Text-Bild-Ansicht Band 316

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Tag des Versuches 21. 11. 00 12. 2. 01 16. 2. 01 20. 2. 01
Tourenzahl pro Minute 136,3 137,4 149 148


Dampfmaschine
Dampfdruck in at Ueberdruck
Dampftemperatur in °C
Ueberhitzung in °C
Vakuum in % der at
PSi
Dampf pro PSi in kg pro Stunde
11
309
122
80,5
127,1
5,0
11
306
119
85
103,1
6,45
11
189,5
3
68,2
158,7
7,3
11,5
326
138
69,1
142,6
5,98


Abwärmemaschine
Verdampfertemperatur in °C.
Verdampferdruck in at Ueberdruck
Kondensatortemperatur in °C.
Kondensatordruck in at Ueberdruck
PSi
Leistung in % der Dampfmaschinenleistung
56,5
9,0
18,8
2,35
43,5
34,2
50,4
7,8
18
2,28
31,5
36,5
67,5
12,7
21,1
2,71
67,1
42,1
68,6
12,9
19,4
2,44
56,5
39,5
Kombinierte Masch. Leistung in PSi
Dampfverbrauch in kg pro Stunde und PSi
170,6
3,74
134,5
4,92
225,7
5,15
199,1
4,28
Bemerkung Beim Versuch am 20. 2. 01 war der Mitteldruckcylinder der Hauptdampfmaschine ausgeschaltet.

versehen und ist wegen Platzmangel in einem engen Raum ohne direkten Zutritt von Licht und Luft aufgestellt, was zur Genüge die Sicherheit und Gefahrlosigkeit des Betriebes beweist.

Der Kühlwasserverbrauch der Abwärmekraftmaschine ist ungefähr derselbe, wie bei der Hauptdampfmaschine, Cylinderschmierung fällt infolge der schmierenden Eigenschaften der Schwefligsäure weg. Die Wartung der Abwärmekraftmaschine verlangt vom Maschinisten nicht mehr Aufmerksamkeit und Intelligenz, wie die einer gewöhnlichen Dampfmaschine.

Auf Grund der Erfahrungen mit den ausgeführten Abwärmekraftmaschinen hat Prof. Josse Rentabilitätsberechnungen aufgestellt, die wir hier nicht ausführlich mitteilen können, und die einen ganz bedeutenden Vorzug der kombinierten Maschine gegenüber der gewöhnlichen Dampfmaschine darthun. Für die Erweiterung der bereits bestehenden Dampfkraftanlagen erweist sich der Anbau einer Abwärmemaschine als überaus rentabel.

Schiffbau in Deutschland im Sommer 1901.

Am 6. und am 12. Juni sind zu Danzig bei F. Schichau und zu Gaarden bei Kiel auf der Germaniawerft zwei Linienschiffe für die deutsche Kriegsflotte vom Stapel gelaufen und „Wettin“ hezw. „Zähringen“ getauft worden. Es sind stattliche Schiffe von 11800 t Deplacement einer Klasse, deren erster Repräsentant, „Witteisbach“, am 3. Juli 1900 auf der Kaiserlichen Werft zu Wilhelmshaven zu Wasser gebracht wurde. Diese drei Schiffe weichen nur wenig von den fünf älteren der „Kaiser“ klasse ab, von welchen gegenwärtig drei fertiggestellt wurden, während eins, „Kaiser Karl der Grosse“, ausgerüstet wird, das fünfte, „Kaiser Friedrich III.“, einer längeren Reparatur unterzogen werden muss. Nimmt man die vier in Ostasien thätig gewesenen Linienschiffe der Klasse „Kurfürst Friedrich Wilhelm“ hinzu, so erhält man die Zahl aller im Wasser befindlichen deutschen Schlachtschiffe erster Klasse. Es sind zwölf, wovon sieben gefechtsbereit, aber nur drei in den heimischen Gewässern. Die Schiffe erhalten durchweg Schnellladerartillerie, bestehend aus vier 24 cm L./40, zu je zwei in gepanzerten Drehtürmen, sechs ebenso paarweise aufgestellten 15 cm L./40 in Türmen, zwölf gleichen Geschützen in Panzerkasematten, zwölf 8,8 cm hinter Schilden, zwölf 3,7 cm-Maschinenkanonen und zwölf 8 mm-Maschinengewehren. Es ist dabei zu bemerken, dass man die 24 cm „Schnellladekanonen“ nennt, und dass sich aus dieser Bezeichnung die Meinung Bahn gebrochen hat, ihre Feuergeschwindigkeit wäre der von Geschützen gleichen Kalibers anderer Marinen, natürlich nur Geschütze neuester Konstruktion angenommen, sehr erheblich, vielfach sogar überlegen. Die 24 cm L./40 Krupp braucht zur Abgabe eines Schusses eine Minute mindestens, und der neueste 30,5 cm Drahtkonstruktion von Vickers Maxim, Barrow in Furness braucht etwa, dieselbe Zeit, ohne dass man dieses Geschütz, mit welchem die englischen Panzer von „Formidable“ an, abgelaufen Portsmouth am 17. November 1898, bewaffnet sind oder werden, als Schnelllader bezeichnet. Das englische Geschütz brauchte bei dem Probeschiessen auf dem Artillerieschulschiff „Excellent“ im Frühjahr 1900 diese Zeit, die letzten beiden Schüsse feuerte es sogar nach der Deutschen Marine-Rundschau, Heft 6, 1900, mit einem Zwischenraum von 51 Sekunden, so dass von grosser Feuerüberlegenheit, betreffs der Schnelligkeit der Schussabgabe, deutscherseits wohl nicht die Rede sein kann. Die mittlere Artillerie der deutschen Schiffeist ausserordentlich stark und den in Bau und Ausrüstung befindlichen englischen Schlachtschiffen von 15000 t Deplacement, die nur zwölf 15,2 cm führen, recht erheblich überlegen, während die beiden in Bau zu nehmenden englischen Linienschiffe acht 19 cm, acht 15,2 cm erhalten sollen. Die „Wittelsbach“klasse zeigt insofern Aenderungen gegen die „Kaiser“klasse, als man die Rohrachsen der beiden 24 cm-Geschütze des vorderen Turmes, welche bei der „Kaiser“klasse 8 m über der Wasserlinie liegen, 1 m höher gelegt hat, so dass sie 9 m hoch über die Schwimmlinie kommen, während die Hauptgeschütze des hinteren Turmes nur 6,5 m Achsenhöhe erhalten. Die Panzerung aus nach Krupp's Patent gehärtetem Nickelstahl umfasst Gürtel, Türme, Kasematten, Kommandoturm und ein bis 7,5 cm starkes Deck. Man erhofft von den drei zusammen 15000 PS leistenden Maschinen, die von sechs Cylindern und sechs Wasserrohrkesseln, Typ Thornycroft-Schulz, Dampf bekommen und drei Schrauben treiben, 19 Meilen Fahrt.

Von derselben Klasse befinden sich noch zwei Schiffe, „F“ beim Vulkan zu Bredow bei Stettin und „G“ auf der Kaiserlichen Werft zu Wilhelmshaven im Bau. Zwei weitere Linienschiffe eines neuen Typs sind im Mai vergeben, „H“ an die Germaniawerft, „J“ an die Werft F. Schichau zu Danzig, und es verlautet, dass auch bereits „G“. Aenderungen dieses neuen Typs erhalten soll, die sich namentlich auch darauf erstrecken werden, dass man das Kaliber der Hauptgeschütze vergrössert. In der That haben, ausser den viel kleineren Oesterreichern der Klassen „Habsburg“ und „Monarch“, welche 25 cm führen, Schlachtschiffe erster Klasse so kleine Kaliber nicht wie die deutschen fertigen und in Bau und Ausrüstung befindlichen Schlachtschiffe, und Italien, welches auf den beiden 9800 t grossen „Emanuele Filiberto“ und „Ammiraglio di Saint Bon“ den 25 cm ebenfalls aufgestellt hat, ist bei der Konstruktion der nächsten Schiffe, „Benedetto Brien“, „Regina Elena“, „Roma“ und „Vittorio Emanuele“, wieder zum 30,5 cm hinaufgegangen, unter welchem Kaliber einzig und allein die Artillerie des Deutschen Reiches in der Marine von allen bedeutenderen Seemächten verblieben ist und wohl auch vorläufig zu verbleiben gedenkt, denn die Geschütze der Linienschiffe neuen Typs sollen 28 cm sein.

Die Schnelligkeit der Herstellung der Linienschiffe von der Kiellegung bis zur Seeklarheit hat auf den deutschen Werftetablissements in den letzten Jahren sehr bedeutende Fortschritte gemacht, und dieser Zustand wird sich stetig bessern, je mehr es gelingt ein ständiges, geschultes Arbeiterpersonal heranzubilden, wie es die grossen, alten Werften Englands besitzen. Diese werden allerdings an Schnelligkeit noch lange nicht erreicht. Die Flaggschiffe des jetzigen britischen Kanalgeschwaders, „Majestic“ und „Magnificent“, sind zwei Jahre nach ihrer Inangriffnahme in Dienst gestellt worden und befinden sich darin ununterbrochen sechs Jahre lang, so dass es müssig erscheint, den englischen Schiffbau unter grosser Lobspendung für den eigenen zu misskreditieren, wie das jetzt Mode zu sein scheint. Die soeben abgelaufenen Linienschiffe werden rund zwei Jahre gebrauchen bis sie dienstbereit sind, im ganzen also etwa drei Jahre oder vielleicht etwas weniger. „Kaiser Barbarossa“, der am 10. Juni 1901 in Dienst gestellt wurde, lief am 21. April 1900 bei Schichau zu Danzig ab, gebrauchte zu seiner Ausrüstung sonach nur 14 Monate, hat aber noch Probefahrten und Geschützproben zu erledigen. „Kaiser Wilhelm II.“, als Flottenflaggschiff und mit Räumen für den Kaiser ausgestattet, wurde zu Wilhelmshaven begonnen am 26. Oktober 1896, lief ab am 14. September