Text-Bild-Ansicht Band 316

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behaupten, dass für den Auslauf die Umfangsgeschwindigkeit nahezu gleichgültig ist. Damit fällt auch die viel verbreitete Ansicht, dass wegen zu hoher Umfangsgeschwindigkeit der durch die Walze gefasste Stoff aus den Zellen oft nicht zeitig genug heraus könne. Nicht das ist es, warum solche Holländer schlecht „ziehen“, wenn sie eine sehr hohe Umfangsgeschwindigkeit der Walze erhalten, dass der Stoff beim Auslauf nicht rechtzeitig die Zellen verlassen kann, sondern das, dass die Zellen heim Einlauf nicht genügend gefüllt werden, weil dafür nicht genug Zeit und Gelegenheit vorhanden ist, wie die bezüglichen Ermittelungen bereits dargethan haben.

Beim Auslauf ist es sogar angängig, jene Zeit, jene Stellung in ganz annehmbaren Verhältnissen zu bestimmen, wo x = 0, d.h. die Zelle vollständig entleert worden ist.

Nach Gleichung 42 findet dies offenbar statt, wenn x = 0, also

.

Quadriert und etwas ausgerechnet erhalten wir die Bedingungsgleichung:

43)

Vernachlässigen wir das zweite Glied rechts des Gleichheitszeichens wegen seiner durch ω2 im Nenner veranlassten Kleinheit, so wird

. . . 43)

Daraus finden wir den Winkel, bei welchem für ein bestimmtes aw die Entleerung der Zelle bereits beendet ist,

. . . 44)

Danach wird z.B. für ζe= 1, aw = 0,05 m, r = 0,5 m, φ = 60°, φ = 23°, so dass also noch weit unter der Wagerechten durch die Walzenmitte die Zelle bereits vollkommen entleert ist. ζe ist wohl nicht gerade klein angenommen worden. Doch kann es für sehr dicke Stoffe immerhin viel grösser ausfallen und damit φ kleiner werden.

Es sei hier Gelegenheit genommen, ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass ζe (ebenso wie der Reibungskoeffizient ζr) keineswegs von der Geschwindigkeit unabhängig sind, während in vielen vorangegangenen Rechnungen so verfahren worden ist, als ob ζe konstant wäre. Es hätte die Berücksichtigung der Veränderlichkeit von ζe mit der Geschwindigkeit aber so viele Umständlichkeiten verursacht, zum mindesten die Uebersichtlichkeit so sehr gestört, dass deshalb davon abgegangen worden ist, jene Veränderlichkeit in den Rechnungen unmittelbar zum Ausdruck zu bringen. Es ist wohl aber selbstverständlich, dass die Werte, welche man für einen konstant nach einer vorangegangenen Schätzung angenommenen Wert von ζe erhält, nach Art der Regula falsi verbessert werden sollen, wenn sich nach Erhalt des Resultates bedeutendere Unterschiede gegen die für ζe angenommene Geschwindigkeit erkennen lassen.

Insbesondere mag hervorgehoben werden, dass nach Gleichung 41 ua, die radiale Austrittsgeschwindigkeit des Stoffes, mit der Umfangsgeschwindigkeit der Walze ungemein wächst. Demgemäss wird aber auch ζe grösser, allerdings nur langsam, weil die vierte Wurzel der Geschwindigkeit bei ζe einwirkt. Aber immerhin kann es merklich werden bei den hohen Fasergehalten, welche heute so gerne mit einer gewissen Berechtigung gewählt werden. Daraufhin hätte es dann eher einen Sinn zu sagen, dass hohe Walzengeschwindigkeiten den Austritt des Stoffes aus den Zellen ungünstig beeinflussen.

Es sei aber ausdrücklich schon jetzt hervorgehoben, dass für die gewöhnlich vorkommenden Verhältnisse mit nicht allzu dicken Stoffen, wie eine einfache Kontrollrechnung mit den Formeln für ζe ziffermässig zu überzeugen vermag, auch dieser Einfluss sekundär ist und das oben kursiv gedruckte im wesentlichen aufrecht bleibt.

Suchen wir aber, um die Sache so weit wie thunlich klar zu legen, etwas Näheres über diesen Zusammenhangzwischen dem Fasergehalt und der Geschwindigkeit der Walze zu erfahren.

Die äusserste Zellenstellung, bei welcher wir noch Vorteil von dem abgeschleuderten Stoff erwarten dürfen für den Zug im Holländer, ist jene, bei welcher der ausgeworfene Stoff noch eine von der Lotrechten nach links (Fig. 34) abweichende Richtung durch die Walzendrehung empfängt. Diese Richtung folgt aber aus der Zusammensetzung der radialen mit der Umfangsgeschwindigkeit. Wenn wir nun annehmen, dass über die Wagerechte hinaus noch Stoff in der Zelle sich befindet, so besitzt dieser Stoff nach Gleichung 41 eine relative Radialgeschwindigkeit, welche deshalb, weil offenbar x mit fortschreitender Drehung immer kleiner wird, für die bei U (über der Wagerechten) gezeichnete Lage einem grössten Werte nahe gekommen ist, so dass also die radiale Geschwindigkeit UR verhältnismässig gross ist. UT, die tangentielle Umfangsgeschwindigkeit der Walze, hat ihren einmal angenommenen Wert, die Resultierende von UT und UR, d.h. US, kann für den äussersten Fall nur lotrecht gerichtet sein, denn schon dann ergibt sich keine Geschwindigkeitskomponente in wagerechter Richtung, welche allein das Uebertreten über den Kropf B veranlassen kann. Schon mit der Richtung US fällt der abgeschleuderte Stoff in sich selbst zurück, gelangt also nicht über den Kropf.

Weil (tgSUT= [ua : vw] = tgφ*) ist, so fällt φ1* um so grösser aus, je grösser ua gegen vw wird, d.h. je grösser die relative, radiale Austrittsgeschwindigkeit wird, desto mehr können die Zellen über die Wagerechte sich erheben und doch noch Stoff über den Kropf liefern.

Textabbildung Bd. 316, S. 558

ua wird aber nach Gleichung 41 grösser, je kleiner ζe, der Stoffwiderstand gegen den Austritt, wird. ζe wird aber kleiner, je dünner der Stoff wird, ungemein viel grösser bei dickeren Stoffen, so dass dabei unbedingt sehr kleine Geschwindigkeiten angewendet werden müssen, wenn überhaupt noch merkbare Bewegung möglich sein soll.

Daraus folgt aber, dass gerade bei den dickeren Stoffen, wo wir noch fürchten müssen, dass Stoff in den Zellen über die Wagerechte hinaufgeschleppt werde (die dünneren Stoffe lassen dies nach dem speziellen Beispiel, welches gegeben worden ist, nicht befürchten), die radiale Austrittsgeschwindigkeit so Mein wird, dass selbst für die wagerechte Lage von UR (Fig. 34) die Resultierende US kaum von der Lotrechten nach links abweicht, also weiterhin auch keinen Stoff mehr über den Kropf schafft.

Textabbildung Bd. 316, S. 558

Noch ist es denkbar, dass durch eine vielfach empfohlene und in den meisten Handbüchern über Papierfabrikation erwähnte Lagenänderung der Messer wesentliche Abhilfe gebracht werde: durch die Schiefstellung der Messer gegen den Messer und gegen den Umfang, wie es in Fig. 35 skizziert ist.