Text-Bild-Ansicht Band 316

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den einzelnen Zellen ist dadurch so gut wie vollständig aufgehoben. Eigentümlich ist nun die Beseitigung der aus den Thonwaren sich entwickelnden Wasserdämpfe. Dieselbe erfolgt nämlich erst dann, wenn das Trockengut eine höhere Temperatur angenommen hat. Es soll dadurch dem Reissen der Thonwaren, welches bei lebhafter Luftzirkulation im Trockenkanal schwer zu vermeiden ist, vorgebeugt werden. Denn es hat sich gezeigt, dass sich frisch geformte Thonwaren in nicht bewegter, bis zu einem gewissen Grade mit Feuchtigkeit gesättigter Luft ohne Schaden auf eine höhere Temperatur bringen lassen und dann ihr Wasser abgeben. Der Erfinder schreibt dem Verfahren die folgenden Vorteile zu:

Textabbildung Bd. 316, S. 445
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Da eine Luftzirkulation im Ofen nicht stattfindet, können die Wasserdämpfe mit weniger Luft gemischt abgezogen oder durch den Schlitz im Gewölbe des Ofens zum Entweichen gebracht werden. Die Regulierung der Luft am Kanaleingang fällt fort. Die Wärme des sich abkühlenden Trockengutes wird wie auch bei anderen Kanalöfen wieder nutzbar gemacht.

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Braucht in Kanalöfen die Ware nur eingebracht, nicht aber allmählich fortbewegt zu werden, dann kann man eine beträchtliche Verminderung des Anlagekapitals dadurch erzielen, dass man die Transportwagen zweiteilig, nämlich mit abnehmbarem Oberteil anordnet (Fig. 30). Der Oberteil d ist durch ein Getriebe c heb- und senkbar eingerichtet. Zugleich sind in den Seitenwandungen des Ofenkanals a Konsolen e oder längslaufende Schienen angebracht, und zwar in einer solchen Höhe, dass die Wagenoberteile über sie hinwegstreichen. Sobald die Wagen an die richtige Stelle gelangt sind, wird der Oberteil so weit herabgelassen, dass er sich auf die Konsolen auflegt. Dannwerden die Stützen des Oberteils auf dem Wagen gänzlich fortgezogen, und das Untergestell zurückgerollt. Letzteres kann nun zur Beförderung anderer Waren, die auf andere Oberteile gelagert sind, benutzt werden, so dass man mit einem Wagenuntergestell den Transport sämtlicher Waren zum Kanalofen bewältigen kann. Zum Herausschaffen des fertigen Gutes wird das Wagenuntergestell wieder unter die einzelnen Oberteile geschoben, letztere werden durch das Getriebe gehoben, auf die auf dem Untergestell angebrachten Stützen gesetzt und ausgefahren.

Das Verfahren, dessen Urheber Dr. H. Herzfeld in Berlin ist, bringt den weiteren Vorteil mit sich, dass die Wagenuntergestelle durch strahlende Ofenwärme nicht geschädigt werden können.

Am Eingang dieses Aufsatzes war als Merkmal des Kanalofens hingestellt, dass der Ofenkanal stets geradlinig gerichtet ist. Nur Oefen, welche dieser Forderung entsprechen, bezeichnet die Technik als Kanalöfen. Indessen sind auch Kanalöfen bekannt, deren Kanal einen ringförmigen Verlauf nimmt. Die ringförmige Anordnung besitzt den Vorzug, dass die fahrbare Unterlage für das Brenn- oder Trockengut während ihres ganzen Umlaufs benutzt werden kann. Dagegen müssen die Wagen bei Kanalöfen mit geradlinigem Kanal nach dem Durchgange durch den Ofen wieder in ihre erste Stellung zurückgebracht werden. Kein geringerer als William Siemens hat zuerst einen derartigen Ofen konstruiert, welcher sich durch seine sehr einfache Bedienung auszeichnet. Der Ofen ist in Fig. 23 im horizontalen Querschnitt und zwar nach der Linie EF (Fig. 26), in Fig. 26 in einem Schnitte nach der Linie AB (Fig. 23), in Fig. 24 in einem Schnitte nach der Linie CD (Fig. 23), in Fig. 25 in einem Schnitte nach der Linie GH (Fig. 23) dargestellt. Fig. 29 zeigt einen vertikalen Schnitt durch einen Generator, Fig. 27 und 28 Schnitte nach den Linien CD und E F GH (Fig. 29).

Die Sohle des Ofens wird durch eine ringförmige Tafel a gebildet, die mit Rädern b auf einem Geleise ruht. Bewegt wird die Tafel entweder mit der Hand oder durch Maschinenkraft mittels eines Zahnrades d, welches in einen an der Unterseite der Tafel befestigten Zahnkranz eingreift (Fig. 25).

Der Ofen zerfällt in drei Abteilungen, den Vorwärmer I, in welchem die Gegenstände langsam erhitzt werden, den Brennraum II, in welchem dieselben der Einwirkung der Flamme ausgesetzt sind, und den Raum III, in welchem sich die Gegenstände abkühlen. Das Gewölbe des Ofens und die Seitenmauern bilden keinen vollständig geschlossenen Ring, sondern lassen eine Stelle IV gegenüber dem Brennraume frei, an welcher man die zu behandelnden Gegenstände einsetzt und sie nach der Behandlung entfernt.

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Im Brennraume ist die Decke des Ofens erhöht; nach beiden Enden hin nimmt sie allmählich oder stufenweise ab. Zur Regelung der Wärme im Ofen sind eine Reihe von Oeffnungen f in der Decke des Vorwärm- und des Abkühlungsraums angebracht. Sie sind mit Regulierschiebern versehen. Demselben Zwecke dienen die Thüren g, welche beide Enden der Kammern verschliessen.

Der Ofen wird in folgender Weise betrieben. Die zu