Text-Bild-Ansicht Band 316

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16700 qm. Es ist sehr wohl die Annahme berechtigt, dass sich diese grossen Holzsegler geschäftlich rentieren, da schwerlich bei den Amerikanern andernfalls so viele solche Schiffe entstehen würden. Da weiterhin die Löhne in den Vereinigten Staaten hoch sind, so muss der Grund der Herstellung darin gesucht werden, dass billiges und vortreffliches Bauholz zum Holzschiffbau auffordert, und so ist es in der That. Hätte man in Europa, wie einst, gutes und billiges, zum Schiffbau geeignetes Holz, so würde der Holzsegler nicht so schnell mit den Handelsflotten verschwinden, wenn er auch niemals mehr in Konkurrenz mit dem Stahl- und Eisendampfer auf den grossen Meeren treten wird. Als eine ganz besondere Holzkonstruktion sei noch der am 21. März bei der Dundee Shipbuilders Company abgelaufenen „Discovery“ erwähnt, durchweg aus Holz konstruiert, das erste in England direkt für Forschungszwecke gebaute Schiff, bestimmt für die Südpolexpedition. Es deplaciert bei 172 Fuss Länge, 33 Fuss Breite, 16 Fuss Tiefgang 1750 t, hat eine Maschine von 450 Pferdekräften und läuft 8 Meilen. Die Spanten sind Eichenholz, die Aussenhaut besteht aus je einer Lage Eichenholz und Greenheart; der Bug ist mit Stahlplatten aussen verstärkt.

Projekt eines Kreuzers für Aufklärungsdienst.

Kontreadmiral Fitz Gerald hat den Entwurf eines schnellen Kreuzers aufgestellt, dessen Pläne dann von Philip Watts weiter ausgearbeitet sind. Admiral Fitz Gerald gab dieselben gelegentlich der diesjährigen Sitzung der „Institution of Naval Architects“ zu London am 26. bis 28. März zur allgemeinen Kenntnis. Danach wünscht er den Kreuzer 400 Fuss (engl.) lang, 44 Fuss breit, mit 14 Fuss Tiefgang und 3800 t Deplacement. Er soll zwei Schrauben, zwei Maschinen von zusammen

17 000 PS haben und 25 Meilen in der Stunde laufen können (à 1852 m), bei 1/4 der Kessel behufs Reinigung oder Ausbesserung ausser Betrieb aber mit 23 Meilen dauernd die See zu halten im stande sein. Der Schutz besteht aus einem Stahldeck, das an den abfallenden Seiten 2 Zoll, auf den ebenen Flächen 1 Zoll Stärke erhält, während der Kommandoturm durch 4zöllige Platten gesichert wird. Als Armierung sind sechs 4-Zöller (12 cm) Schnelllader hinter 4zölligen Stahlschilden oder gleichstarken Kasematten und zwölf Maschinengeschütze angeordnet. An normalem Kohlenvorrat fasst das Schiff 500 t, derselbe kann jedoch bis auf 1200 t vermehrt werden, wodurch dem Schiff ein Aktionsfeld von 8000 Meilen bei 16 Meilen Fahrt gesichert wird. Als Kesselsystem werden Wasserrohrkessel, Typ Yarrow, vorgeschlagen, und die Kosten, einschliesslich Armierung, auf 270000 Pfd. Sterl. geschätzt. Der Vorschlag stiess auf grossen Widerspruch. Namentlich wurde dagegen angeführt, dass der schwache Kreuzer vor jedem in Sicht kommenden, feindlichen Kreuzer weglaufen müsse, und dass, da man mindestens zehn solcher Schiffe nach etwaiger Annahme dieses Typs bauen müsse, das an Mannschaften 3000 Mann, an Kosten 2,7 Millionen Pfd. Sterl. erfordern würde, ein Aufwand von Kräften und Geldmitteln, die in gar keinem Verhältnis zu dem Nutzen der Schiffe stünde. Philip Watts schlug vor, statt zwei 4-Zöller die gleiche Zahl 6-Zöller (15,2 cm) Schnelllader einzustellen und bemerkte, dass bei einer Deplacementserhöhung um 400 t es möglich sein würde, alle sechs geplanten 4-Zöller durch 6-Zöller zu ersetzen, auch zwei Torpedolancierrohre einzubauen. Der Preis würde sich dann um 40000 bis 50000 Pfd. Sterl. steigern. Eine Annahme des Typs scheint zweifelhaft; 6,5 Millionen Mark für ein „Aufklärungsschiff“ ist allerdings sehr hoch.

Ein neues Acetylenlaternensystem.

Dieses nach Patent Kraus von dem Industriewerke Rossbach G. m. b. H. in Wolfstein auf den Markt gebrachte System unterscheidet sich von den bisherigen dadurch, dass das Wasser nicht auf das Karbid tropft, wodurch schon nach kurzer Brenndauer die Schlammrückstände das noch unverbrauchte Karbid bedecken, so dass dem Wasser kein direkter Zugang zu letzterem möglich ist, was zur Folge hat, dass die Vergasung ungleichmässig vor sich geht, sondern das Wasser kommt hier aus dem Wasserbehälter durch ein konzentrisches Röhrchen und greift das Karbid von unten an; Wasser, Karbid und Kalkhydratrückstände sind voneinander getrennt.

Der Karbidbehälter ist frei schwebend in dem Laternenkörper angebracht. Durch seine eigene Schwere und durch eine darüber befindliche Feder gedrückt, hat derselbe das Bestreben herabzusinken. Daran wird er aber vorläufig gehindert durch einen Teller, der von unten gegen das Karbid drückt (Fig. 1). Sobald die Zersetzung beginnt, drückt sich der Schlamm fortwährend aus dem Gitter des Karbidbehälters heraus und fällt in den darunter liegenden Schlammbehälter (Fig. 2). Eine Folge davon ist, dass in gleichem Masse wie die unteren Schichten des Karbides sich in Schlamm durch die Zersetzung verwandeln und herausgedrückt werden, der Karbidbehälter über den Teller herabsinkt und dabei immer neues Karbid der dicht über dem feiler befindlichen Wasserzuführungsstelle entgegenführt. Es mussalso immer eine gleichmässige Zersetzung und Gasentwickelung stattfinden und eine Verschlammung des intakten Karbides ist ausgeschlossen; ebenso wird auch das lästige Russen vermieden. Die Laterne ist ferner geruchfrei, weil in dem konzentrischen Röhrchen fortwährend eine Wassersäule von 80 mm steht, die das Gas vollständig abschliesst. Durch diese Anordnung wird auch jeglicher Explosionsgefahr vorgebeugt, da ein Ueberdruck der Gase die Wassersäule etwas zurückdrängt, wodurch so lange kein Wasser zum Karbid kommt, bis der Ueberdruck nachgelassen hat.

Textabbildung Bd. 316, S. 435
Textabbildung Bd. 316, S. 435

Um die Lampe ausser Betrieb zu setzen, stellt man die Wasserzuführung durch das Wasserventil ab, wodurch die Flamme in kurzer Zeit verlöscht, ohne Geruch oder Russ zu hinterlassen.

Die Reinigung ist nicht nach jedem Gebrauch der Lampe erforderlich, sondern erst, nachdem die Laterne ihre maximale Brenndauer erreicht hat, die unter normalen Verhältnissen 4 bis 5 Stunden beträgt. Die Lampe kann also in beliebigen Zeitabschnitten durch einfaches Oeffnen des Wasserventils und Anzünden gebraucht werden.

Das System kann deshalb sowohl bei Haushaltungslampen, Strassenlaternen u.s.w., als auch zu besonderen militärischen und technischen Zwecken Verwendung finden. Wie wir erfahren, ist aus den Kreisen der Tiefbautechniker bereits der Wunsch nach einer Kanallaterne geäussert worden und hat die Firma auch bereits ein Modell in Angriff genommen.

Bücherschau.

Die Maschinenelemente, ihre Berechnung und Konstruktion mit Rücksicht auf die neueren Versuche von C. Bach, kgl. württ. Baudirektor, Professor des Maschineningenieurwesens an der kgl. Techn. Hochschule zu Stuttgart. 8. verm. Aufl. 2 Bände, XX und 810 S., 639 Textfiguren, 3 Texttafeln, 57 Atlastafeln und 29 S. Tabellen. Stuttgart 1901. Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung (A. Kröner).

Die allbekannten „Maschinenelemente“, die Grundlage für unser heutiges Maschinenkonstruieren, sind in 8. Auflage erschienen. Den Wert des Buches brauchen wir nicht hervorzuheben, es spricht für sich selbst. Doch hat die neue Auflage so vielseitige Ergänzungen und Erweiterungen erhalten, dass ein kurzer Hinweis auf die wichtigsten darunter am Platz und auch für die Besitzer älterer Auflagen von Interesse sein dürfte.

Der Text ist von 736 auf 808 Seiten angewachsen und einer umfassenden Durchsicht unterzogen worden; es ist besonders hervorzuheben:

Im Abschnitt Elastizität und Festigkeit fanden die neuesten Versuche mit Gusseisen hoher Festigkeit und Gusseisen für Hartguss Berücksichtigung, sowie die Versuche mit Gusseisen und Bronze bei höheren Temperaturen, diese von hoher Wichtigkeit für Dampfleitungen. Ein besonderes Kapitel ist dem Arbeitsvermögen der Konstruktionsmaterialien gewidmet, das für deren Beurteilung neue und wesentliche Gesichtspunkte darbietet.

Im Abschnitt Zahnräder haben Aufnahme gefunden: Die bildliche Darstellung der wechselnden Grösse des Gleitens der Zähne, ferner in kurzem Auszug die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchungen von Ernst über die Eingriffsverhältnisse des Schneckengetriebes sowie eine Darstellung der Konstruktion des Grisson'schen Einzahngetriebes.

Der Abschnitt Riemen- und Seiltrieb wurde durch eine theoretische Untersuchung der Gestalt des „Fadens“ während des Betriebes erweitert.

Eine wesentliche Vermehrung hat der Abschnitt über Lager erfahren: Hier wurden auf Grund neuester Versuche die Kugellager eingehend besprochen, dazu eine Anzahl bewährter Konstruktionen in Textabbildungen dargestellt.