Text-Bild-Ansicht Band 316

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folgenden jeder solche Wert ζ entwickelt für den Meter als Längeneinheit, so dass also l, u, v in Metern, F in Quadratmetern in die Gleichungen 1, 2 und ähnliche einzuführen sind.

Es sind somit hier für die Cellulose 4,56 und 0,38 als die charakteristischen Grössen anzusehen, die offenbar mit der äusseren Beschaffenheit derselben zusammenhängen.

Ganz ähnliche Verhältnisse finden wir bei den anderen Stoffen. Der charakteristische, eigentümliche Verlauf, welchen wir bei der Cellulose aus den Versuchsresultaten und aus damit zusammenhängenden Betrachtungen folgen sahen, ist offenbar, weil ja die allgemeinen Erwägungen ohne weiteres zu übertragen sind, auch hier zu erwarten.

Textabbildung Bd. 316, S. 458

In der That folgen aus den bezüglichen Versuchsresultaten, indem man ganz analoge Wege, wie sie ausführlich für die Cellulose angegeben worden sind, auch hier wandelt, für die anderen Stoffgattungen ganz ähnliche Formeln, und zwar

für Leinen:

. . 6)

für Baumwolle:

. . 7)

für Holzschliff:

. . 8)

Aus den charakteristischen Grössen, wie sie schon oben für Cellulose genau gekennzeichnet worden und aus jeder der Formeln 6 bis 8 ohne weiteres für die anderen Stoffgattungen zu entnehmen sind, ist deutlich die wesentliche Verschiedenheit in dem Verhalten der Stoffgattungen bei dem Strömen durch das kurze konische Ansatzrohr zu erkennen, was gewiss in der Natur der angewendeten Materialien seine Erklärung zu finden hat. Insbesondere sei hingewiesen auf die Baumwolle, welche die relativ grössten, und auf Holzschliff, welcher die relativ kleinsten Widerstände verursacht, ein Resultat, welches durch die übrigen Versuche recht gut bestätigt wird, was schon jetzt erwähnt werden mag. Bei Baumwolle sehen wir schon bei 3,79 %, bei Holzschliff erst bei 5,18 % den Widerstand ausserordentlich gross werden. Die Trägheit bei Baumwollstoff kann in der gekräuselten Beschaffenheit der Fasern gute Erklärung finden, weil dadurch inniges Verschlingen der Fasern untereinander und damit Erhöhung des inneren Widerstandes anzunehmen ist. Beim Holzschliff mögen die „Inkrustationen“, welche in der Papierfabrikation sonst mit Hecht gehasst sind, die leichtere Beweglichkeit der Fasern veranlassen. Insbesondere die harzigen Bestandteile dürften bei der hervorgehobenen Erscheinung stark beteiligt sein.

Bevor wir zur Ermittelung der übrigen Widerstandsformeln übergehen, muss trotz der prächtigen Uebereinstimmung, welche die Versuche mit den gefundenen Gleichungen für ζe aufweisen, an eine Verbesserung derselben gedacht werden. Es wurde aufmerksam gemacht, dass jene Gleichungen ζe für gewisse Stoffgrenzprozente unendlich gross werden lassen. Innerhalb der durch die Versuche gegebenen Grenzen stimmen allerdings Gleichungs- und Versuchswerte sehr gut. Aber darüber hinaus, bei noch dickeren als den für die Versuche gewählten Stoffen? – Da ist es als zweifelhaft hervorzuheben, dass dickere, ja sogar feste Stoffe, wenn auch meist unter ausserordentlicher Kraftentfaltung, dock mit allerdings kleiner Geschwindigkeit ausgepresst werden können. Es sei nur des Bleirohrpressens, der Ziegelpressen u. dgl. gedacht.

Aber auch für den Holländer hat Direktor Schacht im Wochenblatt für Papierfabrikation, 1895 S. 3689, angegeben, dass er bei einer neuen, besonderen Holländerkonstruktion noch bei 12,2 % (lufttrocken) Strohcellulosegehalt 18,33 mm Oberflächengeschwindigkeit des Stoffes im Troge nachzuweisen vermochte.

Es ist somit praktisch möglich, auch sehr, ja ausserordentlich dicke Stoffe, wenn auch mit kleiner Geschwindigkeit zum Fliessen zu bringen. In der That könnte man sich vorstellen, dass ganz trockener, also 100prozentiger Stoff, bei hinreichender Kraftanwendung ausgepresst werde.

Die Korrektur, welche wir deshalb bei ζe anbringen müssen, hat sich somit in jenen Grenzen zu halten, dass für 1 m Geschwindigkeit, die im früheren angenommen gedacht war, ζe sich nicht ändert, dass aber die Gleichungen 5 bis 8 rascher steigende Werte für noch grössere Geschwindigkeiten als Im, wenn auch sehr langsam mit dem Wachsen derselben, andererseits aber noch davon unendlich verschiedene Werte für jene Fälle liefern, wo dickere Stoffe, als durch die mehrerwähnten Stoffgrenzprozente bezeichnet, mit kleiner Geschwindigkeit bewegt werden.

Es ist also ein gewisser Zusammenhang zwischen Prozentgehalt des Stoffes und Geschwindigkeit desselben herzustellen. Nach mannigfachen Versuchen wurde gefunden, dass dann, wenn für den praktischen Gebrauch nicht unangenehm verwickelte Formeln aufgestellt werden sollen, ausreichend genügt wird, wenn in 5 bis 8 statte gesetzt wird:

. Dann sind für sehr kleine Stoffgeschwindigkeiten (an der Grenze Null) noch beliebig hohe Fasergehalte im Stoffe möglich. Auch wächst über 1 m Stoffgeschwindigkeit hinaus das Produkt
nur wenig rascher als mit p allein, so dass die in den Tabellen vorgenommenen Reduktionen auf 1 m Geschwindigkeit innerhalb der Versuchsgrenzen ohne grosse Fehler auch für ziemlich hohe Geschwindigkeiten angängig sind. Es folgen somit die verbesserten Gleichungen für: