Text-Bild-Ansicht Band 316

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Holland, wo vorzugsweise die Erwärmung der Füsse der Reisenden bezweckt wird, die Erhitzung des Wageninneren mittels unter den Bänken angebrachter Leitungen.

Die in Fig. 24 bis 26 dargestellten Leitungen BCDEF sind mit der Hauptleitung A mittels einer mit einem Rundschieber versehenen Verteilungsbüchse H verbunden, welche vom Wageninnern mittels eines Hebels J bethätigt werden kann. Der Schieber ist mit einer Oeffnung versehen, Welche während der Heizung mit einer Ablassöffnung der Verteilungsbüchse H kommuniziert; ist dagegen die Heizung nicht in Thätigkeit, so werden mittels des Schiebers die Leitungen mit der atmosphärischen Luft verbunden, Welche, an Stelle des Dampfes tretend, die Abkühlung bewirkt und das Kondenswasser austreten lässt. Die Wagengänge werden durch eine doppelte Leitung J und K, welche direkt von der Hauptleitung abzweigt, und das Waterklosett durch einen Cylinder G geheizt. Eine Anzahl von Wagen ist unabhängig von der Dampfheizung mit Brikettbehältern für den Fall versehen, wenn die Wagen in gemischten Zügen auf Nebenlinien verkehren.

Textabbildung Bd. 316, S. 499

Die Wagen der niederländischen Eisenbahnen werden mit Dampf geheizt und sind mit einer unteren Leitung für die Füsse der Reisenden und einer zweiten, welche unter den Bänken angebracht ist, versehen. Jede derselben ist unmittelbar an die Hauptleitung angeschlossen und wird mittels an beiden Seiten der Wagen angebrachter Hähne gespeist. Der Dampfdruck variiert je nach der Anzahl der Wagen zwischen 2 und 3 at.

Russische Eisenbahnen. Ausser den Heizungssystemen mittels warmer Luft oder warmen Wassers werden die Wagen einiger Linien mit Dampf oder Dampf und Wasser geheizt. Auf den gewöhnlichen Linien wird der Dampf einem besonderen Dampfkessel entnommen; die Wasserheizung findet grösstenteils auf den Sekundärbahnen statt. Die gemischte Heizung dient vorzugsweise für unabhängige Wagen, um dieselben sowohl auf Haupt- als Nebenlinien verwenden zu können. Der Unterschied zwischen der Aussen- und der Innentemperatur steigt oft bis auf 56°. Zur Heizung der Dampfkessel wird Petroleum, zur Warmwasserleitung Koks verwendet.

Schweizerische Eisenbahnen. In der Schweiz fängt man an, das Haag'sche System einzuführen, um die Möglichkeit der Abwechselung der Heizung zu erhöhen und durch die gegebene Möglichkeit, das Kondenswasser nach aussen abzulassen, das Einfrieren der Leitungen zu verhüten. Bisher ist jedoch das System der französischen Ostbahn noch am meisten in Gebrauch.

Auf der Gotthardlinie, bei welcher die Leitungen im allgemeinen lang sind, befindet sich am niedrigsten Punkte jeder Leitung ein Heintz'scher automatischer Reiniger, während die Hauptleitung noch mit mehreren Reinigern versehen ist, so dass deren Anzahl oft bis 14 an einem Wagen beträgt. Eine besondere Vorrichtung dient zum Füllen der Waterklosetts mit Wasser aus den Behältern während der Fahrt.

IV. Elektrische Heizung.

Die Heizung mittels Elektrizität ist erst teilweise in Belgien und der Schweiz angewendet worden. In Belgien wurde der Versuch auf einer mit Elektrizität betriebenen Lokalbahn gemacht und zwar mittels Rheostaten, jedoch ist der Energieverbrauch ein ganz unverhältnismässig hoher. Weitere Einführung hat die Elektrizität als Heizquelle für Wagen nur auf der elektrischen Bahn in Engelberg und Burgdorf-Thun gefunden. Eine Kostenberechnung der Anlage und ein Bericht über die Anwendbarkeit kann jedoch noch nicht angegeben werden.

Kleinere Mitteilungen.

73. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Hamburg am 22. bis 28. September 1901.

Aus der reichen Fülle der zur Versammlung angemeldeten Vorträge und Demonstrationen mögen dem soeben erschienenen Verzeichnis speziell diejenigen entnommen sein, die für unseren technischen Leserkreis ein besonderes Interesse bieten.

1. Abteilung: Schilling (Göttingen): Neue kinematische Modelle zur Verzahnungstheorie und ihre Beziehung zur Theorie der Berührungstransformationen.

2. Abteilung: Ahlhorn (Hamburg): Ueber den Mechanismus des Widerstandes flüssiger Medien (mit Demonstration). Archenhold (Treptow): Die Entwickelung der Fernrohrtechnik im 19. Jahrhundert (mit Lichtbildern). Blochmann (Kiel): Ueber elektrische Strahlentelegraphie. Braun (Strassburg): Ueber elektrische Wellentelegraphie. v. Geitler (Prag): Ueber Kathodenstrahlen. Hesekiel (Berlin): Neuartige Photographien in natürlichen Farben. Hoppe (Hamburg): Ueber elektrodynamische Convection. Kahlbaum (Basel): Ueber destillierte Metalle. Marcuse (Berlin): Ein neues photographisches Universalinstrument zur geographischen Ortsbestimmung. Mewes (Berlin): Grundlagenund Hauptresulate der Aetherschwingungstheorie in Physik und Psychophysik. Möller (Braunschweig): Drehschwingung und Zentralschwingung in Beziehung zu Magnetismus und Elektrizität. Müller-Erzbach (Bremen): Das Wesen des Dampfdruckes durch Verdunstung. Precht (Heidelberg): Eigenschaften der Becquerel-Strahlen. Ruhmer (Giessen): Ueber das Photographophon. Voller (Hamburg): Versuche über remanenten und latenten Magnetismus. Wachsmuth (Rostock): Die innere Wärmeleitung in Flüssigkeiten. Walter (Hamburg): a) Ueber die Haga- und Wind'schen Beugungsversuche mit Röntgen-Strahlen (mit Demonstrationen), b) Ein photographischer Apparat zur genaueren Analyse des Blitzes.

3. Abteilung: Bauch (Potsdam): Vorausbestimmung der Kurvenform einer Wechselstromspannung. Benischke (Berlin): Die Schutzvorrichtungen der Starkstromtechnik gegen atmosphärische Entladungen. Frahm (Hamburg): Neuere Untersuchungen im Schiff- und Schiffsmaschinenbau auf der Werft von Blohm und Voss (der Vortrag findet auf der Werft statt). v. Gaisberg (Hamburg): Die Einrichtung der Hamburgischen Elektrizitätswerke, mit Besichtigung der Zentrale in der Karolinenstrasse. Gümbel (Hamburg): Der an den Enden festliegende