Text-Bild-Ansicht Band 316

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Zur näheren Erläuterung des Vorganges sei auf nachstehende Abbildungen hingewiesen, in denen die verschiedenen Phasen, welche der Kern während seiner Herstellung passiert, veranschaulicht sind:

Textabbildung Bd. 316, S. 388

Es zeigt: Fig. 2 als Beispiel eines Massenartikels – einen Hahn in zwei verschiedenen Ansichten; Fig. 3 den dafür anzufertigenden Kern in entsprechenden Ansichten; Fig. 4 die zur Formung des Kernes erforderlichen drei Formplatten in perspektivischer Ansicht; Fig. 5 die Bildung des vorläufigen Kernes in der Unter- und Zwischenplatte; Fig. 6 den vorläufigen Kern bei aufgehobener Zwischenplatte, auf der Unterplatte liegend; Fig. 7 die Ober- und Unterplatte zusammengepresst; Fig. 8 den fertigen Kern in der Unterplatte liegend.

Textabbildung Bd. 316, S. 388

Um den Kern oder die Kerne – wenn mehrere Kerne gleichzeitig mit einer Kernmodellplatte hergestellt werden – von der Unterplatte zu entfernen, wird bei leicht zerbrechlichen Kernen nach dem Formen eine Schicht Sand auf den oder die Kerne gelegt und auf die abgeglättete Oberfläche eine Blechplatte, mit welcher zusammen die Kernformplatte gewendet wird, worauf dann die Kerne auf der Sandunterlage mit der Blechplatte in den Trockenofen kommen.

Für Kerne von grösserer Stabilität, wie z.B. bei Herstellung von Kernen für Rohre und Rohr-Fassonstücke (vgl. Fig. 9 bis 11) gestaltet sich die Arbeit noch einfacher. Diese Kerne werden, in gleicher Weise wie die Gussform selbst, aus Formsand hergestellt und wird jeder mit einem Kerneisen versehene Kern von der unteren Kernformplatte direkt abgehoben entweder durchAufsetzen der vorstehenden Enden des Kerneisens auf vorspringende Winkel des Abheberahmens – in welchem Falle der Abheberahmen durch den Hebel hochgestellt wird, ehe sich der Presskolben mit der darauf liegenden Kernmodellplatte senkt – oder durch Hochstellung des Abheberahmens, nachdem der Kolben in seiner tiefsten Stellung angekommen ist. Von den nebenstehend abgebildeten T-förmigen Kernen konnte ein ungeübter Arbeiter nach kurzer Zeit acht Stück in der Stunde ohne Anstrengung herstellen.

Textabbildung Bd. 316, S. 388
Textabbildung Bd. 316, S. 388
Textabbildung Bd. 316, S. 388

Bücherschau.

Grawinkel und Strecker, Hilfsbuch für die Elektrotechnik. Berlin 1900. Julius Springer.

Das 732 Seiten starke Buch behandelt in drei Hauptteilen die für elektrische Fragen wichtigen allgemeinen mathematischen und physikalischen Hilfsmittel (S. 1 bis 80), Messmethoden und Messinstrumente für elektrische, magnetische und photometrische Untersuchungen (S. 81 bis 230) und die einzelnen Kapitel der praktischen Elektrotechnik (S. 231 bis 732). Der letztere, umfangreichste Teil enthält eine Beschreibung der verschiedenen Typen, Schaltungsweisen und Untersuchungsmethoden von Gleichstrom-, Wechselstrom- und Mehrphasenstrommaschinen (105 S.), von Wechselstromtransformatoren (13 S.), galvanischen Elementen, Akkumulatoren und Thermoelementen (23 S.), Verteilungs- und Leitungsanlagen (98 S.), Widerstandsregulatoren (10 S.), der Glüh- und Bogenlampenbeleuchtung (22 S.), elektrische Arbeitsübertragung und Kraftverteilung mit Einschluss der elektrischen Bahnen und Automobilen (30 8.), eine eingehende Ausführung über die Verwendung der Elektrizität in der Galvanoplastik, zur Gewinnung von Metallen und Darstellung chemischer Produkte, ferner die Nutzbarmachung der Elektrolyse in Färbereien, Gerbereien und zur Reinigung von Wasser, Alkohol, Oelen u.s.w. (40 S.), ein besonderes Kapitel über Stromquellen, Apparate und Schaltweisen der Telegraphie und Telephonie (71 S.) und ihre Anwendung im Eisenbahn- und Signaldienst in kleinen und grossen Betrieben (24 S.), sowie Abschnitte über elektrische Uhren (13 S.), elektrische Wärmeerzeugung und Minenzündung (11 S.) und Blitzableiter (12 S.). Zur Auffindung einzelner Punkte dient ein erschöpfendes Namen- und Sachregister.

Das Buch besitzt grossen Wert durch die Vollständigkeit, mit welcher alle allgemeinen und spezielleren Hilfsmitteln und Formeln angegeben sind, welche der Elektroingenieur, gleichviel in welchem Zweige er arbeitet, nötig hat; es ist die Auswahl der Formeln und Methoden der Physik und allgemeinen Maschinenkunde sorgsam getroffen und eine Ueberlastung des Buches mit überflüssigen Angaben glücklich vermieden. Die Formeln sind zwar nur kurz, aber überall klar und mit strenger Angabe der zu benutzenden Einheiten aufgeführt; auf ihre Ableitung ist nicht eingegangen, aber reichlich eingefügte Citate der Originalarbeiten ermöglichen eine tiefere Einsicht zu erholen; nachdem die neueren Forschungen bis auf die allerletzte Zeit berücksichtigt sind (wie z.B. die Dettmar'schen Versuche über Lagerreibung), werden die häufigen Litteraturangaben doppelt angenehm sein.

Aus diesen Gründen wird das Buch nicht bloss für den speziellen Elektrotechniker, sondern auch für jene Gebiete, welche sich der Elektrotechnik zu bedienen haben, wie Physik, Chemie und Maschinenbau ein willkommenes und kaum von einem anderen übertroffenes Nachschlagewerk abgeben. Dass das im Jahre 1887 zuerst erschienene Werk im Jahre 1898 die fünfte und jetzt bereits die sechste Auflage erlebt hat, ist ein Beweis für seine weite Verbreitung und Nützlichkeit. Gegenüber der letzten Auflage ist namentlich das Kapitel über Galvanoplastik und industrielle Anwendungen der Elektrolyse (30 S.) wesentlich umgearbeitet, im übrigen sind an zahlreichen einzelnen Stellen Ergänzungen und Erweiterungen vorgenommen worden.

Dr. K. Fischer, München.