Text-Bild-Ansicht Band 316

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Pneumatiks, Akkumulatorenbatterien, Zündvorrichtungen, Benzin-, Oelbehälter und sonstige Bestandteile der Motorfahrzeuge. Hierüber zu referieren wird man gerne erlassen. Doch sei eines höchst interessanten Ausstellungsobjektes gedacht, das mit der Technik des Automobilismus nur lose zusammenhängt, aber an und für sich bedeutungsvoll zu sein scheint. Es ist dies ein mit einer Dynamo gekuppelter Dion-Motor zur Ladung der entspannten Akkumulatoren. Die Anlage ist auf einem fahrbaren Gestell montiert und derart leicht transportabel. Für stabile Zwecke ist eine ähnliche Anordnung ausgestellt, welche eine leicht zu bedienende, einfache, billige und höchst kompendiöse Lichtanlage für die elektrische Beleuchtung von Villen und ausserhalb der Zentrale gelegener kleiner Lokalitäten darstellt. Hier können mit einem vierpferdigen Dion-Motor in Verbindung mit einer Dynamo von 8000 Watt recht gut 40 bis 50 Glühlampen resp. 5 bis 8 Bogenlampen betrieben werden. Was eine derartige, nur 1,5 qm Flächenraum in Anspruch nehmende (!), leicht transportable Lichtanlage für die Lösung der Beleuchtungsfrage bedeutet, ist wohl von vornherein klar. Eine dritte Anlage dieser Kategorie versieht statt der Dynamo ein Pumpwerk.

In letzter Linie muss noch ein Vehikel Erwähnung finden, das kulturhistorisch deshalb Interesse hervorruft, weil es einZurückgehen zu den ersten Versuchen des automobilen Verkehrs bedeutet. Dieses wagt nämlich – und zwar von ganz nennenswertem Erfolge begleitet – die „Risch Locomobile Company of America“, die, ganz wie in den seligen Zeiten der Dampfeilwägen, ein veritables Dampfautomobil ausstellt. Dieses mit vier indizierten Pferdestärken laufende „Iron-horse“ kann nach Steigerung des normalen Betriebsdruckes von 11 auf 18 at zu einer Leistung von 6 bis 7 Pferden gebracht werden. Es besitzt keine Uebersetzung, arbeitet mit einem vollkommen geräuschlos funktionierenden zweicylindrigen, doppeltwirkenden Motor mit Kulissensteuerung und kleiner Wasserpumpe. Allgemein gepriesen, kann dieses merkwürdige Produkt amerikanischer Projektierungskunst doch nicht als fehlerlos klassifiziert werden: Der geringste Grad von Kesselsteinbildung ist im stande die subtile Konstruktion des aus fast 3000 feinen Kupferröhren bestehenden Generators direkt zu zerstören. Ausserdem ist der Wasserverbrauch sehr hoch – etwa 100 l auf je 45 km –, ein um so unangenehmerer Nachteil, als das Speisewasser aus dem eben angeführten Grunde fast chemisch rein sein muss, und daher – wie man hier mit bescheidenem Witze sagt – „aus der Apotheke erst geholt werden muss“. – Immerhin eine fruchtbare neue Idee, d.h. eine neue, alte Idee. Aber der Automobilismus dürfte trotzdem andere Wege einschlagen.

Kleinere Mitteilungen.

Neue Unterseeboote der englischen Marine.

Für die englische Kriegsmarine sind seit einiger Zeit fünf neue Unterseeboote im Bau, welche ihrer Hauptanordnung nach mit dem bekannten, aus Amerika stammenden Holland'schen Unterseeboot (vgl. D. p. J. 1900, Bd. 315, S. 32) übereinstimmen, aber doch einige Abweichungen und Neuerungen, aufweisen, über welche Zivilingenieur Georges Petit in der Revue universelle, der wir auch die nebenstehende Zeichnung eines Längendurchschnittes der Boote entnehmen, einige nähere Angaben macht. Diese Mitteilungen sind allerdings nicht so eingehend und strikte, als es hinsichtlich gewisser Einzelheiten wünschenswert wäre, um ein völlig klares Bild gewinnen zu können, wahrscheinlich weil man nun auch in England mehr Gewicht darauf legt, über die Einrichtungen der neuesten Kriegsfahrzeuge gleichwie in den anderen grossen Seestaaten so wenig als möglich in die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen.

Nach der oben angezogenen Quelle sind alle fünf in Rede stehenden Boote baulich ganz gleich ausgeführt, und zwar beträgt ihre Länge 19,20 m und ihre Breite im stärksten Querschnitte, nämlich beiläufig in der Längsmitte des Bootes, 3,60 m. Der Raum des verdrängten Wassers belauft sich, wenn das Boot vollständig unter dem Wasserspiegel eingetaucht ist, auf 160 t. Jedes der fünf Boote wird am Vorderteil mit einem Torpedolancierrohr versehen sein, welches das Absenden von Torpedos sowohl während der Fahrt auf der Wasserfläche gestattet, als auch während der Fahrt unter dem Meeresspiegel ermöglicht, wobei es ganz gleichgültig i.st, ob das Boot steht oder fährt, bezw. mit welcher Fahrgeschwindigkeit es sich bewegt. Die Mündung des Torpedolancierrohres liegt ungefähr 50 cm unter der normalen Schwimm-(Wasser-)linie des Bootes und Anfang wie Ende des Rohres sind mit einem selbstthätigen Klappensystem versehen, welches das Oeffnen und Schliessen ermöglicht ohne jegliche Gefahr für das Fahrzeug oder für den Torpedo. Was den eigentlichen Körper des Bootes anbelangt, so besitzt derselbe durchaus bloss kreisrunde Querschnitte und er gewinnt auf diese Weise, wie es der Längsschnitt ersichtlich macht, die Zigarrenform, welche nach vorne so spitz verläuft, dass es den Booten möglich sein wird, auf den Unterseefahrten zwischen gewissen zufälligen oder absichtlichen Hindernissen, wie Telegraphenkabeln, Bojenverankerungen, Seilen, Ketten u. dgl. durchzugleiten, indem sie die betreffenden Hindernisse zur Seite drängen. Ein zweiter Vorteil der Zigarrenform liegt bekanntlich darin, dass sie dem Fahrzeug bei der Fahrt im Wasser und wohl auch unter Wasser einen besonders geringen Reibungswiderstand gewährleistet. Das Stahlblech, aus welchem die Aussenwand des Schiffskörpers besteht, besitzt gegen den Wasserdruck einen Widerstand von ungefähr 25 kg pro Quadratcentimeter.

Das ganze Boot ist durch Stahlblechwände mit Schubthüren in Abteilungen geschieden, welche voneinander luft- und wasserdicht abgeschlossen werden können; im besonderen besteht die untere, etwas kleinere Hälfte des ganzen Bootes aus einer einzigen Reihe aneinander schliessender luft- und wasserdichter Kammern (Schotten), die nicht nur, wie bei Schiffen im allgemeinen, zur Sicherung dienen sollen, falls das Boot zufolge eines Zusammenstosses oder eines anderen Unfalles leck würde, sondern gleichzeitig den Zweck haben, nach Bedarf absichtlich mit Wasser gefüllt zu werden, um das Senkgewicht des Fahrzeuges zu vermehren, wenn letzteres in die Tiefe gehen soll. Alle diese Kielschotten sind einerseits durch Pressluftröhren mit dem Raume des Kapitäns und andererseits mit Ventilen versehen, welche unter gewissen Vorbedingungen dem Aussenwasser Eingang gewähren; jede derselben hat übrigens auch eine Klappthür, welche es ermöglicht, in die Schotte einzusteigen, wenn sie leer ist. Die obere grössere Hälfte des Innenraumes weist vier in verschiedenen Fussbodenhöhen errichtete Hauptabteilungen auf, welche wieder in verschiedene Unterabteilungen geschieden und bestimmt sind, zur Unterbringung der verschiedenen Maschinen, der Torpedos, kurz aller jener Einrichtungen und Hilfsmittel zu dienen, welche die Gesamtausrüstung des Fahrzeuges bilden. Aber auch auf der Aussenseite des Bootes befindet sich ein aus Stahlblech ausgeführtes, von Stahlblechrippen getragenes Deck, das 10 m lang ist, und wo sich die Schiffsmannschaft aufhalten kann solange sich das Boot ober Wasser befindet. In der Mitte dieses Decks steht der Einsteigturm, durch den die Bemannung in das Innere des Schiffskörpers gelangt.

Textabbildung Bd. 316, S. 418

Während der Fahrt auf der Wasserfläche erfolgt der Schraubenantrieb mit Hilfe einer Gaskraftmaschine, für welche ein Vorrat komprimierten Kohlenleuchtgases in Stahlblechcylindern mitgeführt wird, der für einen mit der grössten Fahrgeschwindigkeit von 9 Knoten in der Stunde zurückgelegten Weg von 400 Seemeilen hinreichen soll. Die Gaskraftmaschine ist genau dieselbe, wie sie Holland bei seinem Unterseeboote anwendet, und gestattet zweierlei Ausnutzungen, nämlich entweder mit 300 Umdrehungen in der Minute, in welchem Falle ihre Leistungsfähigkeit 160 PS beträgt, oder mit 320 Umdrehungen in der Minute, wobei sich 190 PS Leistungsfähigkeit ergeben. Fährt das Boot unterseeisch, so wird der Schraubenantrieb von einem Elektromotor besorgt, der kräftig genug ist, um dem Fahrzeug eine höchste Fahrgeschwindigkeit von 7 Knoten in der Stunde zu erteilen. Der Elektromotor erhält den erforderlichen Strom