Text-Bild-Ansicht Band 316

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Doch dann, wenn der Stoff in Form von Halbzeug oder noch mehr beim Granzzeug die Fasern so gleichmässig und schon fein verteilt enthält, ist nach allem, was der Verfasser beobachten konnte, thatsächlich Abdichtung zwischen Walze und Grundwerk anzunehmen. Denken wir nur an die Schwerbeweglichkeit der Papierstoffe, an das ausserordentliche Anwachsen der Widerstände bei höheren Fasergehalten und hohen Bewegungsgeschwindigkeiten, wie es durch die vom Verfasser ausgeführten Versuche unleugbar festgelegt worden ist. Denken wir daran, wie schwer infolgedessen der Stoff aus den offenen Zellen tritt, so kann nach dieser durch Zahlen gestützten Ueberlegung kaum ein Zweifel daran aufkommen, dass zwischen Grundwerk und Walze keineswegs eine merkliche Stoffmenge (zum mindesten beim Ganzstoffmahlen) entflieht. Dann haben wir aber für die Ausgestaltung des Kropfbogens KB (Fig. 34) die Bedingung einzuhalten, dass er beim Grundwerke zur sicheren Führung des austretenden Stoffes thunlichst nahe an die Walze herantrete, ein toter Winkel dürfte keineswegs gut sein, und allmählich verlaufend oben bei B diejenige Entfernung zwischen Kropf Oberkante und Walze einhalte, welche nach der Gleichung 47, 47* notwendig ist. Eine andere Bedingung ist nach Ansicht des Verfassers durchaus nicht vorhanden1).

Bevor wir dieses Kapitel verlassen, sei nur noch auf einen hochinteressanten Umstand, der sich aus unseren Gleichungen mit Bezug auf Ein- und Auslauf aus den Zellen konstatieren lässt, ausdrücklich hingewiesen.

Wir fanden, dass wir viel eher darauf rechnen können, dass sich die Zellen sehr vollkommen entleeren, als wie darauf, dass sie sich ordentlich füllen. Insbesonders ist hierfür die Trägheit des Stoffes mit Bezug auf hohen Fasergehalt, wie es aus Gleichung 39 sogleich zu ersehen ist, ungemein bedenklich. Aber wenn wir dickeren Stoff befördern, so befördern wir gleichzeitig eine grössere Fasermenge; so könnte man auf den ersten Blick meinen.

Doch ist dies nur bis zu einer von der Art des Stoffes, sowie von der Bauart des Holländers bestimmten Grenze richtig.

Das in einer Zelle enthaltene Fasergewicht, welches schliesslich befördert wird, ist annähernd pro Meter Walzenbreite aw . ew. 10 p für p % Fasergehalt.

Denken wir uns nun für aw die Werte aus Gleichung 40 und 39 gesetzt, so sehen wir sogleich, dass das in einer Zelle enthaltene Fasergewicht regiert wird von dem Prozentgehalt p im Zähler, aber auch im Nenner, weil ζe mit p wesentlich grösser wird unter sonst gleichen Umständen, d.h. es gibt einen von der Stoffart und von der Holländerkonstruktion abhängigen günstigsten Fasergehalt in dem Sinne, dass dabei die grösstmögliche Fasermenge befördert wird, daher eine weitere Erhöhung der Konzentration und damit des Stoffwiderstandes und der für dessen Ueberwindung aufzuwendenden mechanischen Arbeit, wenigstens mit Bezug auf den Stoffkreislauf, keinen Sinn hat.

Bei den gewöhnlichen Holländerformen, dort, wo insbesonders unmittelbar vor der Walze keine Stoffschiebevorrichtung eingeschaltet und dadurch vt wesentlich grösser als sonst erzwungen wird, hat in Gleichung 40 eigentlich nur x den massgebenden Einfluss. Setzen wir für diesen Fall näherungsweise aw = x, für x den Wert aus Gleichung 39, vernachlässigen wir dann das sehr kleine Glied mit x1, fassen wir weiters alle Glieder, die von p unabhängig sind, zusammen, so bemerken wir, dass die von der Walze geförderte Fasermenge ein Maximum wird, wenn

ein Maximum wird. Das Maximum folgt, wenn wir den ersten Differentialquotienten nach p gleich Null setzen, also:

. . . . 48)

Die Entwicklung für die verschiedenen Stoffe hat nun gar keinen Anstand, weil ζe aus Gleichung 5* bis 8* bekannt ist, und führt auf eine quadratische Gleichung nach p, so dass thatsächlich der günstigste Fasergehalt als annähernd rechnerisch bestimmbar anzusehen ist.

Uebt das zweite Glied in Gleichung 40, also die erzwungene hohe Zulaufgeschwindigkeit den grössten Einfluss aus, so ist zweifellos, dass diese auch von der Dicke des Stoffes mitbedungen wird, insbesondere in dem Sinne, dass vt kleiner wird mit dem dickeren Stoffe. Wir hätten also dann sinngemäss nach dem Obigen das Produkt (vt . p) auf das Maximum zu untersuchen, um den günstigsten Fasergehalt für diesen Fall zu finden, vt kann aber nur dann annähernd richtig, allerdings mit Benutzung der ermittelten Widerstandsformeln gefunden werden, wenn die Detailanordnung für die Partie vor der Walze vorliegt. Zweifellos ist aber hier der Weg gekennzeichnet, wie der Frage theoretisch zu Leibe gegangen werden kann. Die solcherart gewonnenen Angaben, die gewiss einer Korrektur mit Bezug auf die in wirklicher Ausführung so verschiedenen Verhältnisse bedürfen, indem ja die in Gleichungen gefassten Versuchswerte kaum anders als für bestimmte mittlere Bedingungen gefunden werden können, liefern einen zuverlässigen Anhaltspunkt, um damit die endgültige Ausführung durch wenige Kontrollversuche zur am besten entsprechenden machen zu können.

(Fortsetzung folgt.)

Mercadier's Vielfachtelegraph.

Wahrscheinlich angeregt durch den von Paul de la Cour im Jahre 1868 erfundenen phonischen Sender, hatte Prof. Mercadier, Direktor der staatlichen Hochschule für Telegraphie und Elektrotechnik in Paris, schon vor nahezu 30 Jahren, so ziemlich gleichzeitig wie Elisha Gray in Chicago (vgl. D. p. J. 1875 218 529 und 1877 225 46) sich bestrebt, Undulationsströme, welche durch elektrisch erregte Stimmgabeln erzeugt wurden, für die Zwecke der Doppeltelegraphie und endlich für die Vielfachtelegraphie auszunutzen. Mercadier's Erfindung war aber, obwohlgeistreich entworfen, erst im Laufe der Jahre für die Praxis soweit ausgereift, dass die ersten Versuche damit im Februar 1898 eingeleitet werden konnten. Diese praktischen Erprobungen, welche auf einer der direkten Linien Paris-Bordeaux stattfanden und daselbst zur Zeit noch weiter verfolgt werden, haben vielversprechende Ergebnisse erzielen lassen. Infolgedessen sind nun seit einigen Monaten auch in England und zwar auf einer Kupferlinie zwischen London und Glasgow mit Mercadier's Vielfachtelegraphen Versuche aufgenommen worden, über deren

1)

In der jüngst erschienenen Arbeit von Ereky (S. 235 d. Bd.) ist auf wohl als vollständig misslungen zu bezeichnende Art und Weise für die Kropfbegrenzung KB die logarithmische Spirale gerechnet worden. Es ist im Interesse der allgemeinen Wertschätzung technisch wissenschaftlicher Forschung zu bedauern, dass von falschen Voraussetzungen ausgegangen wird. Ereky macht, um auf jene Form zu kommen, die unzulässige Annahme, dass der Stoff von der Walze beherrscht werde, auch dann, nachdem er die Zellen bereits verlassen hat. Er rechnet nämlich so, dass die Zentrifugalbeschleunigung rω2 auch noch gelte, wenn der Stoff nicht mehr in den Walzenzellen sich befindet, nicht mehr durch die Messer zum Kreisen mit der Walze gezwungen wird. Hat der Stoff die Walze einmal verlassen, ist er mit der Resultierenden aus der Umfangs- und der radialen Geschwindigkeit abgeschleudert worden, so hat er nur die Tendenz, die dieser Geschwindigkeit entsprechende Wurflinie zu beschreiben, was er dann auch ohne weiteres thut, wenn man keinen Kropf (Fig. 28) ausführt (oder auch über demselben). Dagegen kommt Ereky zu einer Kropfweite in seiner Fig. 7, die bedauerlicherweise geradezu das abfällige Urteil der Praktiker gegen solche „Theoretiker“ herausfordert. Ein einfacher Versuch hätte Ereky belehren müssen, dass das Resultat der fehlerhaften Annahme vollständig falsch ist. In ähnlicher Weise finden sich meist in der Ereky'schen Arbeit Ansichten ausgesprochen, welche die Vermutung aufkommen lassen, dass Ereky die Holländer nicht eingehend genug angesehen hat.