Text-Bild-Ansicht Band 316

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von Pastillen gebracht, die sich den Ausmessungen des Innern der an die Nickelplatten anzuheftenden Tröge in der Weise genau anpassen, dass sie sich in diese Tröge leicht einsetzen lassen, deren Raum aber vollständig ausfüllen. Die auf diese Weise präparierten positiven Platten werden nunmehr in einer nach aussen abgeschlossenen Büchse durch 6 bis 7 Stunden einer Temperatur von 260 ° ausgesetzt, wodurch sich das rote Kupferoxydul in schwarzes Kupferoxyd verwandelt. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Temperatur nicht über diese Grenze steigt, weil sonst die Dichtigkeit des Materials erhöht wird. Diese Platten werden hierauf elektrolytisch behandelt, um das Kupferoxyd zu metallischem Kupfer zu reduzieren.

In ähnlicher Weise wird das durch den vorhergehenden Prozess erhaltene Kadmium zu Pastillen geformt und in die Tröge der negativen Platten eingefüllt.

Die Tröge, in welche die auf diese Weise präparierten Platten eingesetzt werden, sind aus Nickel oder aus im Innern vernickeltem Eisen hergestellt. Dieselben können nach aussen hin vollkommen abgeschlossen sein und genügt eine ganz kleine Oeffnung im Deckel, um den Gasen, welche sich nahe dem Ende der Ladung bilden, einen Abzug zu verschaffen. Als Elektrolyt wird eine 10%ige Lösung von reiner kaustischer Soda verwendet.

Der sich bei der Ladung und Entladung abspielende chemische Vorgang ist ein sehr einfacher. Im normalen Zustande ist das Kadmium oxydiert, während das Kupfer metallisch bleibt. Wird das Element geladen, so findet vorerst eine Zersetzung des Wassers statt, wodurch sich Kupferoxyd bildet und das Kadmiumoxyd zu metallischem Kadmium reduziert. Bei der Entladung bildet sich wieder Kadmiumoxyd und metallisches Kupfer.

Nach Edison's Angaben bedarf dieser Akkumulator nur sehr geringer Mengen des Elektrolytes, um die vorgeschriebenen Reaktionen aufrecht zu erhalten, und sollen die positiven und negativen Platten unter Zwischenlage von mit der Flüssigkeit imprägnierten Asbestplatten zusammengepresst und so auf einen sehr engen Raum beschränkt werden können.

Da das spezifische Gewicht der verwendeten Materialien ein bedeutend geringeres ist als das des Bleies und der Bleipräparate, können alle Dimensionen bei gleicher Leistungsfähigkeit viel geringer gehalten werden, und muss sohin das Gewicht dieser Akkumulatoren, nachdem dieselben ausserdem nur sehr geringer Mengen von Elektrolytflüssigkeit bedürfen, bedeutend geringer werden.

Die elektromotorische Kraft dieses Akkumulators wird mit 0,44 Volt angegeben, eine Ziffer, die befremdend wirkt, da sich Kadmium in der Spannungsreihe ziemlich nahe dem Zink anreiht, und die ähnlichen Akkumulatoren von Desmazures-Commelin de Baillache, bei welchen nur das Kadmium durch Zink ersetzt ist, eine Spannung von 1 Volt ergeben sollen, sohin eine derartige Herabminderung der Spannung ziemlich unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Ueber den inneren Widerstand, die Lade- und Entladestromstärke, sowie über den Spannungsabfall bei der Entladung und den Wirkungsgrad' fehlen alle Angaben. Soweit dies nach dem chemischen Vorgange beurteilt werden kann, wird jedoch der Nutzeffekt eher grösser als kleiner sein, wie bei den Bleiakkumulatoren, indem sich hier keine Zwischen Verbindungen bilden, während bei letzteren die Bildung von Bleisulfat einen erhöhten Spannungsabfall bedingt und den Wirkungsgrad namentlich bei grösseren Entladestromstärken ungünstig beeinflusst.

Hiergegen dürften die Beschaffungskosten, wie sich schon aus der Verwendung der teueren Rohmaterialien und aus der komplizierten Präparierung derselben ergibt, wesentlich höher sein als die der Bleiakkumulatoren.

Ueber die Haltedauer dieser neuen Sammlerbatterien im praktischen Betriebe fehlen selbstredend noch die Erfahrungen. Aus alledem zieht sich der Schluss, dass dieser neue Sammler, wenn er die sonstigen angegebenen Vorzüge auch wirklich besitzt, mit dem Bleisammler kaum in jenen Fällen, wo grosse Wirksamkeit bei geringem Eigengewicht, wie bei den elektrischen Selbstfahrern gefordert wird, in wirksamen Wettbewerb einzutreten vermag, weil die geringe elektromotorische Kraft die fünffache Anzahl der Zellen erfordert, um die gleiche Spannung wie bei dem Bleisammler zu erhalten.

Diese Erkenntnis scheint Edison auch bewogen zu haben, seine Studien noch weiter auszudehnen. Sein Hauptbestreben war dahin gerichtet, das Kupferoxyd, welches bisher in der Mehrzahl der Elemente den zur Durchführung der chemischen Prozesse im Innern derselben erforderlichen Sauerstoff lieferte, durch ein anderes entsprechendes Material zu ersetzen. Unter den bekannten Metallen sind es namentlich Quecksilber und Silber, welche aus ihren Sauerstoffverbindungen den Sauerstoff leicht abgeben und daher als Ersatz für das Kupfer in Betracht gezogen werden können. Sie konnten jedoch aus dem Grunde keine Verwertung finden, weil sich bei deren Anwendung in alkalischen Elektrolyten gewisse Schwierigkeiten ergeben und namentlich Silber in dem Elektrolyte teilweise löslich ist. Ausserdem bildet der Preis dieser Materialien ein Hindernis für deren allgemeine Verwertung.

Textabbildung Bd. 316, S. 470
Textabbildung Bd. 316, S. 470
Textabbildung Bd. 316, S. 470
Textabbildung Bd. 316, S. 470

Während seinen Untersuchungen ist es Edison nach seinen Angaben, wir folgen hier der Beschreibung des am 27. April 1. J. herausgegebenen englischen Patentes Nr. 2490, gelungen, ein Element zu finden, welches den Sauerstoff bei der Entladung viel leichter abgibt als Quecksilber, hierbei verhältnismässig billig, von geringem Gewichte und grosser Dauerhaftigkeit und im Elektrolyte fast absolut unlöslich ist.

Es ist ihm auch gelungen, ein neues oxydierbares Element für die Anwendung in derartigen Batterien zu finden, welches geringes Gewicht hat und dessen Erzeugungskosten verhältnismässig nieder sind.

Diese beiden neuen Elemente werden zweckmässig gemeinsam zur Bildung von Sammlerzellen verwendet; wiewohl dieselben selbstverständlich unabhängig von einander in anderen Kombinationen Verwertung finden können.