Text-Bild-Ansicht Band 316

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Stromes scheint ein Irrtum vorzuwalten, indem die Annahme, es wirke das Elektrolyt nur als Kanal für den Sauerstoff, welcher von einer der Elektroden zur anderen wandelt, den allgemein bekannten Gesetzen der Elektrolyse direkt widerspricht.

Es muss hier ebenso wie bei allen derartigen Prozessen vorerst das Kalkhydrat zerlegt werden, dessen Zersetzungsprodukte auf das Wasser einwirken, welches nunmehr Sauerstoff an die neue Elektrode abgibt, während der freiwerdende Wasserstoff das Eisen reduziert und mit dem entnommenen Sauerstoff neuerlich Wasser bildet.

Ein abschliessendes Urteil über den neuen Akkumulator lässt sich allerdings noch nicht fällen, indem Erfahrungsdaten überhaupt noch nicht vorliegen, während doch nur die praktische Erfahrung, unterstützt von eingehendenwissenschaftlichen Untersuchungen, einen sicheren Schluss zu ziehen gestattet. Aber selbst wenn dieser neue Akkumulator alles das hält, was demselben angerühmt wird, dürfte derselbe den altbewährten Bleiakkumulator nicht aus allen seinen Anwendungsgebieten zu verdrängen vermögen. Hingegen scheint demselben, sofern er nur ausreichende Widerstandsfähigkeit erweist, um einige Hunderte von Ladungen und Entladungen auszuhalten, ohne wesentliche Einbusse an seinen Qualitäten zu erleiden, ein grosses Feld der Verwertung überall dort gesichert, wo grosse Kapazität und grosse Widerstandsfähigkeit gegen abnorme Beanspruchung bei geringem Gewichte erfordert wird, Anforderungen, welchen der Bleiakkumulator wenigstens dermalen noch nicht Rechnung zu tragen vermag.

Der Holländer.

Von Professor Alfred Haussner in Brünn.

(Fortsetzung von S. 456 d. Bd.)

2. Der Reibungskoeffizient.

Schwieriger als für das Rohr E sind aus den Versuchen die Formeln für die übrigen Rohre und Rohrverbindungen zu ziehen.

Die grösseren Rohrlängen verursachen nämlich einen schon sehr merklichen Reibungswiderstand. Ausserdem kommt aber bei allen Versuchen, welche für grössere Rohrlängen ausgeführt worden sind, der Krümmungswiderstand hinzu, den der Krümmer B verursacht. In diesem allein haben wir aber nicht bloss Krümmungs-, sondern auch Reibungswiderstand. Dadurch wird die Auswertung der Versuche etwas verwickelter. Wir können etwa so vorgehen.

Den Widerstand, welchen E allein veranlasst, haben wir für alle Fälle ermittelt. Von der in den Versuchen für E + B etwa gefundenen Widerstandshöhe haben wir somit nur die für E allein bereits bekannte abzuziehen, um den durch den Krümmer allein verursachten Widerstand zu bekommen. In dem so gefundenen Wert ist aber Krümmungs- und Reibungswiderstand enthalten. Um die Werte zu trennen, dürfte es hier am einfachsten sein, den Reibungswiderstand zuerst zu bestimmen.

Das ist nun nicht besonders schwierig. Wir finden sehr viele Werte für die summarischen Widerstände von E + B und einem geraden Rohrstück. Subtrahieren wir von diesem Werte jenen für E + B, so erhalten wir den Wert für den Widerstand in dem geraden Rohrstück allein und dieser Widerstand ist doch im Wesen nur auf die Reibung zu setzen. Ein Beispiel mag den Vorgang näher erläutern.

Für Cellulose finden wir bei Versuch 203 und 204 für E + B* bei 2% Stoffgehalt die summarische Widerstandshöhe (auf 1 m Geschwindigkeit reduziert gedacht) 20,7 mm. Unter sonst gleichen Bedingungen sehen wir aber in Versuch 216 bis 218 für E + B* + C* die summarische Widerstandshöhe gleich 203 mm. Somit bleibt für C* allein die Differenz: 203 – 20,7 = 182,3 mm, was ganz auf die Reibung zu schieben ist, weil auch die Kontraktion bei dem Ausfluss aus B* wohl gleich mit jener beim Ausfluss aus Rohr C* anzunehmen und die Widerstandshöhe hierfür schon in der summarischen Widerstandshöhe für E + B* enthalten ist. In der Formel 1 sind dann aber sämtliche Grössen bis auf ζr bekannt, so dass ζr, leicht ausrechenbar ist.

Wenn wir auf die hier geschilderte Art fortfahren, so können wir die Widerstandskoeffizienten für die Reibung unschwer für die verschiedenen, durch die Grenzen der Versuche beschränkten Fälle ermitteln.

Doch fällt bei tieferem Eingehen eine besondere Eigentümlichkeit auf. Wenn wir besonders bei den dickeren Stoffen, bei welchen ungemein träges Ausfliessen durchdie rund 2 m langen Rohre zu bemerken war und durch die bezüglichen Zahlen der Tabellen gekennzeichnet worden ist, den der Länge des Krümmers entsprechenden Anteil der Reibung gemäss Formel 1 mit den nach dem soeben Auseinandergesetzten für die geraden Rohre folgenden Widerstandskoeffizienten ζr ermitteln, so zeigt sich die bezügliche Widerstandshöhe grösser als überhaupt an summarischer Widerstandshöhe, also für Reibung und Krümmungswiderstand u. dgl. zusammengenommen sich aus den Versuchen direkt ergeben hat. Dies ist ein so auffallender Widerspruch, besonders wenn man die bedeutenden Zahlenunterschiede bedenkt, die sich solcherart ergeben, dass Aufklärung nicht in zufälligen Versuchsfehlern, sondern anderwärts gesucht werden muss.

Es wurden Kontrolversuche ausgeführt. Für 3,17 % Baumwollstoffgehalt folgt in Versuch 105, 107, wenn Rohr E + B* arbeitet, 60 mm Widerstandshöhe, in Versuch 110 bis 112 für Rohr E + B* + C* 1697 mm, somit aus der Differenz für das rund 2 m lange Rohr C* 1637 mm Widerstandshöhe (immer auf 1 m Geschwindigkeit in oberwähnter Art reduziert gedacht). Aus den Versuchen 238 bis 240 entnehmen wir aber für die Rohrzusammenstellung E + B* + A* unter ganz analogen Verhältnissen an Reibungswiderstandshöhe für das Rohr A* nur 73 – 60 = 13 mm. Nun hat allerdings Rohr A* rund nur 1/9 der Länge von Rohr C*, aber wenn wir auch die eben erhaltenen 13 mm neunmal nehmen, so bekommen wir doch nur 117 mm gegen 1637 mm, welche für Rohr C* direkt folgten. Dies macht so viel aus, dass man meinen könnte, die Widerstandshöhe für Reibung nehme etwa mit der dritten Potenz der Länge des Rohres und nicht mit der ersten Potenz, wie in Formel 1 angenommen, zu.

Hierfür ist aber nach Ansicht des Verfassers gar kein plausibler Grund auffindbar. Die Reibung hängt förmlich augenscheinlich mit der einfachen Rohrlänge zusammen, weil das Anhängen der Fasern im Wesen gleichartig nach der ganzen Rohrlänge anzunehmen ist. Nun sind glücklicherweise diese auffallenden Zahlen gerade durch Beobachtungen, die während der Versuche gemacht worden sind, erklärbar auf andere als so gezwungene Art und Weise, wie es die Annahme des Wachsens des Widerstandes mit der dritten Potenz der Länge wäre.

Besonders deutlich bei den bedeutenderen Stoffprozenten zeigten sich nämlich während des Ausflusses Filtrationserscheinungen. Es floss teilweise Wasser, teilweise merklich dünner Stoff aus, trotz der Dicke des Stoffes im Troge.

Der Stoff fliesst eben träge, hat somit Zeit und desto mehr Gelegenheit, je länger das Rohr ist, sich an den Wandungen anzusetzen, es bilden sich „Katzen“, welche sich schliesslich zu grösseren Stoff klumpen gestalten, welche wohl das Wasser, aber nur schwer Stoffteile durchlassen,