Text-Bild-Ansicht Band 316

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Oeffnung gebildet wird. Vor diese Oeffnung fällt der Kohlenstaub in dünnem Strom und wird durch den Luftzug in den Feuerraum geschafft.

Das auf dem Rost unterhaltene Kohlenfeuer bildet etwa ⅓ bis ½ der gesamten zur Verwendung kommenden Brennstoffmenge; als Brennstoff kann hierfür jede Art Kohle dienen, die auf einem Rost gefeuert wird. Die Beschickung dieser Kohlen geschieht alle 2 bis 3 Stunden mit der Hand. Der Rest der Brennstoffmenge, die zum Aufrechthalten des verlangten Dampfdrucks notwendig ist, wird in Form von Kohlenstaub durch den Trichter zugeführt, wobei zur Regelung der Kohlenstaubzufuhr eine besondere automatische Vorrichtung dient.

Diese Reguliervorrichtung besteht aus einem vertikalen Dampfcylinder, welcher mit dem Kessel in Verbindung steht und in welchem sich ein durch ein Kontregewicht entlasteter Kolben bewegt. Wenn der Dampfdruck im Kessel unter die normale Höhe herabsinkt, wird der Kolben von dem Kontregewicht in dem Cylinder aufwärts gezogen. Durch diese Bewegung des Kolbens wird der Hebel M bethätigt und die an der Lenkerstange A befindliche Rolle aus der Totstellung bewegt, so dass die Kohlenstaubzufuhr erfolgt. Gleichzeitig wird mit Hilfe von Seilen und Flaschenzügen ein Schieber in den Feuerzügen geöffnet. Sobald der Dampfdruck über die normale Höhe steigt, wird durch Verschiebung der Rolle in die Totlage die Kohlenstaubzufuhr eingestellt und der Schieber geschlossen.

Die in den Werken von Hubbard and Carpenter zur Anwendung gelangte Kohlenstaubfeuerung soll sich gut bewährt haben. Der Kessel, an welchem sie angebracht ist, versorgt eine Maschine mit Dampf, die während der Arbeitszeit sehr verschieden belastet ist; der Kesseldruck unterliegt aber trotzdem keinen nennenswerten Schwankungen und es findet keine Rauchbildung statt, obwohl der gefeuerte Kohlenstaub aus weicher Kohle hergestellt ist.

Vor kurzem sind auch zum erstenmal erfolgreiche Versuche angestellt worden, harte Kohle zu Kohlestaub zu verarbeiten; die hauptsächlichste Schwierigkeit bestand hierbei darin, das Material genügend fein zu pulverisieren.

H.

Bücherschau.

Histoire des Mathématiques par Jacques Boyer. Paris 1900. Carré et Naud.

Das Werk bezweckt nicht „Die Geschichte der Mathematik“, z.B. eines M. Cantor's, zu ersetzen oder auch zu ergänzen. Verfasser gibt eine populäre kurze Darstellung der säkularen Entwickelung der Mathematik, indem er nur dasjenige hervorhebt, was wichtig und leicht fassbar, ohne Formeln mit Worten zu fassen ist. Der Leserkreis, auf den er zielt, ist die studierende Jugend. Aber auch ein jeder Liebhaber der Wissenschaft – und bei der fortschreitenden Popularisation des Wissens wächst deren Zahl unaufhaltsam – wird damit eine nützliche und aufmunternde Lektüre dargeboten. Werke, dem Cantor'schen ähnlich, sind Liebhabern nicht zugänglich. Hier bekommt man aber leicht eine zusammenhängende Uebersicht über den Werdegang und den Bestand der modernen Mathematik. Man sieht, dass auch in diesem Fundament alles Wissens z. Z. nicht alle Fragen ausgeschlossen und erledigt sind. Was scheint z.B. unerschütterlicher als die von Euklides aufgebaute Geometrie? Und doch entstehen im 19. Jahrhundert Aenderungen an dieser Pyramide, eingeführt durch Lobatschewski, Riemann, Beltrami und Lie, so dass die euklidische Geometrie nur eine der Geometrien wird. Kurzsichtige können erschrocken werden, wenn sie sehen, dass an den Pfeilern des Wissens so in der Gegenwart des grossen Publikums gerüttelt wird. Wer aber eines weiteren Blickes fähig ist, wird das Buch von Boyer willkommen heissen. Warum? das ist gleich gesagt. Brunetière, Nietzsche, Tolstoi u.a. sagen, die Wissenschaft sei Bankerott erklärt; sie sagen es dem grossen Publikum. Die Gelehrten verschmähen es, solchen Tadlern entgegen zu treten, und zwar aus dem Grunde, weil ihre Werke ohnedem diese Verleumdung widerlegen. Gut. Aber die wissenschaftlichen Werke sind ja dem Publikum nicht zugänglich, und bei dem besten Willen kann dasselbe nicht die Frage beantworten: was und worin die Angreifenden recht und unrecht haben, denn diese berufen sich auf Autoritäten, und irgendwo dürfen sie wohl recht haben. Wer es nun mit dieser Frage ernsthaft meint, dem sind solche Bücher, wie das von Boyer nicht nur Zeitvertreib: Er sieht, was denn eigentlich in der Wissenschaft fest steht, was und warum modifiziert wird und erkennt in der Umänderung selber die nötige Folge des Fortschrittes und wird nicht mehr Gehör leisten solchen Pseudopropheten, deren Popularität nur auf dem Unwissen des Publikums ruht. Darum heissen wir das Werk von Boyer willkommen. Die Ausstattung ist elegant, die Schriftweise klar und die Abbildungen samt Portraits fein ausgeführt.

P. K. v. E.

The Construction of large Induction Coils. A Workshop Handbook. By A. T. Hare, M. A. late scholarof Wadham-College, Oxford. With thirty-five illustrations. London 1900. Methuen and Co.

Die epochale Entdeckung der X-Strahlen durch Prof. Röntgen im Jahre 1896 lenkte die Aufmerksamkeit der Physiker und vieler anderer auf die Konstruktion kräftiger Induktorien. Allein in der Litteratur war in dieser Beziehung fast nichts zu finden und das wenige, was überhaupt aufzutreiben war, erwies sich als unzulänglich, wenn nicht gar irreführend. Man war, da diejenigen, welche die Schwierigkeiten der Konstruktion grosser Induktionsspulen überwunden hatten, im eigenen Interesse nichts davon verlauten liessen, zur Erreichung seines Zieles auf mühsames Experimentieren angewiesen, welches wohl in der Mehrzahl der Fälle nicht zu dem gewünschten Erfolge führte, da jede Unvorsichtigkeit bei der manuellen Durchführung die ganze bisher geleistete Arbeit in Frage stellte. Der Verfasser dieses Buches, welcher sich noch als Student mit der Konstruktion kräftiger Induktorien intensiv befasste und die Schwierigkeiten, welche sich der Herstellung derselben entgegenstellten, kennen und überwinden lernte, hat sich nun der dankenswerten Aufgabe unterzogen, seine Erfahrungen auf diesem Gebiete zu sammeln und zu veröffentlichen. Sein Zweck ist hierbei, durch eine das kleinste Detail umfassende Instruktion es jedem Elektroingenieur zu ermöglichen, sich seine Induktorien selbst zu bauen. Die hierin gegebenen Anleitungen, welche alles umfassen, was für die Herstellung solcher Induktorien zu wissen notwendig ist, sind in einer so einfachen und klaren Weise gegeben, dass es selbst dem der englischen Sprache weniger Mächtigen leicht möglich wird, denselben zu folgen. Auf wissenschaftlichen Wert macht dasselbe keinen Anspruch, wiewohl alle durch die Theorie festgesetzten Anhaltspunkte in demselben praktisch verwertet erscheinen, und beschäftigt es sich daher ausschliesslich mit dem praktischen Teile der Konstruktion. Nach eingehender Durchsicht dieser Anleitung darf geschlossen werden, dass das einleitend gegebene Versprechen des Verfassers, es sei jeder in der Lage, durch getreuliche Befolgung aller hier gegebenen Anordnungen eine Induktionsrolle zu bauen, welche Funken von 33 bis 34 cm Länge gibt, thatsächlich erfüllt wird. Da die Ausstattung des Werkes eine vorzügliche ist, die beigegebenen Zeichnungen übersichtlich und deutlich gehalten sind, dürfte, da auch in Deutschland das Bedürfnis nach einem derartigen Werke vorliegt, sich dieses Buch auch in deutschen Leserkreisen einer freundlichen Aufnahme erfreuen.

A. P.

Die mechanischen und elektrischen Konstruktionen für elektrische Eisenbahnen von Joseph Krämer. Leipzig 1900. Oskar Leiner.

Dieses als Hilfsbuch für Maschinen-, Elektro- und Eisenbahningenieure, Konstrukteure und Wagenbauer bestimmte Werk darf hinsichtlich der an dasselbe angeschlossenen 33 Tafeln als die Fortsetzung eignes bereits in zweiter Auflage erschienenen Buches desselben Autors, „Konstruktion und Berechnung für 20 verschiedene Typen von Dynamo-Gleichstrommaschinen, angesehen werden. Unbeschadet dessen bildet jedoch der Text an sich ein selbständiges Ganzes und behandelt derselbe an erster Stelle die allgemeinen und ziffermässigen Vorteile des elektrischen Bahnbetriebes, sodann die bauliche Ausführung von elektrischen Bahnen und ihre Betriebseinrichtungen, sowie die Anordnung und Berechnung der Eisenbahnelektromotore, ferner die Konstruktion verschiedener elektrischer Generatoren für Traktionszwecke und deren Berechnung, und endlich eine Menge Wissenswertes betreffs der für elektrische Eisenbahnen dienlichen Dampf- und anderen Krafterzeuger. Besonders eingehend sind allerdings nur die Elektromotoren und die Generatoren in Betracht gezogen, jedoch findet sich auch in den anderen Abschnitten ausser dem Wichtigsten und Notwendigen mancherlei Praktisches, das in maschinentechnischen Schriften im allgemeinen übergangen oder doch nur flüchtig berührt zu werden pflegt. Ebenso rühmenswert darf es gelten, dass nicht versäumt worden ist, auch der Beleuchtung der kaufmännischen Seite des Gegenstandes gebührenden Raum zu gewähren; was aber schliesslich das Buch als Vademekum im eingangs angeführten Sinne, sowie als Vorlagenwerk für Konstruktionsbureaux wirklich im hervorragenden Masse geeignet macht, sind die zum Teil in Farbendruck ausgeführten, sorgsamst kotierten, vorzüglichen Werkzeichnungen. Gleichwie diese Tafeln verdienen aber auch die 84 in den Text eingesetzten, ebenso schönen als instruktiven Abbildungen und die ganze tadellose Ausstattung des Buches alles Lob. Schliesslich möge aber nicht unerwähnt bleiben, dass der Autor so recht zu einer unbefangenen, eminent sachlichen und klarstellenden Beurteilung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Eisenbahnbetriebsformen berufen gewesen wäre, nachdem derselbe ein ebenso gewiegter und langgedienter Eisenbahnmann ist als Elektriker; er entscheidet jedoch rascher und weitgehender zu Gunsten des elektrischen Betriebes, als es zur Zeit noch unanfechtbar gerechtfertigt erscheint.