Text-Bild-Ansicht Band 316

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während der Heizung. An verschiedenen Stellen der Hauptleitung befinden sich mit Sieben versehene Dampföffnungen, um den Dampf mit dem Kondenswasser in die Heizkörper einzulassen (Fig. 20), über denen Regulierungshähne, welche vom Wageninneren bethätigt werden können, angebracht sind. Die Heizkörper, in welche der Dampf eingeführt wird, enthalten 12 l Wasser; die Heizröhren stehen mit der Aussenluft in Verbindung. Der äusserste Heizkörper endet in einen mit einem Luftablassrohr versehenen Druckregler, während sämtliche Heizkörper mit einem Heizrohr zur Erwärmung des Ganges verbunden sind. Die Füllung der Heizkörper und Röhren geschieht mittels eines ausserhalb der Wagen angebrachten Fülltrichters.

Heizungssystem von J. Grouvelle und H. Arquembourg. Ausser den von den Eisenbahngesellschaften vorgeführten Heizungsanlagen für Eisenbahnwagen ist noch die Heizungsanlage von J. Grouvelle und H. Arquembourg mit Niederdruckdampf zu erinnern, welche bereits zur Heizung von Wohnungen angewendet wurde. Die beistehenden Abbildungen (Fig. 21 bis 23) zeigen die Anlage in einem senkrechten Schnitt durch einen Eisenbahnwagen, einer Sonderdarstellung des Dampfkessels und einem wagerechten Schnitt, in welchem die strichpunktierten Linien die Leitungsanlage bezeichnen.

Der Vorderteil der Heizungsanlage, welche in ihrer ganzen Gestaltung parallelepipedisch gestaltet und mit einem Mantel von Wärme schlecht leitenden Material bekleidet ist, enthält die Feuerbüchse a mit einem mittels eines Handgriffes a2 verstellbaren Rost a1. Das Feuerungsmaterial wird durch den Schacht a3 eingeführt, welcher durch den Ofen a4 hindurchgeht; die Einfuhr des Materials wird durch eine Anzahl Mitnehmer a5 von verschiedener Länge geregelt. Die vollkommene Verzehrung des Kohlenoxydes wird durch die Luftöffnungen a6 befördert. Die zum Verbrennen notwendige Luft wird durch einen durch den entwickelten Dampf selbstthätig regulierten Mechanismus zugeführt, zum Zweck, die Verbrennung von der Schnelligkeit des Zuges unabhängig zu machen. In dem Oberteil des Leitungsrohres a8 sind zu diesem Zweck ineinandersteckende Kasten a9 und a13 angebracht, in deren ersterem ringförmige Röhren untergebracht sind, über und unter welchen sich ausgebauchte metallische Membrane befinden, so dass das Ganze eine Art Blasebalg bildet, dessen Inneres durch das Rohr a11 mit der Dampf kämm er in Verbindung steht. Das äussere Ende dieses Rohres mündet in eine Flüssigkeit von geringer Dichtigkeit, so dass einerseits der Dampfdruck nicht plötzlich eintreten kann, andererseits aber die durch die Bewegung des Wagens erzeugte Erschütterung keinen nachteiligen Einfluss ausüben kann.

Das Austreten von Flüssigkeit wird durch einen abschraubbaren, durch eine Querstange a12 gesicherten Deckel verhindert. Ueber der Querstange ist ein Verschlussdeckel a14 angebracht, welcher den Bewegungen des Gebläses nachgibt und mehr oder weniger den durchlochten Deckel a15 festhält und hierdurch den Eintritt von Luft regelt. Die Lage des Deckels ist ein für allemal durch die Feststellung a16 gesichert. Der Hinterteil der Heizanlage enthält die Röhren a18 mit der Rauchkammer a19, von welcher das Abführrohr a20 für die Verbrennungsgase abzweigt.

Textabbildung Bd. 316, S. 498

Ueber dem Dampfkessel sind die Ableitungsrohre a21 und a21' angeordnet, welche sich beide in je zwei Arme teilen und in je einen Wasserstandshahnen BB1 auslaufen. Sie gehen in systematischen Richtungen durch die Heizkörper CC1 und teilen sich hierauf in zwei andere Arme, durch welche die Rohre DD1 gespeist werden. An den Endpunkten der letzteren sind zwei Visierrohre EE1 angebracht, deren untere Enden mit der Abflussleitung a1 verbunden sind und in ein Sammelrohr a26 enden, welches in das Wasser des Dampfkessels mündet, so dass der Dampfdruck im äussersten Falle der durch den Hauptsammler a25 abgesonderten Wasserhöhe gleichkommt. Uebersteigt der Dampfdruck diese Höhe, so tritt das Wasser durch das Rohr a26 in den Behälter E und es tritt ein Gemisch von Dampf und Wasser durch das Rohr a29 in den oberen freien Teil des Behälters ein und löscht durch das Rohr a29 das Feuer.

Diese Heizungsanlage dient grösstenteils für einzelne Eisenbahnwagen, kann jedoch auch für Durchgangswagen angewendet werden, in welchem Falle der Dampf der Lokomotive entnommen wird. Teilweise wurde diese Heizung bei der Linie Paris-Lyon-Marseille, von welcher vorstehend die Rede war, angewendet. Sie zeichnet sich besonders dadurch aus, dass der Dampfdruck für die Leitungen leicht geregelt und infolgedessen eine je nach Wunsch angemessene Temperatur für jede einzelne Abteilung erzielt werden kann.

Das in den Eisenbahnwagen in Deutschland, Oesterreich und Ungarn angewendete Heizungssystem beruht in grösseren oder geringeren Abweichungen auf dem System Haag. Dieses bezweckt im Gegensatz zu Frankreich und