Text-Bild-Ansicht Band 316

Bild:
<< vorherige Seite

Zweifellos ist, dass die durch die Schwerkraft veranlasste Beschleunigung grösser wird, wenn die Messer unter dem Winkel a gegen den Radius geneigt sind. Erinnern wir uns aber, wie gering der Einfluss der Schwerkraft gegenüber der Fliehkraft ist, so gering, dass eine geringe Verbesserung der Wirkung der Schwerkraft auch nicht in die Wagschale fällt. In der Formel für die radiale Austrittsgeschwindigkeit würde nur statt des mittleren Winkels

treten
.

Weil nun nur der Sinus dieses Winkels weiteren Einfluss nimmt, so verschwindet er thatsächlich gegen die Wirkung der Fliehkraft, so dass ua kaum geändert auch dann folgt, wenn die Messer schief gegen den Halbmesser stehen.

Auch wirkt die Fliehkraft, welche ja radial die Teilchen aus den Zellen drängt, nur mehr mit einer Komponente bei schiefgestellten Messern. Auch dies führt dazu, dass durchaus keine grössere Austrittsgeschwindigkeit folgt, als bei radial gestellten Messern.

Denken wir uns aber, es verlasse bei U (Fig. 35) ein Teilchen die Zelle schon über der Wagerechten A B. Dann bekommt dieses Stoffteilchen die tangentielle Walzen- und die zu dem Messer parallele Austrittsgeschwindigkeit UT und UR. Deren Resultierende ist US. Soll diese an der Grenze noch lotrecht stehen, so folgt aus dem Geschwindigkeitsparallelogramm der Winkel TUS = φ1*:

ua : vw = sinφ1* : cos (α – φ1*)

und näherungsweise:

.

Bei den dicken Stoffen, wo (ua : vw) notgedrungen sehr klein wird, folgt auch φ1* so klein, dass man thatsächlich praktisch von einem Nullwert sprechen kann.

Bei dünnen Stoffen brauchen wir aber die Neigung der Messer gegen den Halbmesser nicht, weil da ohnehin der Stoff früh genug auch bei radial gestellten Messern aus den Zellen treten kann.

Erinnern wir uns noch daran, dass auch beim Eintritt des Stoffes in die Zellen gerade diese Art der Schiefstellung der Messer keineswegs unbedingt erwünscht ist, wie ausdrücklich hervorgehoben worden ist, so folgt zwingend der Schluss, dass die gewiss mehr Umstände in der Herstellung verursachende Schiefstellung der Messer gegen den Halbmesser nicht bloss eine nennenswerte Bedeutung nicht beanspruchen darf, sondern dass es mehr als fraglich ist, ob sie nicht zu verwerfen sei.

Es ist also nach all diesem wirklich nur der Winkel φ* als jenen Raum charakterisierend anzusehen, innerhalb dessen Stoff aus den Zellen über den Kropf geliefert wird. Je grösser dieser Grundwerkswinkel also, ganz allgemein gesagt, wird, desto mehr Zeit ist vorhanden, dass Stoff aus der Walze über den Kropf gelangt.

Bei den Korschilgen-Holländern, über die auch weiter oben von Rész ein drastisches Urteil gegeben worden ist, dehnt sich das Grundwerk beinahe bis zur Kropfoberkante aus, so dass also φ*, der Winkel, innerhalb dessen überhaupt noch der Stoffaustritt zu beachten ist, allzu klein wird, um selbst in grösserer Menge an der Einlaufseite gefassten Stoff beim Auslauf abzugeben. Dies scheint dem Verfasser klipp und klar der Grund für den schlechten Zug der Korschilgen-Holländer zu sein, ohne dass es notwendig ist, die Kropfverengerung bezw. -erweiterung, auf He überdies noch zurückzukommen ist, als allein verantwortlich für den schlechten oder guten „Zug“ hinzustellen.

Wenn wir nun also als äussersten Fall nur so lange Stoffaustritt zu beachten haben, als die Zelle mit ihrem Untermesser in die wagerechte Lage kommt, so erhalten wir aus Gleichung 44 für φ = 0 die Bedingungsgleichung

. . . . . . 45)

welche den grösstmöglichen Stoffaustritt charakterisiert, d.h. die Bedingung festlegt, unter welcher die Zelle vollständig leer wird, bis sie in die wagerechte Lage kommt. Der Winkel φ* kann wohl so ziemlich, wenigstens für ähnliche Holländerkonstruktionen, als konstant angesehen werden, während die anderen Grössen immerhin, auch beiderselben Holländertype, veränderbar sind. Bringen wir die vorige Bedingungsgleichung auf eine andere Form, so erhalten wir:

oder auch:

. . . . . 45*)

Wir schliessen daraus: Für einen gegebenen Stoff, der mit bestimmter Geschwindigkeit bewegt werden soll (konstantes ζe), soll das Verhältnis zwischen Zellentiefe und Halbmesser der Walze ein bestimmtes sein, oder auch anders gesagt: bei sonst gleichen Verhältnissen erfordert eine grössere Füllung in den Zellen grösseren Walzenhalbmesser, oder auch bei grösserem Walzenhalbmesser kann unter sonst gleichen Umständen eine grössere Stoffmenge aus jeder Zelle abgeworfen werden, so dass sie noch über den Kropf gelangt; andererseits kann ζe, also auch die Stoff dicke desto grösser werden, je kleiner das Verhältnis zwischen Zellentiefe und Walzenhalbmesser wird, je grösser also für eine bestimmte Zellentiefe der Walzenhalbmesser wird; sehr dicke Stoffe bedürfen deshalb zu ihrer rationellen Verarbeitung unbedingt sehr grösser Walzen. Es ist dies um so mehr hervorzuheben, weil bei kleinen Holländern doch das Grundwerk nicht proportional verkleinert werden kann, um die nötige Messerzahl herauszubringen, weshalb bei diesen der Winkel φ* eher kleiner als bei den grossen Holländern wird. Für die in der neueren Zeit immer mehr der Verarbeitung zugeführten dicken Stoffe sind somit die grossen Holländer geradezu eine Notwendigkeit.

Beide Umstände: dicke Stoffe und grosse Holländer ziehen aber Massenfabrikation unausweichlich nach sich, so dass der Zug hierzu, besonders wenn auch noch das auf den Kraftbedarf Bezügliche, schon Vorangegangene, bedacht wird, nur erklärlich ist.

Die Frage nach der Ausgestaltung des Kropfbogens BK kann nunmehr, nachdem Ein- und Ausfluss aus den Zellen behandelt worden ist, ohne besondere Schwierigkeiten erledigt werden.

Schon gelegentlich Erörterung der Frage über die Ausdehnung des Winkels φ* bezw. der auffallend weitausgedehnten Grundwerke nach System Korschilgen ist Erwähnung davon gethan worden, dass man Platz zwischen der Walze und dem Kröpfe braucht. Damit ist aber auch eigentlich das, was hier nur ausdrücklich gesagt werden soll, streng genommen schon berührt worden.

Der Raum zwischen Kropf und Walze hat für die Ableitung des aus den Zellen geflossenen Stoffes zu sorgen. Es muss genügend Raum vorhanden sein, damit der Stoff mit jener Geschwindigkeit, die er beim Abfliegen von der Walze besitzt, wirklich abströmen kann, nicht durch einen zu engen Querschnitt zu noch grösserer Geschwindigkeit, als sie dem Stoff durch die Walze ohnehin schon erteilt wird, und damit zu einer Pressung gegen den aus den Zellen tretenden Stoff und zu einem neuen Widerstand gegen das Austreten aus den Zellen gezwungen wird. Verbreiterung des aus den Zellen kommenden Stoffstromes und damit eine wesentlich kleinere Stoffgeschwindigkeit längs des Kropfes ist wohl wegen der Kürze des Weges und der Zeit, die hierfür zur Verfügung steht, bis der Stoff über den Kropf gelangt, nicht zu erwarten. Man denke nur daran, dass ein aus einem Gefäss fliessender Flüssigkeitsstrahl keineswegs sogleich nach allen Seiten beliebig sich ausbreitet, er hält noch zusammen und mag man an die Ausflussöffnung ein noch so weites Rohr, um die Geschwindigkeit des Strahles herabzudrücken, anschliessen, der Erfolg bleibt aus, weil sich der Strahl dem zur Verfügung gestellten Querschnitt nicht anpasst, er fliesst ein tüchtiges Stück weiter, so, als ob das Rohr gar nicht vorhanden wäre, wie sich Verfasser durch unmittelbaren Versuch mit Ansatzrohren überzeugen konnte. Verfasser bedauert in dieser Richtung, mit Rész in seinen oben abgedruckten Ansichten nicht übereinstimmen zu können. Aber es ist ja ohnehin der Kropfweite genug, wenn wir nur die Geschwindigkeit des aus den Zellen strömenden Stoffes durch allzu engen Kropfkanal nicht erhöhen wollen;