Weise, dass nach dem Füllen des Filters und nachdem der Torfbrei zu Teig verdickt und zu Briketts geschnitten worden ist, der Rahmen entfernt und zum weiteren Gebrauch benutzt wird. Hierzu und zum Aufstellen der Rahmen, Zurechtrücken der Siebe und Schneiden des Torfteiges braucht man vier Leute.

4. Für drei Rahmen ist ein Schneidegitter erforderlich, wenn von glatten, nicht gesprungenen Briketts die Rede sein soll; anderenfalls genügt ein Gitter für vier Rahmen oder 20 Gitter.

5. Zum Ablassen des Breies sind vier kleinmaschige Siebe erforderlich, welche vor dem Ausgiessen des Breies aus den Schlemmern in die Filter über letztere gelegt werden.

6. Um die geschnittenen Torfbriketts auf die Fachdarren zu stellen, bedarf man der letzteren 50 Stück. Da aber die Briketts auf jedem sechs Tage stehen bleiben, so sind für die ganze Campagne 300 Stück erforderlich. Der bewegliche Darrbock nimmt entsprechend den oben erwähnten Massen der Briketts 30 . 20 . 10 cm in sechs Fächern von jeder Seite auf, die voneinander je 30 cm entfernt sind. Hierzu gehören zwei weibliche Arbeiter.

7. Zum Stempeln der Briketts sind zwei Stempel erforderlich, von denen jeder gleichzeitig eine ganze Reihe auf den Darrbrettern aufzustellenden Briketts abstempelt, was von zwei Frauen verrichtet wird.

8. Zum Wegschaffen der Briketts von den Darren nach den Darrpressen gehören zwei Lowren und zwei Frauen.

9. Zum Aufstellen des Produktes von einem Tage inSchichten in der Darrpresse ist ein Schober von 5 m Länge, 5 m Breite und 1,75 m Höhe, d.h. zum Decken 4 cm und 5 m, d.h. etwa 6 m lange Bretter nötig. Die Arbeit leistet ein Mann und zwei Frauen als Handlanger. Für die ganze Campagne braucht man daher etwa 200 Stück 4 cm dicke Bretter.

10. Schliesslich gehört hierzu, da die Briketts nach Gewicht verkauft werden, eine Centesimalwage und Geleise- und Lowrenvorrat, sowie ein Vorrat an kleineren Geräten und Werkzeugen, wie bei jedem anderen Betriebe.

Dies ist der Bedarf nebst Handarbeit zum täglichen Herstellen eines Waggons vollständig trockener Torfbriketts, und sei nachstehend ein annähernder Kostenanschlag der Einrichtung angegeben1).

1. Eine Guillotine (zugleich Mischer und Elevator) 1728,– Mark
2. 4 Schlemmer (Lowren) zu 432 Mark 1728,–
3. 60 Filterrahrnen zu 5,40 Mark 324,–
4. 4 Siebe zum Ablassen des Torf breies zu 16,20 Mark 64,80
5. 20 hölzerne Schneidegitter zu 21,60 Mark 432,–
6. 300 Darrböcke zu 12,96 Mark 3888,–
7. 2 Stempel zu 54 Mark 108,–
8. 2 Lowren zum Abfahren der Briketts zu 432 Mark 864,–
9. 30 Schober zu 32,40 Mark 972,–
10. 3 Schock 4 cm-Bretter zu 86,40 Mark 259,20
11. Geleise, Wechsel, Wage, kleine Geräte und
Werkzeuge u.s.w.

2592,–

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Summa 12960,– Mark

Die täglichen Arbeitslöhne würden betragen2):

1. Bei der Guillotine 5 Leute zu 1,62 Mark 8,10 Mark
2. Bei den Schlemmern 2 Pferde = 5 Mark und 4 Leute 11,48
3. Beim Ablassen des Torfbreies in die Filter, Um-
stellen derselben und Schneiden 4 Leute zu
1,62 Mark


6,48


4. Bei den Darrböcken 6 Frauen zu 1,08 Mark 6,48
5. Bei den Darrpressen und Abfahren der Briketts
4 Frauen zu 1,08 Mark

4,32

6. Beim Aufstellen der Schichten 1 Mann zu 1,62 Mark 1,62
7. Ein Nachtwächter 1,62
8. Ein Meister bezw. Aufseher 2,70
–––––––––––
Summa 42,80 Mark

Wir kommen nun zur Berechnung der Gesamtproduktion von Briketts innerhalb einer Torfcampagne.

Die Campagne dauert durchschnittlich nach Abzug der Sonn- und Feiertage (Russland) und der Regenzeit ungefähr 120 Tage. Obwohl dieselbe nach vorliegendem Verfahren früher beginnen und auch später schliessen kann, da bereits im März begonnen und erst im September geschlossen werden kann, so wird in nachstehender Berechnung dennoch diese Arbeitsperiode als massgebend angenommen. Die Berechnung stellt sich nun folgendermassen:

Während 120 Tagen werden mittels vorstehend namhaft gemachter Maschinen mindestens 12500 kg . 120 = 1500000 kg Torfbriketts Nr. I und bis 166650 kg Briketts Nr. II hergestellt. Die Kosten hierfür sind folgende:

1. Arbeitslohn: 42,80 . 120 = 5136 Mark
2. Da Verwaltungskosten nicht entstehen, weil der
Besitzer des Torfstiches das Unternehmen selbst
leitet, so können nur Handelsunkosten und un-
vorhergesehene Ausgaben entstehen von etwa



672



3. Reparaturen u. dergl. gerechnet etwa 5% des An-
lagekapitals ebenfalls

672

–––––––––––
Summa 6480 Mark
Rechnet man für 50 kg Torfbriketts I. Klasse loco
Torfstich 0,39 Mark, so ergibt dies

11700

für Nr. II 648
–––––––––––
Summa 12348 Mark
Hiervon abgerechnet die Unkosten i. S. 6480
–––––––––––
so verbleibt ein Reinertrag von 5868 Mark.
Abgerechnet die Amortisation des Anlagekapitals,
Zinsen3) des Umsatskapitals u.s.w. mit

3456

–––––––––––
so verbleibt ein Reinertrag von 2412 Mark,

rund gerechnet 2400 Mark, also etwa 18°/o Dividende für den Besitzer der Torfanlage, bei einem enorm niedrig gerechneten

1)

Hiervon sind offenbar einige Posten zu hoch angenommen und würden sich hier billiger stellen. Anmerk. des Verf.

2)

Dieselben sind nach Preisen in der Gegend von Warschau angenommen und würden je nach der Gegend höhere sein.

3)

Es wurden hier nach dortigen Verhältnissen 7% gerechnet.